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Hinweise zur Nutzung

Dieses Kompendium an Wetterwissen wurde unter anderem mit Inhalten der rechts in der Infobox angeführten Quellen erstellt. Vielen Dank an dieser Stelle für die freundliche Genehmigung!

A

Abgeschlossenes Tief (Closed Low)

Ein Gebiet niedrigen Luftdruckes mit einem ausgeprägten Zentrum zyklonaler Rotation, das komplett von einer oder mehreren Isobaren oder Höhenkonturen umfasst wird. Der Ausdruck wird normalerweise verwendet, um ein Gebiet niedrigen Luftdrucks in der Höhe (Höhentief) von einem Trog zu unterscheiden. Abgeschlossene Höhentiefs sind gewöhnlich teilweise oder komplett von der westlichen Hauptströmung (Westdrift) abgekoppelt und bewegen sich daher relativ langsam.

 
Abgeschnürtes Tief, Cutoff-Tief (Cutoff Low)

Ein geschlossenes Tief, das komplett von der westlichen Grundströmung losgelöst (abgeschnürt) ist und sich unabhängig davon bewegt. Cutoff-Tiefs können über Tage quasistationär bleiben, oder sich gelegentlich auch nach Westen, entgegen der vorherrschenden Höhenströmung, bewegen.

Die Begriffe "abgeschnürtes Tief" und "geschlossenes Tief" werden häufig gleichbedeutend verwendet, um Höhentiefs zu beschreiben. Allerdings sind nicht alle geschlossenen Tiefs komplett vom Einfluß der Westwinde abgetrennt. Daher wird empfohlen, den Begriff "abgeschnürtes Tief" bzw "Cutoff-Tief" nur für die geschlossenen Tiefdruckgebiete zu verwenden, die völlig von der Westwinddrift losgelöst sind.

 
Absinken

Abwärts gerichtete Strömung der Atmosphäre mit Geschwindigkeiten von weniger als 0,1 m/s (darüber: Abwind). Die Abwärtsbewegung der Luft kann großräumig im Zentrum eines Hochdruckgebietes ("dynamisch") oder orographisch bedingt auf der Leeseite eines Gebirges erfolgen, wobei diese sich erwärmt, was zur Auflösung der Wolken führt. Die absinkende Luft (trockenadiabatisch: um 1°C/100m) kommt in einer bestimmten Höhe wärmer an als die dort darunter angrenzende (vom Absinkvorgang nicht mehr erfaßte) Luft und bildet eine Inversion.

 
Absolute Feuchte

Gehalt der Luft an Wasserdampf in Gramm pro Kubikmeter; bei 0°C maximal 5 g/ccm, bei 20°C ca. 17 g/ccm.

 
Abwind (Downdraft)

Eine kleinräumige Luftsäule, die schnell auf den Boden absinkt, üblicherweise begleitet von Niederschlag, wie bei einem Schauer oder Gewitter. Ein Downburst ist das Ergebnis eines starken Abwindes. Allgemein definiert als abwärts gerichtete Luftströmung mit einer Geschwindigkeit von 0,1 m/s oder (geringer: Absinken); tritt im Bereich von Fronten, Schauer- und Gewitterwolken sowie im Lee überströmter Gebirge auf.

 
ACCAS

AltoCumulus CAStellanus; Wolken des mittleren Stockwerks (Basis allgemein bei 2500 bis 5000 Meter), von denen zumindest Teile im oberen Bereich Cumulus-typische Entwicklung zeigen. Diese Wolken haben oft mehr vertikale als horizontale Ausdehnung, was ihnen ein türmchenartiges Aussehen verleiht. ACCAS-Wolken sind ein Zeichen von Labilität in der Höhe und können der schnellen Entwicklung von Gewittern vorausgehen.

 
Adiabatisch

Werden Luftmassen vertikal bewegt, findet dabei kein Wärmeaustausch mit der Umgebung statt, da die molekulare Wärmeleitung in Luft außerordentlich gering ist. Diesen Vorgang nennt man adiabatisch. Aufsteigende Luft dehnt sich aus (geringerer Luftdruck) und kühlt dabei ab, absinkende wird komprimiert (höherer Luftdruck) und erwärmt sich. Praktisch alle Vertikalbewegungen in der Lufthülle verlaufen adiabatisch, unterhalb des Kondensationsniveaus trockenadiabatisch (Temperaturänderung 1°C/100m), oberhalb feuchtadiabatisch (etwa 0,6°C/100m).

 
Advektion

Transport einer atmosphärischen Eigenschaft durch den Wind. Metereologisch meist für das Heranführen von Luftmassen verwendet (horizontale Bewegung). Durch Luftbewegung wird Wärmeenergie (in Warm- oder Kaltluftmassen), auch Wasserdampf, Aerosole, u.a. transportiert. Das Heranströmen von anders temperierten Luftmassen erfolgt überwiegend in horizontaler Richtung, im Gegensatz zur Konvektion, in der sich Luftschichten in senkrecht auf- und absteigender Bewegung befinden. Die im Rahmen der atmosphärischen Zirkulation erfolgende Advektion verursacht längere Wärme- und Kälteperioden im Witterungsgeschehen.

 
Altocumulus

Die eigentliche "Schäfchenwolke", als Ballen oder Walzen in Haufenform, oft mit schmalen deutlichen Lücken ("Schafherde von oben"); in 2,5-6 km Höhe. Unterscheidet sich von Cirrocumulus dadurch, dass die einzelnen Wolkenteile größer sind und auch Schatten (graue Stellen) aufweisen.

 
Altostratus

Eine gleichmäßige, meist strukturlose graue Wolkenschicht in 2,5-6 km Höhe. Die Sonne ist manchmal als heller Fleck erkennbar (ohne Halo).

 
Amboss (Anvil)

Das sich flach ausbreitende obere Ende eines Cb (Cumulonimbus), oft geformt wie ein Amboss. Gewitterambosse können sich hunderte von Kilometern in Windrichtung vom eigentlichen Gewitter weg ausbreiten. Manchmal erfolgt die Ausbreitung auch entgegen der Windrichtung (Back-Sheared Anvil).

 
Antizyklone

Andere Bezeichnung für ein Hochdruckgebiet mit einem Luftdruckwert im Zentrum von etwa 1025-1030 Hektopascal. Der höchste Luftdruck auf der Erde wurde bisher mit rund 1080 Hectopaskal in einem winterlichen Hoch über Sibirien gemessen. Gegensatz: Zyklone = Tiefdruckgebiet, mit Werten um 990-1000 Hektopascal.

 
Antizyklonale Rotation

Rotation entgegen der Erdrotation, z.B. im Uhrzeigersinn auf der Nordhalbkugel (von oben betrachtet). Das Gegenteil von zyklonaler Rotation.

 
Anvil

Siehe: Amboss

 
Anvil Crawler

Eine Blitzentladung im Amboss eines Gewitters, sie ist gekennzeichnet durch einen oder mehrere Blitzkanäle, die an der Unterseite des Ambosses entlang zu "kriechen" scheinen. Sie treten typischerweise bei sich abschwächenden oder auflösenden Gewittern auf, oder aber in einem aktiven MCS.

 
Anvil Dome

Ein großer Overshooting Top oder Penetrating Top.

 
Anvil Rollover

Ein kreisförmiger oder halbkreisförmiger Rand aus Wolken entlang der Unterseite des Aufwindbereiches eines Back-Sheared Anvil, die die schnelle Ausbreitung des Ambosses anzeigen.

 
Anvil Zits

Häufige (oft ständige oder beinahe ständige), eingegrenzte Blitzentladungen im Bereich eines Ambosses.

 
AP - Anomalous Propagation

Radarausdruck für falsche (nicht niederschlagsbedingte) Echos die aus anormaler Ausbreitung des Radarsignals unter bestimmten atmosphärischen Bedingungen resultieren.

 
Aquaplaning

Wasserglätte tritt auf regennassen Straßen bei Kraftfahrzeugen mit hoher Geschwindigkeit durch Verlust der Bodenhaftung auf. Das Kfz verhält sich wie bei Glatteis. Der Autoreifen ist bei zu großen Wasseransammlungen auf der Fahrbahn nicht mehr in der Lage, genügend Wasser durch das Profil abzuleiten. Kann auch bei der Landung von (Groß-) Flugzeugen auftreten. Der Vorhersage von heftigen Regenfällen wird daher in der Flugmeteorologie neuerdings besonderes Gewicht beigemessen.

 
Arcus

Eine niedrige horizontale Wolkenformation die mit der Vorderseite des Gewitter-Abwindbereiches in Verbindung steht (z.B. der Böenfront), Rollclouds und Shelfclouds sind Typen von Arcus-Wolken.

 
Atmosphäre

Die Lufthülle der Erde zeigt in ihrem vertikalen Aufbau unterschiedliche Eigenschaften und wird daher in mehrere "Stockwerke" unterteilt. Das unterste Stockwerk, die Troposphäre, reicht in Mitteleuropa bis ca. 11 km Höhe; in ihr spielt sich das Wetter ab. Die Temperatur nimmt von (im Mittel) +15°C an der Erdoberfläche nahezu gleichmäßig mit der Höhe um durchschnittlich 6,5°C je Kilometer ab bis etwa -57°C (Tropopause). In der darüberliegenden Stratosphäre steigt die Temperatur auf -50°C in 28 km Höhe an. Dann setzt ein kräftiger Anstieg bis auf 0°C in 50 km Höhe ein infolge der Absorption der ultravioletten Strahlung durch das Ozon. Die Obergrenze der Stratosphäre stellt ein Temperaturmaximum dar und wird Stratopause genannt. In der anschließenden Mesosphäre sinkt die Temperatur wieder bis auf etwa -100°C in 80 km Höhe. Darüber beginnt die Thermosphäre, die bis zum Rand der Atmosphäre in etwa 500-600 km Höhe reicht. Die Temperatur nimmt infolge der Absorption von Röntgen- und Gammastrahlung der Sonne wieder rasch zu auf über +100°C bis auf +700°C am Rand der Atmosphäre. Jenseits davon beginnt die Exosphäre, der interplanetarische Raum. Die hohen Temperaturangaben sind jedoch infolge der extrem geringen Luftdichte nicht mit denen in der unteren Atmosphäre zu vergleichen.

 
Aufgleiten

Bezeichnung für die erzwungene Aufwärtsbewegung (und dadurch verursachte Wolkenbildung) wärmerer Luftmassen an einer schwach geneigten Luftmassengrenzfläche (Warmfront), unterhalb der sich kältere Luft befindet. Dabei bilden sich ausgedehnten Wolkenfeldern (Cirrostratus, Altostratus und Nimbostratus) aus, die meist längere Niederschläge ("Landregen") verursachen. Tritt an der "Vorderseite" der von West nach Ost wandernde Tiefdruckgebiete auf.

 
Aufwind (Updraft)

Ein kleinskaliger Strom aufsteigender Luft. Wenn die Luft ausreichend feucht ist, kondensiert die Feuchtigkeit aus und wird eine Cumuluswolke oder ein einzelner Turm einer Cumulus congestus oder Cumulonimbus (Cb).

 
Aufwindbasis (Updraft Base)

Anderer Ausdruck für die regenfreie Basis (Rain-Free Base).

 
Auslösetemperatur (Convective Temperature)

Die ungefähre Lufttemperatur, die am Boden erreicht werden muss, um Konvektion aus der Bodenschicht auszulösen.

Man unterscheidet zwischen der Auslösetemperatur für Cumulus-Wolken und der für die Thermik. Die Temperatur, die ein Luftteilchen am Erdboden an sonnigen Tagen annehmen muß, um mindestens bis zum Kondensationsniveau aufzusteigen, d. h. bis zu der Höhe, bei der die Quellwolkenbildung (Cumulus) beginnt. Die Auslösetemperatur wird in der Regel nur erreicht, wenn in den unteren Luftschichten bzw. in Bodennähe genügend Feuchtigkeit vorhanden ist. Bei zu trockener Luft steigt zwar die vom Boden her erwärmte Luft auf, es bilden sich aber keine Wolken ("Blauthermik"). Die sog. Thermikauslösetemperatur ist dann erreicht, wenn die Konvektionsschicht (Umwandlung der Zustandskurve in eine adiabatische Schichtung) eine Mächtigkeit von 1000m über Grund erreicht hat und somit für einen Segelflug nutzbar ist (Thermikanschluss).

Sie wird aus einem Sounding ermittelt, dabei wird von vielen Annahmen ausgegangen, so dass sich Gewitter manchmal schon deutlich vor oder erst deutlich nach Erreichen der Auslösetemperatur entwickeln (oder es gar nicht zur Gewitterbildung kommt). Jedoch ist in vielen Fällen die Auslösetemperatur ein nützlicher Parameter zur Vorhersage des Einsetzens von Konvektion.

 
Ausgangsregion (Exit Region)

Die Region hinter einem Windgeschwindigkeitsmaximum (Jetmax) in einem Jetstream, in der die Luft das Gebiet maximaler Geschwindigkeit verlässt und damit abbremst. Das Abbremsen hat Divergenz der Höhenwinde in der linken Hälfte der Ausgangsregion (in Windrichtung gesehen) zur Folge, die wiederum zu Aufwärtsbewegungen (Hebung) der Luft im linken vorderen Quadranten (oder dem linken Auszug) des Jetmax führt. Dadurch erhöht sich manchmal das Unwetterpotential in diesem Gebiet.

B

Back-building Thunderstorm

Siehe: Rücklaufendes Gewitter

 
Back-sheared Anvil

Etwa: rückverschobener Amboss. Ein Gewitteramboss, der sich gegen den Höhenwind ausbreitet. Oft ist dies ein Indiz für einen mächtigen Aufwärtsstrom, nicht selten auch für eine Rotation der Zelle. Wenn der Rand des Ambosses zudem sehr glatt, oder sogar gerollt erscheint, ist dies ein Zeichen für ein möglicherweise extrem heftiges Unwetter bzw. eine Superzelle.

 
Barokline Zone (Baroclinic Zone)

Eine Region, in der auf konstanten Luftdruckflächen ein Temperaturgradient besteht. Barokline Zonen sind bevorzugte Gebiete der Verstärkung oder Abschwächung von Wettersystemen; barotropische Systeme dagegen verursachen keine signifikanten Intensitätsänderungen. Auch Windscherung ist charakteristisch für barokline Zonen.

 
Barotropes System (Barotropic System)

Ein Wettersystem, in dem Temperatur- und Druckflächen gleichmäßig sind (d.h. die Temperatur ist gleichbleibend auf einer konstanten Druckfläche). Barotropische Systeme sind durch das Fehlen von Windscherung charakterisiert und somit generell ungünstige Gebiete für eine Schwergewitterentwicklung. Siehe auch Baroklinie Zone.


In der angewandten Meteorologie bezieht sich der Begriff "Barotropisches System" gewöhnlich auf ein equivalent-barotropisches System: Ein System in dem zwar Temperaturgradienten existieren, die aber parallel zu den Höhengradienten einer konstanten Druckfläche verlaufen. In solchen Systemen sind die Höhenkonturen überall mit den Isothermen parallel und der Wind ändert seine Richtung nicht mit der Höhe.


In der Regel kann ein echtes equivalent-barotropisches System nicht in der realen Atmosphäre beobachtet werden. Wenn auch manche Systeme (wie beispielsweise "abgeschlossene Tiefs" oder abgeschnürte (Cut-Off-) Tiefs) einen Zustand sehr nahe dem equivalent-barotropischen erreichen, so wird der Ausdruck "Barotropisches System" üblicherweise im übertragenen Sinn zur Beschreibung von Systemen verwendet, die in Wirklichkeit nur beinahe equivalent-barotropisch sind, z.B. Isothermen und Höhenkonturen sind überall annähernd parallel und die Richtungswindscherung ist schwach.

 
Bärenkäfig (Bear's Cage)

Eine Region im Gewitter mit Rotation in Sturmstärke, die von heftigem Niederschlag eingehüllt ist. Dieses Gebiet deckt sich oft mit einem Hook Echo auf dem Radar bzw. einer Mesozyklone. Insbesondere, wenn diese mit einer HP-Superzelle in Verbindung steht. Der Ausdruck spiegelt die Gefahr wieder, die mit der visuellen Beobachtung in einer solchen Region verbunden ist, was auf kurze Entfernung bei geringer Sichtweite erfolgen muss. [Erfahrene Chaser meiden dieses Gebiet weiträumig!]

 
Beaufort-Skala

Eine vom englischen Admiral Sir Francis Beaufort (1774-1852) aufgestellte, ursprünglich zwölfteilige (ohne Windstille), später auf 17 Stufen erweiterte Skala der Windstärke, um auch innerhalb der Windstärke 12 (Orkan) noch eine weitere Unterteilung vornehmen zu können. Windstärke 12 war ursprünglich nach oben hin nicht begrenzt.

 
Begleitwolke

Eine Wolke, die zur Entstehung und für ihren Fortbestand ein größeres Wolkensystem benötigt. Rollclouds, Shelfclouds, und Wallclouds sind Beispiele von "Begleitwolken".

 
Berg- und Talwind

Berg- und Talwind treten tagesperiodisch auf. An Schönwettertagen erwärmen sich die Berghänge tagsüber stärker als die freie Atmosphäre. Die erwärmte Luft steigt entlang der Hänge oder direkt vertikal auf. So entsteht der gegen Mittag einsetzende taleinwärts gerichtete Wind (Talwind), der gegen Abend abflaut. Der Talwind überlagert sich mit dem Hangaufwind, der von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang weht. So entsteht tagsüber eine Zirkulation: Talwind am Boden, aufsteigende Luft über den Bergen, Kompensationsströmung in der Höhe, Absinken über dem Vorland. Die aufsteigende Luft über den Berghängen wird sichtbar, wenn nach einem wolkenlosen Morgen die Quellwolkenbildung zuerst über den Gipfeln einsetzt. Nachts hingegen kühlt die Luft an den Hängen durch Ausstrahlung ab und fließt talwärts und die ganze Zirkulation kehrt sich um. Vom späten Abend bis zum Morgen weht talauswärts der Bergwind, kombiniert mit dem Hangabwind. Der nächtliche Bergwind hat eine wichtige Funktion: Er ersetzt die verunreinigte Talluft durch saubere, staubarme Gebirgsluft. Diese Windsysteme, die sich in komplizierter Weise im Laufe des Tages überschneiden, werden gerne von Segel- und Drachenfliegern sowie Paragleitern genutzt.

 
Biberschwanz (Beaver('s) Tail)

Ein spezieller Typ eines Inflow-Bandes mit einer relativ breiten, flachen (abgeplatteten) Erscheinung, die an einen Biberschwanz erinnert. Er gehört zum Aufwind einer Superzelle und ist, grob gesehen, parallel zur Pseudowarmfront angeordnet, z.B. gewöhnlich von Ost nach West oder Südost nach Nordwest.  Wie bei jedem Inflow-Band bewegen sich die Wolkenelemente mit dem Aufwind (z.B. Richtung West oder Nordwest). Seine Größe und Form ändert sich mit der Änderung der Stärke der Einströmung. Diese Wolke fungiert oftmals als Verlängerung der Wallcloud zum Haupteinströmbereich der Warmluft (also nicht zum Niederschlagsbereich wie bei der Tail Cloud!). Biberschwanz-Wolken sind ein relativ sicheres Zeichen für heftige Superzellen.


Spotter sollen den Unterschied zwischen dem "Biberschwanz" und einer "Tailcloud" beachten! Eine "echte" Tailcloud hat typischerweise Verbindung mit der Wallcloud und hat eine Wolkenbasis auf gleicher Höhe mit ihr. Der Biberschwanz andererseits hat keine Verbindung zur Wallcloud und eine Wolkenbasis auf gleicher Höhe mit der des Aufwindes (die per Definition höher als die der Wallcloud ist). Im Gegensatz zum Biberschwanz bildet sich die Tailcloud aus Luftmassen des Hauptniederschlagsgebietes (Outflow Region). Daher kann sie in einem großen Winkel zur Pseudowarmfront angeordnet sein.

 
Blitz

Ausgleich elektrischer Spannungen (etwa 100 Mio. Volt) innerhalb von Gewittern zwischen zwei Wolken mit entgegengesetzter elektrischer Aufladung ("Wolkenblitz") oder zwischen einer Wolke und der Erdoberfläche ("Erdblitz"). Die häufigste Form ist der Linienblitz (verzweigte Zickzackspur); daneben gibt es noch den Flächenblitz, der entsteht, wenn die einzelnen Teilentladungen eines Linienblitzes durch die rasche Bewegung der Luftmasse flächenhaft auseinander gezogen werden. Sehr selten sind Perlschnurblitze und Kugelblitze. Jede Sekunde wird die Erdoberfläche von etwa 100 Blitzen getroffen.

 
Bodenbasierte Konvektion (Surface-based Convection)

Konvektion, die sich aus einer Bodenschicht entwickelt, d.h. einer Schicht, deren Untergrenze am oder sehr nahe am Erdboden liegt. Vergl. angehobende Konvektion.

 
Bodenwetterkarte

Zeichnerische Darstellung der Wetterverhältnisse eines größeren Gebietes (z.B. Europa und Nordatlantik) von einem bestimmten, international festgelegten Zeitpunkt (00, 06, 12, 18 Uhr UTC). In der Wetterkarte werden die Meßdaten der einzelnen Beobachtungsstationen nach einem sog. Stationsmodell mit ebenfalls international festgelegten Wettersymbolen für Temperatur, Taupunkt, Luftdruck, Windverhältnisse, Niederschlag, Wolken dargestellt. Somit sehen auf der ganzen Welt die Wetterkarten gleich aus. Mit Hilfe dieser Eintragungen kann die Wetterlage analysiert werden. Die Bodenkarte ist neben dem Satellitenbild und den Höhenwetterkarten die wichtigste Grundlage für die Beurteilung der Wetterlage und der daraus folgenden Wettervorhersage. Siehe auch Wetterkarte.

 
Böe

Einzelne heftige Windstöße vor einem Gewitter, einem Schauer oder einer Kaltfront bzw. allgemein bei starkem Wind mit markant wechselnder Windgeschwindigkeit. Die Böigkeit ist ein Ausdruck für die Turbulenz der Luftströmung.

 
Bogenecho (Bow Echo)

Ein Radarecho, das geradlinig verläuft, sich aber in Bogenform nach außen wölbt. Zerstörerische geradlinige Winde treten häufig nahe der "Spitze" oder dem Zentrum des Bogens auf. An einem Ende des Bogenechos können sich Gebiete mit Zirkulation entwickeln (aufgrund der schnellen Verlagerung wird Rotation erzeugt), die manchmal zur Tornadobildung führen - insbesondere am linken (gewöhnlich nördlichen) Ende, wo die Zirkulation zyklonale Rotation aufweist. Diese Gewitter entstehen oftmals dadurch, dass durch kräftige Downburst seine Struktur zu einem Bogen auseiandergeblasen wird.

 
Böenfront (Gust Front)

Die Vorderkante böiger Bodenwinde aus Gewitterabwinden; manchmal in Verbindung mit einer Shelfcloud oder Rollcloud. Siehe auch Downburst, Gustnado, Outflow Boundary.

 
Böenkragen (Shelf Cloud)

Auch nur "Arcus" oder "Böenwalze" genannt. Eine niedrige, horizontale, keil- oder bogenförmige Arcuswolke, in Verbindung mit einer Gewitter-Böenfront (oder gelegentlich mit einer Kaltfront, auch ohne Gewitterbildung). Anders als die Rollcloud ist die Shelfcloud mit der Basis ihrer darüberliegenden Mutterwolke (üblicherweise eine Gewitterwolke) verbunden. Aufsteigende Wolkenbewegung kann häufig am vordereren (äußeren) Teil der Shelfcloud beobachtet werden, während die Unterseite oft turbulent, brodelnd und windzerissen erscheint.

Diese Wolken sind manchmal unter der niederschlagsfreien Basis zu finden (Verwechslungsgefahr mit Wallcloud!), aber meistens im Vorfeld des Abwärtsstrom des Gewitters. Im Moment des Durchzuges kann es zu Downbursts kommen. Je dichter und tiefer die "Wolken-Zähne" liegen, bzw. je zerfranster die Walze ist, desto größer die Gewalt der Böen.

Sobald in einer Gewitterwolke Niederschlag einsetzt, kühlen Regen und Graupel oder Hagel den entgegenströmenden Aufwind ab und drehen ihn um. Dieser kalt gewordene Abwind stürzt dann in die Tiefe. An der Erdoberfläche breitet sich die Kaltluft nach allen Seiten in einer flachen Schicht aus und hebt die dort auf die Gewitterwolke zuströmende feuchtwarme Luft an, wodurch es zu Kondensation, also Wolkenbildung kommt; es bildet sich ein sog. Böenkragen, eine bogenförmige Wolkenwalze ("arc cloud"). Die damit verbundene Staubaufwirbelung kann die Bodensichtweite extrem einschränken. Eine Böenwalze gilt für die Luftfahrt als besonders gefährlich (Windscherung, also plötzlicher Rückenwind bei Start und Landung, und starke Turbulenz).


Allen diesen Wolkenformationen ist gemeinsam, dass sie einen Abwärtsstrom des Gewitters markieren und nicht seinen Aufwärtsstrom, wie bei der Wallcloud. Zudem weisen sie in der Regel keine Rotation auf. Gelegentlich kann es allerdings zu senkrecht rotierenden Winden kommen, wodurch auch kurzlebige Tornados ausgelöst werden können (sog. Böenfront - oder Arcus-Tornados), welche man aber nicht mit den "unechten" Tornados, den Gustnados verwechseln sollte!

 
Böenlinie (Squall Line)

Ein massives oder fast massives [mit kleinen Lücken versehenes] Band aus aktiven Gewittern.

 
Böenwalze / Rollcloud (Roll Cloud)

Eine niedrige, horizontale, röhrenförmige Arcuswolke in Verbindung mit einer Gewitter-Böenfront (oder manchmal mit einer Kaltfront). Rollclouds sind relativ selten. Sie sind völlig von der Gewitterbasis oder anderen Wolken abgelöst, das unterscheidet sie von den bekannteren Shelfclouds. Rollclouds scheinen gewöhnlich um eine horizontale Achse zu "rollen", jedoch sollten sie nicht mit Funnelclouds verwechselt werden.

 
Boundary Layer

Siehe: Grenzschicht

 
BWER - Bounded Weak Echo Region

Radarsignatur innerhalb eines Gewitters, charakterisiert durch ein lokales Minimum an Radarreflektivität in niedrigen Höhen, das sich nach oben in Bereiche höherer Reflektivität ausbreitet und von ihnen umgeben wird. Dies ist ein Merkmal eines starken Aufwindes und findet sich fast immer im Inflowbereich eines Gewitters. Es ist optisch nicht erkennbar.

C

CA

Cloud-to-Air : Wolke-zu-Luft-Blitz.

 
Cap (or Capping Inversion)

Siehe: Deckel

 
CAPE - Convective Available Potential Energy

Konvektiv verfügbare potentielle Energie, auch Labilitätsfläche genannt. Ein Maß der Energiemenge die für Konvektion zur Verfügung steht. CAPE steht in direktem Zusammenhang mit der maximalen potentiellen vertikalen Geschwindigkeit in einem Aufwind. Somit zeigen höhere Werte ein höheres Potential für Unwetter. In Gewitterumgebungen überschreiten die beobachteten Werte häufig 1000 Joule pro Kilogramm (J/kg) und in extremen Fällen können es mehr als 5000 J/kg werden. Gewitter, die bei hohem CAPE entstehen, haben ein großes Potential, zu Unwettern zu werden. Allerdings gibt es, wie bei anderen Indizes oder Indikatoren, keine Schwellwerte, oberhalb derer eindeutig Unwetter drohen. CAPE wird im Sounding (Radiosondendiagramm) durch die Fläche zwischen dem Profil der Umgebungstemperatur und dem Weg eines aufsteigenden Luftpaketes dargestellt; wobei das Luftpaket wärmer ist, als seine Umgebung (diese Fläche wird oft auch positive Fläche genannt.)

 
Castellanus

Altocumuluswolken mit türmchenartigen Aufquellungen; Vorboten für Schauer oder Gewitter. Siehe auch ACCAS.

 
Cb - Cumulonimbus - Wolke

Schauer- oder Gewitterwolke, abgekürzt CB. In der "Fliegersprache" nach dem internationalen Buchstabieralphabet als "Charly Bravo" bezeichnet. Besonders gefährlich für die Luftfahrt sind in dichte Wolkenfelder eingelagerte Gewitterwolken ("embedded CB"), sodass das Durchfliegen solcher Zonen nur mit Bordwetterradar ratsam ist. CB-Wolken erstrecken sich bis 7-12 km (in den Tropen bis 17 km) Höhe, reichen also normalerweise maximal bis zur Tropopause; besonders starke Gewitter können allerdings diese Sperrschicht durchstoßen. Die Gewitterzelle im Reifestadium wird Cumulonimbus calvus genannt; das beginnende Zerfallsstadium hat einen "Amboß" aus Eiskristallen und wird als Cumulonimbus incus bezeichnet.

Allgemein durch starke vertikale Entwicklung in Form von "Bergen" oder gewaltigen "Türmen" gekennzeichnet. Die obere Begrenzung bildet, zumindest teilweise, ein glatter, flacher, oft "faseriger" Amboss. Im englischen Sprachraum umgangssprachlich auch als "Thunderhead" bekannt.

 
CC

Cloud-to-Cloud : Wolke-zu-Wolke-Blitz.

 
CG

Cloud-to-Ground : Wolke-zu-Erde-Blitz.

 
CIN - (Convective Inhibition - konvektive Hemmung)

Ein Maß der Energiemenge, die benötigt wird, um Konvektion auszulösen. Die Werte der CIN spiegeln typischerweise die Stärke des Deckels wieder. Sie werden aus einem Sounding ermittelt, indem man die Fläche zwischen der Umgebungstemperatur und dem [theoretischen] Pfad eines aufsteigenden Luftpaketes berechnet, dabei ist das Luftpaket kälter als seine Umgebung [daher nur theoretischer Pfad]. (Diese Fläche wird manchmal auch negative Fläche genannt.)

 
Cirrus

Klasse der hohen Wolken (über 6000 Meter, [typisch 8000 -12000 m]). Sie bestehen aus Eiskristallen in Form von weißen, zierlichen Fäden oder (fast) weißen Flecken oder schmalen Bändern. Cirren sehen faserig oder federartig aus und sind oft halb durchsichtig. Gewitterambosse sind eine Art Cirruswolke, aber die meisten Cirren stehen nicht in Zusammenhang mit Gewittern. Allgemein federartig aussehende feine Wolken in 6-10 km Höhe am blauen Himmel (aus lat. "Haarlocke"). Der sog. Cirren-Schirm ist der oberste Teil einer Gewitterwolke ("Amboß").

 
Cirrocumulus

Kleine "Schäfchenwolken" aus kleinen Ballen geformt, in 6-10 km Höhe.

 
Cirrostratus

Dünne meist unstrukturierte gleichförmige Wolkenschicht aus Eiskristallen in 6-10 km Höhe. Voraussetzung für Halos, Nebensonnen, Irisieren, etc.

 
Classic Supercell

Siehe: Klassische Superzelle

 
Clear Slot

Ein lokal begrenztes Aufklaren oder lokaler Rückgang der Bewölkung. Zeigt das Einfließen trockenerer Luft an und kann häufig als helles Gebiet mit höheren Wolkenbasen auf der West- oder Südwestseite einer Wallcloud beobachtet werden. Ein "Clear Slot" wird als visuelles Zeichen für einen RFD angesehen.

 
Cold-air Funnel

Siehe: Kaltluftfunnel

 
Condensation Funnel

Siehe: Kondensationstrichter

 
Core Punch

Mit einem Fahrzeug in das Starkniederschlagsfeld eines Gewitters eindringen. Core punching ist kein für Spotten und Chasen empfohlenenes Verfahren!

 
Cumuliformer Amboss (Cumuliform Anvil)

Ein Gewitteramboss, dessen Aussehen an cumulusartige Wolken erinnert (mehr als an die typisch faserige Erscheinung der Cirren). Ein cumuliformer Amboss entsteht durch einen sich schnell ausbreitenden Gewitteraufwind und ist daher ein Zeichen für sehr starken Aufwind.

 
Cumulus

Einzelne, losgelöste Wolken, gewöhnlich dicht, mit scharfen Umrissen [und "blumenkohlartigem" Aussehen]. Sie zeigen vertikale Entwicklungen in Form von "Kuppeln", "Hügeln" oder "Türmen". Während der obere Teil abgerundete Formen bildet, erscheint die Basis normalerweise flach.

Allgemein beschrieben durch isolierte, dichte und scharf begrenzte Wolken, deren quellende Oberteile durch die thermischen Aufwinde oft wie Blumenkohl aussehen. Die von der Sonne beschienenen Teile sind leuchtend weiß, die Untergrenze ist meist dunkler und genau horizontal (Cumulus-Kondensationsniveau). Die Wassertröpfchen steigen so rasch auf, dass sie sich dabei bis auf -20°C abkühlen ohne zu gefrieren. Dann setzt schlagartig die Eisbildung der Wolke ein. Die beim Kondensieren und der Vereisung freiwerdende Wärmemenge verstärkt den Aufwind. Man unterscheidet: Cumulus humulis und der größeren Cumulus congestus; geht bei entsprechender Labilität in einen Cumulonimbus über.

 
Cumulus congestus (Towering Cumulus)

Eine große Cumuluswolke, stark vertikal ausgedehnt, gewöhnlich mit einer blumenkohlartigen Erscheinung, jedoch ohne den für eine Cb typischen Amboss (häufig mit Cu con, im Englischen auch "TCU" abgekürzt.)

D

dBZ

Undimensionierte "Einheit" der Radarreflektivität, die das logarithmische Leistungsverhältnis (in dB (Dezibel)), bezogen auf den Radarreflektionsfaktor Z angibt. Der Wert von Z ist eine Funktion der Radarstrahlenergie [besser Radarimpulsenergie] die von einem Ziel zurückgeworfen und als Signal (bzw. Echo) detektiert wird. Höhere Werte von Z (und dBZ) bedeuten daher höhere Energiereflektion durch das Ziel. Die reflektierte Energiemenge hängt normalerweise mit der Niederschlagsstärke zusammen, somit zeigen höhere dBZ-Werte von Niederschlagsgebieten gewöhnlich höhere Niederschlagsraten an.


Allerdings können andere Faktoren die Reflektivität beeinflussen. So etwa die Ausdehnung des Radarstrahls [der so genannte Öffnungswinkel], die Art des Niederschlags, die Tropfengröße oder etwa "Ground Clutter" oder AP. WSR-88D-Radargeräte können geringe Reflektivitäten bis -32 dBZ nahe dem Radarstandort wahrnehmen, aber merklicher (messbarer) Niederschlag wird normalerweise durch Reflektivität um 15 dBZ oder mehr angezeigt. Werte von 50 dBZ oder darüber treten normalerweise nur bei heftigen Gewittern, evtl. mit Hagel auf. Allerdings gibt es, wie bei den meisten anderen Messgrößen auch, keine zuverlässigen Schwellwerte die das tatsächliche Vorhandensein von Hagel oder Unwettererscheinungen in einer bestimmten Situation sicher angeben.     

 
Deckel bzw. deckelnde Inversion (Cap (or Capping Inversion))

Eine Schicht relativ warmer Luft in der Höhe (gewöhnlich einige hundert bis ein paar tausend Meter über dem Boden), die die Entwicklung von Gewittern unterdrückt oder verzögert. Luftpakete, die in diese Schicht aufsteigen, werden kälter als die umgebende Luft, was ihre Fähigkeit zum weiteren Aufsteigen unterdrückt. Als solcher verhindert oder verzögert der Deckel die Gewitterentwicklung selbst bei Vorhandensein extremer Labilität. Wenn er jedoch entfernt oder geschwächt wird, kann explosionsartige Gewitterentwicklung einsetzen. Der Deckel ist ein wichtiger Baustein für die meisten Schwergewitterepisoden, da er dazu dient, warme, feuchte Luft von kälterer, trockner darüber zu trennen. Die Luft unterhalb des Deckels kann fortfahren, sich zu erwärmen und zu durchfeuchten und damit das Labilitätspotenial zu erhöhen. Oder aber die darüberliegende Luft kann abkühlen, was ebenfalls das Potential der Labilität erhöht. Aber ohne einen Deckel resultiert jeder Prozess (Erwärmung/Durchfeuchtung der unteren Schichten oder Abkühlung darüber) in einer schnelleren Freisetzung der verfügbaren Labilität - oft bevor die Levels hoch genug werden, um die Entwicklung von Unwettern zu ermöglichen.

 
Delta T

Eine einfache Darstellung der mittleren Temperaturänderung (Lapse Rate) in einer Atmosphärenschicht, gebildet aus der Differenz der am unteren und oberen Ende der Schicht beobachteten Temperaturen. Delta Ts werden in der Praxis oft für die Schicht zwischen 700 hPa und 500 hPa Luftdruck berechnet, um den Grad der Labilität im mittleren Niveau der Atmosphäre zu bewerten. Allgemein bedeuten Werte über etwa 18 ausreichende Labilität für Schwergewitterentwicklung.   

 
Derecho

(Etwa "de-rätscho" betont) Ein ausgedehnter und gewöhnlich schnell ziehender Sturm in Verbindung mit Konvektion. Derechos schließen alle Arten von Downburst-Clustern, die durch außertropische MCS verursacht werden, ein. Sie können zerstörerische geradlinige Winde über Gebiete von mehreren hundert Kilometern Länge und mehr als 160 Kilometer Breite erzeugen.

 
Differente Bewegung (Differential Motion)

Scheinbar abweichende Bewegung von Wolken gegenüber anderen nahegelegenen Wolkenelementen. Beispielsweise Wolken, die sich bezogen auf andere Wolken im Vorder- oder Hintergrund, von links nach rechts  bewegen. Wolkenrotation ist ein Beispiel für differente Bewegung, aber nicht jede differente Bewegung deutet auf Rotation hin, z.B. horizontale Windscherung entlang einer Böenfront kann abweichende Wolkenbewegungen ohne Vorhandensein von Rotation verursachen.

 
Divergenz

Die Expansion oder Ausbreitung aus einem Vektorfeld. Bezieht sich gewöhnlich auf horizontale Winde, das Auseinanderfließen von Luftströmungen in den unteren Schichten. In den höheren Atmosphärenschichten verstärkt die Divergenz die Aufwärtsbewegung und erhöht damit das Potential für Gewitterentwicklung (wenn weitere Faktoren sie ebenfalls begünstigen)

Divergenz tritt gewöhnlich in Gebieten mit hohem Luftdruck auf und führt wegen des Prinzips der Massenerhaltung zu absinkenden und daher wolkenauflösenden Luftbewegungen. Gegensatz: Konvergenz, das Zusammenfließen von Luftströmungen (in Tiefdruckgebieten).

 
Donner

Geräusch bei Gewitter, das entsteht, wenn die Luft durch den Blitz erhitzt wird, wodurch sie zuerst heftig ausdehnt und dann wieder ebenso heftig komprimiert wird, sodass eine explosionsartige Druckwelle (Schall) entsteht. Das Krachen ist 15-30 km weit hörbar; das "Grollen" oder "Rollen" entsteht durch die Reflexion des Schalls an den Wolken. Die Entfernung des Gewitters in Kilometer kann leicht festgestellt werden: Anzahl der Sekunden zwischen Blitz und Donner, geteilt durch 3. Die Schallgeschwindigkeit in Luft beträgt etwa 330 m/s.

 
Dopplerradar

Radar, das Radialgeschwindigkeit messen kann, die momentane Bewegungskomponente parallel zum Radarstrahl; z.B. auf die Radarantenne zu oder von ihr weg.

 
Downburst

Ein starker Abwind, der nach außen gerichtete, zerstörerische Windböen am oder nahe am Boden erzeugt. Exakt definiert als ein lokaler, abwärts gerichteter Luftstrom unter einer Gewitterwolke, der in 300 ft über dem Boden eine Geschwindigkeit von 3,6 m/s überschreitet (Definition nach T. FUJITA und F. CARACENA). Ein Downburst verursacht eine gefährliche Böe am Erdboden bzw. in Bodennähe, die sich konzentrisch nach allen Seiten ausbreitet und das vorhandene Windfeld umkehren kann. Downbursts können Zerstörungen vergleichbar denen eines starken Tornados verursachen. Obwohl sie gewöhnlich mit Gewittern in Verbindung gebracht werden, können sie auch bei Schauern entstehen, die zu schwach sind, um Blitz und Donner zu erzeugen. Downbursts gliedern sich in "Makrobursts" (Wirkungsbreite größer als 4 km Durchmesser) und "Microbursts" (Wirkungsbreite kleiner als 4 km Durchmesser). Wesentlich ist, dass Downbursts von allen Gewitterarten ausgehen können, also von einfachen Gewittern, Squall Lines, bogenförmigen Gewittern sowie Superzellen. Downbursts können sowohl "trocken" (d.h. ohne mit dem Abwind verbundenem Niederschlag) als auch "feucht" (d.h. mit dem Abwind verbundenem Niederschlag, meist Starkregen und/oder Hagel) auftreten.

 
Downdraft

Siehe: Abwind

 
Druckfläche

Fläche konstanten Drucks. Die Meßwerte der Radiosonden (Luftdruck, Temperatur, Feuchte, Wind) werden nicht einer bestimmten Höhe zugeordnet, sondern es hat sich als zweckmäßig erwiesen, die Höhen bestimmter Druckflächen zu berechnen und die in dem jeweiligen Druckniveau gemessenen Werte anzugeben. Diese werden in die sog. Höhenwetterkarte eingetragen. Die Druckflächen sind in der Atmosphäre nur selten horizontal, sondern durch die unterschiedliche Temperaturschichtung geneigt. Dadurch ist es möglich (analog zu einer Landkarte) Linien gleicher Höhe einer bestimmten Druckfläche (Isohypsen) zu zeichnen. Da die Anordnung der Isohypsen den Höhenschichtlinien einer topographischen Karte der Erdoberfläche gleichen, werden Höhenwetterkarten auch als "Topographien" bezeichnet. Man unterscheidet die "absolute Topographie", die die Höhe einer bestimmten Druckfläche über dem Meeresniveau angibt, und die "relative Topographie", die den Abstand zwischen zwei bestimmten Druckflächen darstellt. Letztere ist im Synoptischen Dienst von besonderer Bedeutung, da ja der Abstand zwischen zwei Druckflächen der mittleren Temperatur der dazwischen liegenden Luftschicht proportional ist. Man kann also aus dieser Karte die Lage von Kalt- und Warmluftmassen erkennen und sie somit zur Frontenanalyse heranziehen.

 
Dry Line

Eine Grenze, die feuchte und trockene Luftmassen trennt und ein wichtiger Faktor der Unwetterhäufigkeit in den Great Plains der USA. Typischerweise liegt Sie im Frühjahr und Sommer in Nord-Südrichtung über den mittleren und südlichen Hochebenen-Staaten, wo sie feuchte Luft aus dem Golf von Mexiko (im Osten) und trockene Wüstenluft aus den Südweststaaten (im Westen) trennt. Die Dry Line rückt gewöhnlich während des Nachmittags nach Osten vor und zieht sich während der Nach wieder nach Westen zurück.


Aber ein starker Sturm kann die Dry Line nach Osten bis ins Tal des Mississippi oder darüber hinaus fegen, unabhängig von der Tageszeit. Eine typische Drylinepassage führt zu einem scharfen Einbruch der Luftfeuchtigkeit (daher der Name), Aufklaren und Winddrehung von Süd oder Südost nach West oder Südwest. Staubstürme und steigende Temperaturen können ebenfalls folgen, speziell wenn die Drylinepassage tagsüber erfolgt. Diese Änderungen erscheinen in umgekehrter Reihenfolge, wenn sich die Dry Line nach Westen zurückzieht. Schwere und manchmal tornadische Gewitter entwickeln sich oft entlang der Dry Line oder in der feuchten Luft direkt östlich davon, insbesondere wenn sie ihre Verlagerung nach Osten beginnt.

 
Dry Line-Gewitter (Dry-line Storm)

Allgemein jedes Gewitter, das sich entlang oder nahe einer Dry Line entwickelt. Der Begriff wird oft gleichbedeutend mit LP Storm verwendet, da dieser nahezu immer in der Nähe der Dry Line entsteht.

 
Dust Devil

Siehe: Staubteufel

E

ECMWF

European Center for Medium-Range Weather Forecasting.  Europäisches Zentrum für mittelfristige Wettervorhersagen. In der Praxis beziehen sich Verweise bei Vorhersageerörterungen typischerweise auf das Mittelfristvorhersagemodell des ECMWF.

 
Einstrahlung (Insolation)

Sonnenstrahlung, solare Erwärmung, Sonnenschein.

 
Eingangsregion (Entrance Region)

Die Region vor einem Windgeschwindigkeitsmaximum (Jetmax) in einem Jetstream, in der die Luft in die Region maximaler Geschwindigkeit eintritt und damit beschleunigt. Diese Beschleunigung hat vertikale Zirkulation zur Folge, die wiederum Divergenz der Höhenwinde in der rechten Hälfte der Eingangsregion (in Windrichtung gesehen) erzeugt. Diese Divergenz erzeugt Aufwärtsbewegung (Hebung) der Luft im rechten hinteren Quadranten (oder der rechten Eintrittsregion) des Jetmax. Das Unwetterpotenial erhöht sich dadurch manchmal in dem Gebiet.

 
Eisregen

Flüssiger Niederschlag mit Temperatur unter 0° C (unterkühltes Wasser), der alle Gegenstände beim Auftreffen mit einem klaren Eispanzer überzieht (Glatteis). Tritt meist auf, wenn sich nach einer längeren winterlichen Hochdrucklage die bodennahe Luftschicht durch nächtliche Ausstrahlung weit unter 0°C abgekühlt hat und dann eine relativ milde atlantisches Schlechtwetterzone ("maskierte" Kaltfront) mit positiven Temperaturen in höheren Schichten (und somit Regen) über die bodennahe Kaltlufthaut zieht. Erst der nachfolgender kräftige und milde Westwind kann diese besonders für die Luftfahrt gefährliche Wettersituation beenden.

 
Eiswolken

Wolken, die nur aus Eiskristallen bestehen; meist erst ab einer Höhe von mehr als 6000-7000m (unter -35°C). Für die Luftfahrt ungefährlich. Gegensatz: Wasserwolken, Mischwolken.

 
Elevated Convection

Siehe: Grundschichtunabhängige Konvektion

 
Elmsfeuer

Leuchterscheinung an spitzen Gegenständen (Türme, Masten) durch das hohe luftelektrische Feld bei Gewitter. Benannt vermutlich nach dem hl. Erasmus (roman. "Sant' Elmo").

 
Energy Helicity Index (or EHI)

Ein Index der vertikale Windscherung und Labilität verbindet. Er wurde zur Vorhersage von Superzellengewittern konzipiert. Er steht zur gewitterbezogenen Helizität in den untersten 2 km (SRH in m²/s²) und CAPE (in J/kg) wie folgt in direkter Verbindung: EHI = (CAPE x SRH)/160000. Demnach zeigen höhere Werte labile Bedingungen und/oder starke vertikale Scherung. Da beide Parameter für die Entwicklung von Unwettern wichtig sind, deuten höhere Werte generell auf ein höheres Unwetterpotential hin. Werte von 1 oder höher sprechen für eine verstärkte Bedrohung durch Tornados, Werte von 5 oder mehr werden nur selten beobachtet und deuten auf Potential für verheerende Tornados hin. Jedoch gibt es keine Zauberformel oder kritische Grenzwerte, die das Auftreten von Tornados besonderer Stärke bestätigen oder vorhersagen lassen.

 
Enhanced V

Ein auf Satelliteninfrarotaufnahmen erkennbares Gewittermuster, bei dem ein Gewitteramboss eine V-förmige Region kälterer Wolkenobergrenzen zeigt, die sich entlang der Zugrichtung vom Gewitterzentrum weg erstreckt. Das Enhanced V lässt einen sehr starken Aufwind und damit ein höheres Potential für Unwetter erkennen. Enhanced V sollte nicht mit V Notch verwechselt werden, das eine Radarsignatur darstellt.

 
Equilibrium Level (oder EL)

In einem Sounding das Niveau über dem "Level of Free Convection" (LFC), bei dem die Temperatur eines aufsteigenden Luftpaketes wieder der Temperatur der Umgebung entspricht. Die Höhe des EL ist die Höhe, bei der Gewitteraufwinde nicht weiter aufwärts beschleunigen. Daher repräsentiert er in guter Näherung die Höhe der zu erwartenden (oder bereits entstandenen) Wolkenobergrenzen. Allerdings können starke Aufwinde das Luftpaket über den EL heben, bevor es stoppt, was zu Obergrenzen oberhalb des EL führt. Dieser Vorgang kann manchmal visuell als Overshooting Top oder Anvil Dome beobachtet werden.

 
Erwärmung

Zunahme der Temperatur in der Atmosphäre, entweder durch Einstrahlung von der Sonne her, oder durch Heranströmen wärmerer Luftmassen ("Luftmassenwechsel"). Auch absteigende Luft im Lee von Gebirgen erwärmt sich durch "Kompression" (zunehmender Luftdruck), und zwar trockene Luft um 1°C pro 100 Meter (Ursache für Föhn), hingegen feuchte (wasserdampfgesättigte) Luft nur um 0,6°C pro 100 m.

F

Fallböe

Plötzlich auftretender starker Abwind, räumlich begrenzt und von kurzer Dauer, der von Flugzeuginsassen als "Luftloch" bemerkt wird.

 
Fallgebiet

Gebiet in der Wetterkarte mit markant fallendem Luftdruck; je stärker der Druckfall, desto intensiver wird die Wetterentwicklung.

 
Fallstreifen

Wie "Virga", nur erreicht hier der Regen, Schnee oder Hagel den Erdboden, ohne vorher vollständig zu verdunsten.

 
Fallwind

Oft wird Wind, der auf der Leeseite von Gebirgen trocken und erwärmt als Föhn auftritt oder aber auch von kalten Hochflächen als kalter Wind (Bora) in ein wärmeres Gebiet eindringt, als Fallwind bezeichnet. Genau genommen ist Föhn allerdings kein Fallwind, sondern es sollten nur katabatische - also schwerkraftbedingte Winde - als Fallwinde bezeichnet werden. Beispiele hierfür sind Fallböen, Downbursts, Berg- und Gletscherwinde.

 
Feeder Bands

Zustrombänder, Linien oder Bänder von niedrigen Wolken, die in sich in den Aufwind eines Gewitters bewegen, gewöhnlich von Ost über Süd (z.B. parallel zur Einströmung (Inflow)). Identisch mit Einströmbändern (Inflow Bands). Der Begriff wird ebenfalls in der tropischen Meteorologie verwendet, um spiralförmige Konvektionsbänder zu beschreiben, die das Zentrum eines tropischen Sturmes oder Hurrikans umrunden und sich darauf zu bewegen.

 
Feuchteadvektion (Moisture Advection)

Transport [Heranführen] von Feuchte durch horizontale Winde.

 
Feuchtekonvergenz (Moisture Convergence)

Der Grad, in dem feuchte Luft unter Einbeziehung konvergierender Winde und Feuchteadvektion in einem bestimmten Gebiet konvergiert. Gebiete anhaltender Feuchtekonvergenz sind bevorzugte Regionen der Gewitterentwicklung, wenn andere Faktoren (z.B. Labilität) dies begünstigen.

 
Feuchtigkeit

Gehalt der Luft an Wassedampf, meßbar als absolute Feuchtigkeit in Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter, als Dampfdruck in Millimeter Quecksilbersäule oder Millibar = Hektopascal, als relative Feuchtigkeit (Verhältnis vom vorhandenen zum größtmöglichen Wasserdampfgehalt der Luft) in Prozenten sowie als spezifische Feuchtigkeit (Gramm Wasserdampf pro Kilogramm feuchter Luft).

 
Flächenniederschlag

Ein aus der Wetterdienstpraxis stammender Begriff für Niederschläge, die aus stratiformer, weite Gebiete überdeckende Wolkenschichten fallen und i.d.R. auch über längere Zeit anhalten. Tritt meist an Warmfronten (ausgedehnte Aufgleitfläche), Okklusionen, u.ä. auf, auch für Stauniederschläge zutreffend. Gegensatz: punktuell auftretende Schauer aus konvektiven Umlagerungen (CB), die nur von kurzer Dauer sind.

 
Flanking Line (Versorgungslinie)

Eine Linie aus Cumulus- oder Cumulus congestus (Cu con)-Wolken die sich vom aktivsten Teil einer Superzelle weg erstreckt (normalerweise auf der Südwestseite) und mit diesem verbunden ist. Die Linie erscheint gewöhnlich treppenstufenartig, wobei die höchsten Wolken am dichtesten beim Hauptgewitterturm liegen. Besonders deutlich bei Superzellen ausgeprägt. Flanking Lines markieren den Hauptzustrombereich eines Gewitters. Sie ist im Allgemeinen deckungsgleich mit der Pseudokaltfront. Wird auch als Versorgungslinie bezeichnet.

 
Föhn

Warmer trockener, meist heftiger Wind, der auf der Alpennordseite als Südföhn und auf der Alpensüdseite als Nordföhn auftritt (wenn Luftmassen die Alpen überqueren). Als Erklärung findet man immer noch verbreitet die thermodynamische Föhntheorie. Diese Theorie erklärt die hohe Temperatur und die Trockenheit des Föhns dadurch, dass warme feuchte Luft im Luf zum feuchtadiabatischen (Temperaturabnahme um 0,6°C/100m) Aufsteigen gezwungen wird und dabei ein Teil des Wassers ausregnet (Stauniederschläge), sodass beim anschließenden trockenadiabatischen Absteigen im Lee (Temperaturzunahme um 1°C/100m) die Luft in gleicher Höhe wärmer und trockener ankommt. Allerdings steigt bei Föhn tatsächlich oft nur ein sehr kleiner Teil der Luft im Luf auf und es muss auch nicht unbedingt Regen im Luf fallen. Ein "modernerer" Erklärungsansatz ist die hydraulische Föhntheorie, die auf der Seite von Meteorologe Felix Welzenbach näher erläutert wird.

Föhnlagen treten häufig im Winterhalbjahr auf. Bezeichnend dabei ist die außergewöhnliche Fernsicht in der extrem trockenen Luft. Der Föhn ist ein Schlechtwettervorzeichen (Südwestströmung vor Annäherung einer Front aus Westen). Die Staubewölkung an der Luvseite greift als mächtige Wolkenwand etwas über den Gebirgskamm und kann als "Föhnmauer" von der Leeseite aus beobachtet werden. Der wolkenfreie Raum im Lee ist im Satellitenbild deutlich als "Föhnfenster" erkennbar, nur linsenförmige Wolken (Leewellen) treten auf. Föhnwinde treten auch bei anderen Gebirgen auf, z.B. der Chinook in den Rocky Mountains.

 
Forward Flank Downdraft (FFD)

Siehe: Vorderseitiger Abwind

 
Fractus

Zerfetzte, unzusammenhängende Wolkenteile.

 
Freie Atmosphäre

Nicht den Bodeneinflüssen unterliegende höhere Luftschichten, ab etwa 1000 m.

 
Front

Treffen warme und kalte Luft zusammen, vermischen sie sich nicht sofort. Stattdessen schiebt sich die schwere, kalte Luft unter die wärmere Luft und hebt diese dadurch an. Die Grenze zwischen den beiden Luftmassen ist ziemlich scharf und wird als "Front" bezeichnet. Kaltfront: Dringt kalte Luft am Erdboden vor und ersetzt die vorher vorhandene warme Luft, so nennt man diese Grenze eine Kaltfront. Die warme Luft wird dabei gehoben, kühlt somit ab, Wolken bilden sich, Niederschläge treten auf (meist Regenschauer). Mit dem Durchgang der Kaltfront an einem Ort setzt der Temperaturrückgang ein, begleitet mit böigem Wind. Warmfront: Die leichtere warme Luft schiebt sich über die vorgelagerte Kaltluft, kühlt ab, entlang der ausgedehnten Aufgleitfläche bilden sich durch Hebung (= Abkühlung) Wolken und in weiterer Folge Niederschlag. Der Bewölkungsaufzug beginnt bereits 500-800 km vor der Bodenlage der Warmfront mit Cirrus und Cirrostratus, in dessen Eiskristallen sich häufig als optisches Phänomen ein farbiger Ring um die Sonne, ein "Halo", bildet. Mit Annäherung der Bodenfront geht die Bewölkung in Altostratus über, der sich zu Nimbostratus verdichtet und aus dem anhaltender Niederschlag in Form von Landregen im Sommer und stundenlangem Schneefall im Winter auftritt. Eine ziehende Front wird nach der vorrückenden Luftmasse benannt, beispielsweise Kaltfront wenn kältere Luft anrückt.

 
Frontalzone

Grenzschicht zwischen zwei Luftmassen von unterschiedlichen Eigenschaften; Voraussetzung für die Bildung von Zyklonen und Fronten in gemäßigten Breiten.

 
Frontgewitter

Entstehen an Kaltfronten und ziehen mit diesen meist über weite Strecken mit. Im Gegensatz dazu die "Wärmegewitter", die bei starker Tageserwärmung und ausreichender Luftfeuchtigkeit örtlich entstehen und vergehen.

 
Frostgraupeln

Meist runde, schwer zusammendrückbare, nasse, halbdurchsichtige Bällchen mit milchigem Kern, umgeben von einer sehr dünnen, klaren Eisschicht. Der Durchmesser beträgt 1-5mm; sie fallen nur als Schauer aus mächtigen CB-Wolken, bevorzugt in Polarluft mit geringem Feuchtegehalt im Winter und Frühjahr, und da vor allem über dem Meer und den nahe liegenden Küstengebieten. Sie können auch im Sommer als Übergangsform zum Hagel (Eishagel) auftreten. In Nordwesteuropa sind die Frostgraupeln die häufigste Hagelform.

 
Fujita Skala (F Skala)

Eine Skala für den Zerstörungsgrad des Windes, bei der die Windgeschwindigkeiten aus der Analyse der Zerstörungen ermittelt werden.

F0 (schwach): 63 - 117 km/h (40- 72 mph), leichte Schäden.
F1 (schwach): 118 - 183 km/h (73-112 mph), mäßige Schäden.
F2 (stark): 184 - 255 km/h (113-157 mph), beachtliche Schäden.
F3 (stark): 256 - 334 km/h (158-206 mph), massive Schäden.
F4 (verheerend): 335 - 420 km/h (207-260 mph), verheerende Schäden.
F5 (verheerend): 421 - 508 km/h (261-318 mph), (selten) unglaubliche Schäden.

Alle Tornados und die meisten anderen kleinräumigen, heftigen Windereignisse werden in eine Stufe dieser Skala eingeordnet, jeweils nach den maximalen Beschädigungen die sie verursacht haben.

Alternativ zur Fujita-Skala existiert auch die T-Skala (Torro-Skala). Diese Skala löst im Prinzip die Windgeschwindigkeit doppelt so fein auf wie die Fujita-Skala, hat also 12 Schritte, während es bei der Fujita-Skala nur 6+1 Schritte sind (der Grad F6 wird nicht immer dazugezählt, da diese Kategorie noch nie nachgewiesen werden konnte).

 
Fünf-B-Tief

Zyklone, die sich aus einem oberitalienischen Tief entwickelt und entlang des Alpenostrandes über Österreich, Ungarn und Polen hinweg zur Ostsee zieht, entlang einer von Van Bebber als Vb (römisch 5) bezeichneten typischen Zugbahn. Die von dem Tief mitgeführte feuchtwarme Mittelmeerluft verursacht beim Aufgleiten auf die vorhandene Kaltluft meist lang anhaltende starke Niederschläge und Überschwemmungen.

 
Funnel (Funnel Cloud)

Ein Kondensationstrichter der sich von der Basis einer Cumulus congestus oder Cb (nach unten) erstreckt. Gehört zu einer rotierenden Luftsäule ohne Bodenkontakt (im Unterschied zum Tornado). Ein Kondensationstrichter ist ein Tornado, wenn a) er Bodenkontakt hat oder b) ein Schmutz- oder Staubwirbel unter ihm sichtbar ist, dabei genügt es, dass sich die Rotation bis zum Boden fortsetzt, auch wenn der Kondensationstrichter selbst nicht bis zum Boden reicht. Manchmal auch als "Tuba" bezeichnet. Ein Funnel kann sich mehrere Minuten halten, bevor er wieder verschwindet - oder sich aber zu einem Tornado weiterentwickelt. Damit stellt diese Wolke die Vorstufe zum Tornado dar, muss diesen Umwandlungsschritt aber nicht vollziehen! Funnel Clouds sind damit um einiges häufiger als Tornados.

G

Gefrierender Niederschlag

Unterkühlter Regen tritt dann auf, wenn die Regentropfen aus einer Wolke fallen, deren Temperatur über 0°C liegt, unterhalb der Bewölkung sich aber eine Luftschicht befindet, deren Temperatur unter 0°C ist. Derartige Wetterlagen kommen häufig im Winter vor und bilden sich dann aus, wenn in der Höhe Warmluft aufgleitet und sich dabei ein Nimbostratus ausbildet, aus dem Niederschlag fällt (Warmfront), in Bodennähe aber noch von einer vorangegangenen Hochdruckwetterlage sehr kalte Luft lagert. Siehe auch "maskierte Kaltfront". Solche Wetterlagen führen blitzartig zu Glatteisbildung am Erdboden und zum Eisansatz an dort befindlichen Gegenständen (schwere Unfälle im Straßenverkehr, geknickte Antennen und Masten, zerrissene Hochspannungsleitungen, entwurzelte Bäume). Besonders gefährlich für den Flugverkehr (im Steig- und Sinkflug).

 
Geneigter Aufwind (Tilted Storm or Tilted Updraft)

Ein Gewitter- oder Wolkenturm, der nicht genau vertikal verläuft, sondern eine schräge oder geneigte Form zeigt. Er ist ein Anzeichen für vertikale Windscherung, eine günstige Bedingung für Schwergewitterentwicklung.

 
Genua-Zyklone

Tiefdruckgebiet, das sich über den Golf von Genua (Ligurisches Meer) besonders im Winter und im Frühjahr im Lee der Westalpen bildet. Ursache ist ein in große Höhen reichender Kaltlufteinbruch durch das Rhonetal ins Mittelmeer. In der Folge kommt es zu ergiebigen Niederschlägen im Alpenbereich. Das internationale Großforschungsprojekt ALPEX ("Alpen-Experiment") untersucht die Entstehung und Entwicklung der Genua-Zyklone.

 
Geradlinige Winde (Straight-line Winds)

Allgemein jeder Wind ohne Rotation, hauptsächlich zur Unterscheidung von tornadischen Winden verwendet.

 
Geschwindigkeitsscherung (Speed Shear)

Die Komponente einer Windscherung, die die Änderung der Windgeschwindigkeit mit der Höhe bewirkt (z.B. südwestlicher Wind von 30 km/h in 3000 m erhöht sich auf 80 km/h in 6000 m). Geschwindigkeitsscherung ist ein wichtiger Faktor in der Unwetterentwicklung, vor allem in mittleren und höheren Schichten der Atmosphäre.

 
Gewitter

Mit Donner und Blitz einhergehende elektrische Entladung in Cumulonimbus-Wolken oder zwischen Wolke und Erde, meist mit kräftigen Schauerniederschlägen verbunden. Gewitter enstehen durch rasches Aufsteigen feuchtwarmer Luft und deren rasche Abkühlung. Diese Bedingungen sind gegeben bei schneller Erwärmung des Untergrundes durch Sonneneinstrahlung, labiler Schichtung der Atmosphäre und ausreichender Feuchte; sie führen zu "Wärmegewittern", während "Frontgewitter" in Zusammenhang mit Tiefdruckwirbeln entlang von Fronten, besonders an Kaltfronten auftreten. Die Vorgänge, die zur elektrischen Entladung in der Gewitterwolke führen, sind noch nicht restlos geklärt; die starken Aufwinde (bis zu 30 m/s) und das Vorhandensein von Eis (Hagel und Schnee) in der Wolke sind sicherlich die Voraussetzung hierfür. Gewitter-Vorboten: Am frühen Morgen erscheinen Altocumulus-Castellanus-Wolken; ihre türmchenförmigen Auswüchse ragen aus mittelhohen Haufenwolken in etwa 2000 m Höhe.

 
Glatteis

Eisüberzug, der durch Gefrieren von Regentropfen am kalten Erdboden oder an kalten Gegenständen entsteht. Tritt meist auf, wenn nach einer winterlichen Kälteperiode eine Warmfront eintrifft.

 
Graupeln

Niederschlag in Form von Eiskörnern mit 1 bis 5 mm Durchmesser, die meist aus hochreichenden Cumulonimbus-Wolken fallen. Sie entstehen, wenn unterkühlte Tröpfchen mit einem Schnee- oder Eiskristall zusammenstoßen und sofort gefrieren. Typisch für Aprilwetter.

 
Grenzschicht (Boundary Layer)

Allgemein eine Luftschicht, die an eine begrenzende Fläche anschließt. Speziell verweist der Ausdruck häufig auf die "planetare" oder "atmosphärische Grenzschicht", die Schicht, in der die Reibungeffekte bedeutsam sind. Auf der Erde werden in etwa die untersten ein bis zwei Kilometer der Atmosphäre als diese Schicht angenommen. In ihr werden die Temperaturen am meisten durch Tageseinstrahlung und nächtliche Ausstrahlung beeinflusst, während der Wind durch Reibung an der Erdoberfläche beeinträchtigt wird. Die Reibungseffekte verschwinden allmählich mit zunehmender Höhe, daher kann die Obergrenze dieser Schicht nicht exakt definiert werden.

Es gibt eine dünne Schicht unmittelbar über der Erdoberfläche, die als "bodennahe Grenzschicht" (oder einfach Bodenschicht) bekannt ist. Sie ist nur ein Teil der planetaren Grenzschicht und repräsentiert die Schicht, in der die Reibungseffekte durchweg mehr oder weniger gleichmäßig sind (im Gegensatz zur deren Verminderung in der Höhe, die darüber eintritt). Die bodennahe Grenzschicht ist etwa 10 Meter dick, aber wie im vorgenannten Fall ist die exakte Dicke unbestimmt. Wie die Reibung sind auch die Einflüsse von Einstrahlung und Ausstrahlung in dieser Schicht am stärksten.

 
Griesel

Schneeähnliche, vergraupelte Eisnadeln.

 
Großwetterlage

Über mehrere Tage wetterbestimmende Anordnung von Hoch- und Tiefdruckgebieten in einem Gebiet von der Größe ganz Europas einschließlich Nordatlantik.

 
Grundschichtunabhängige Konvektion (Elevated Convection)

Konvektion die in einer erhöhten Schicht auftritt, d.h. einer Schicht, deren Untergrenze (deutlich) oberhalb der Erdoberfläche liegt. Zu angehobener Konvektion kommt es häufig bei relativ kalter und stabil geschichteter bodennaher Luft, z.B. durch isentropische Hebung, vorausgesetzt es ist eine labile Luftschicht in der Höhe vorhanden. In Fällen von angehobener Konvektion führen die Stabilitätsindizes, die auf bodennahen Messungen basieren (wie der Lifted Index), üblicherweise zur Unterbewertung des vorhandenen Labilität. Bei angehobener Konvektion sind Unwetter möglich, aber weniger wahrscheinlich als bei bodenbasierter Konvektion.

 
Gustnado

Böenfrontwirbel. Kein Tornado, sondern eine dynamisch erzeugte Kleintrombe, eher einem Dust Devil vergleichbar, gewöhnlich schwach und kurzlebig, der sich entlang der Böenfront eines Gewitters bildet. Oft nur als Schmutz- oder Staubwirbel am Boden sichtbar, können sie aber durchaus F1-Stärke erreichen und damit deutliche Schäden verursachen. Gustnados sind nicht mit kleinräumiger Rotation (z.B. Mesozyklonen) verbunden, sie sind eher im Zusammenhang mit einer Shelfcloud als mit einer Wallcloud zu finden.  Allerdings kann sich unter bestimmten Voraussetzungen aus einem Böenfrontwirbel ein Tornado bilden, wenn er in den Aufwind einer konvektiven Wolke gerät, beispielsweise weil die Böenfront unter ein anderes Gewitter zieht. [Diese Übersetzung wurde modifiziert, da das englische Original fälschlicher Weise Gustnado und Tornado gleichsetzt.] Achtung ist gegeben bei der Verwechslung mit echten Böenfront-Tornados, die von der Form her oft ähnlich aussehen, jedoch deren vertikaler Wirbel sich bis in den darüber befindlichen Arcus erstreckt (beschränkt sich bei einem Gustnado auf die untersten Meter).

H

Hagel

Meist in Verbindung mit Gewittern auftretender Niederschlag in Form von Eiskugeln oder Klümpchen mit 5 bis 50 mm Durchmesser (selten auch mehr; im Extremfall Durchmesser von mehr als 10 cm); sie entstehen in rasch aufsteigenden, feuchten Luftströmen und sind entweder ganz durchsichtig oder abwechselnd aus klaren und undurchsichtigen, schneeartigen Schichten aufgebaut. Hagel erhält seine schalenförmige Struktur durch wiederholtes Emporgerissenwerden und Fallen in der Turbulenz verschieden temperierter Cumulonimbus-Wolkenschichten. Besonders gefährlich für Luftfahrzeuge. Ob und in welcher Größe in einer Gewitterwolke vorhandener Hagel bis zur Erdoberfläche durchkommt, hängt von der Höhe der Nullgradgrenze, der Höhe des Terrains und der ursprünglichen Größe der Hagelkörner ab.

 
Hauptwolkenuntergrenze (Ceiling)

Definiert als Untergrenze der niedrigsten Wolkenschicht, die mehr als die Hälfte des Himmels bedeckt (Bedeckungsgrad über 4/8) und unterhalb 6000 m Höhe liegt. Damit werden Cirren für die Festlegung der Hauptwolkenuntergrenze ausgeschlossen. Der Bedeckungsgrad der tiefsten Wolkenschicht von mehr als 4/8 wird in der Flugplatzvorhersage (TAF) angegeben und bei unvorhergesehener Änderung berichtigt (AMD).

 
Helizität (Helicity)

Eine Eigenschaft eines fließenden Fluids, die das Potential zur Ausbildung eines spiraligen Flusses (z.B. Fluss ähnlich einer Korkenzieherform) beschreibt. Die Helizität ist proportional zur Stärke des Flusses, der Größe der vertikalen (Wind)scherung und dem Drehmoment des Flusses (d.h. Vorticity). Atmosphärische Helizität wird aus dem vertikalen Windprofil im unteren Teil der Atmosphäre (normalerweise vom Boden bis ca. 3 km Höhe) berechnet und relativ zur Bewegung des Gewitters bewertet. Größere Helizitätswerte (allgemein um 150 m²/s² oder mehr) begünstigen die Entwicklung von Rotation in mittleren Schichten (z.B. Mesozyklonen). Extreme Werte können 600 m²/s² übersteigen.

 
Hitzewelle

Längere Periode starker Erwärmung durch intensive Sonneneinstrahlung und Luftzufuhr aus südlichen Breiten.

 
Hoch

Ein Hochdruckgebiet oder eine Antizyklone ("Hoch") ist ein Gebiet, in dem der Luftdruck allseitig zum Zentrum hin zunimmt. Das Zentrum wird von einer oder mehreren kreisförmigen Isobaren (= Linien gleichen Luftdrucks) in eher weiteren Abständen zueinander umgeben. Das Hoch wird auf der Nordhalbkugel vom Wind in Richtung des Uhrzeigers umströmt (umgekehrt wie beim Tief). Auf der Südhalbkugel ist die Umströmungsrichtung umgekehrt. Hochdruckgebiete können einige tausend Kilometer Durchmesser haben und sehr lange bestehen bleiben. Die Winde sind im Hoch gewöhnlich schwach, der Himmel ist weniger mit Wolken bedeckt (als im Tief) und im Allgemeinen frei von Regenwolken. Die Luft sinkt in Hochdruckgebieten ab und wird dabei trockener, d.h. Wolken werden aufgelöst, neue können sich nicht bilden, es herrscht überwiegend schönes Wetter. Ausnahme: Nebel im Winter. Im Zentrum der Hochs werden in der Regel 1025-1030 hPa (Hektopascal = Millibar) gemessen, gelegentlich auch bis 1050 hPa. Der höchste Bodenluftdruck wurde bisher mit 1082 hPa in einem winterlichen Hoch in Sibirien gemessen.

 
Hodogramm (Hodograph)

Ein Polardiagramm, das die vertikale Verteilung horizontaler Winde beschreibt. Ein Hodogramm erhält man, wenn man die Endpunkte der Windvektoren in verschiedenen Höhen in das Diagramm einzeichnet und die Punkte der Reihe nach mit zunehmender Höhe verbindet. Die Auswertung eines Hodogrammes kann bei der Vorhersage späterer Gewitterentwicklung helfen. Beispielsweise ob Squall Line oder Superzelle, Splitting oder Non-Splitting Storm, tornadische gegenüber nichttornadischen Gewittern.

 
Höhentief

Tiefdruckgebiet in größerer Höhe, etwa im Niveau von 5km und relativ niedriger Temperatur als seine Umgebung. Auf den Bodenwetterkarten kaum nachweisbar, spielt aber für den Wetterablauf am Boden eine wesentliche Rolle.

 
Höhenwetterkarte

Für verschiedene Niveaus werden aus den Daten der aerologischen Messungen (00 und 12 Uhr GMT, teilweise auch Zwischentermine) Karten gezeichnet, die meist folgende meteorologischen Elemente beinhalten: Luftdruck (als topografische Darstellung der Druckfläche), Windrichtung und Windstärke, Temperatur und Feuchtigkeit (als Taupunktsdepression). Die Niveaus sind international festgelegt: meist 850, 700, 500, 300, 200 hPa; dazu eine Karte mit dem Maximalwind (Jetstream) und Angaben über die Tropopause.

 
Hook (Hook Echo)

Hakenecho, ein Radarreflektionsecho, das sich durch eine hakenförmige Erweiterung eines Gewitterechos auszeichnet, gewöhnlich im rechten rückwärtigen Teil des Gewitters (in Bewegungsrichtung gesehen). Ein Hook ist oft mit einer Mesozyklone verbunden und zeigt günstige Bedingungen für Tornadoentwicklung an.

 
HP-Storm oder HP-Superzelle

Superzelliges Gewitter in dem auf der Rückseite der Mesozyklone starker, dichter Niederschlag (oft mit Hagel) fällt (HP= High Precipitation = starker Niederschlag). Der Niederschlag umschließt das Gebiet der Rotation häufig vollständig und macht damit die visuelle Erkennung eingeschlossener Tornados schwierig und sehr gefährlich. Im Gegensatz zu den meisten klassischen Superzellen entwickelt sich das Rotationsgebiet bei vielen HP-Superzellen an der Vorderflanke (gewöhnlich im Ostteil). Sie erzeugen häufig extreme und anhaltende Downbursts, gefährliche Sturzfluten und sehr ausgedehnten, zerstörerischen Hagelschlag. Durch das "Einwickeln" wird das warme Aufwindfeld abgeschnitten. Für schwächere Superzellen bedeutet dies rasch den Tod, während kräftigere Stürme ein neues rotierendes Aufwindfeld außerhalb des abgeschlossenen Mesozyklons erzeugen können.

Mobilen Spottern wird dringend geraten, ausreichend Sicherheitsabstand von jedem Gewitter zu halten, das als HP-Superzelle erkannt wurde. Beobachtung auf kurze Entfernung (z.B. Core Punching) kann extrem gefährlich werden, siehe Bärenkäfig.

I

Inflow-Bänder / Einströmbänder (auch Feeder-Bänder / Zustrombänder)

Bänder aus niedrigen Wolken, die parallel zu den Bodenwinden ausgerichtet sind und in ein Gewitter oder darauf zu ziehen. Sie können die Stärke der Einströmung feuchter Luft und damit das Schwergewitterpotential anzeigen. Spotter sollten besonders auf Inflow-Bänder achten, die in einer Weise gebogen sind, die zyklonale Rotation vermuten lässt. Dies kann ein Anzeichen für eine Mesozyklone sein.

 
Inversion

Allgemein eine Abweichung vom normalen Anstieg oder Abfall einer atmosphärischen Größe mit der Höhenänderung. Speziell bezieht es sich fast immer auf eine Temperaturinversion, z.B. das Ansteigen der Temperatur mit der Höhe, oder auf die Schicht in der ein solches Ansteigen auftritt.

Mit der Temperaturumkehr ist auch eine Feuchteabnahme verbunden. Im Winter meist Ursache für die Bildung von Nebel oder Hochnebel. An der Inversion werden Vertikalbewegungen gebremst, sodass der Austausch der Luft der unteren Schichten mit der Höhenluft verhindert wird. Sie entsteht dadurch, dass die Temperatur in einer mehr oder weniger dicken Schicht infolge absteigender Luftbewegung und dynamischer Erwärmung zunimmt, meist in Hochdruckgebieten. Da die Inversion als Sperrschicht wirkt, sammeln sich unter ihr Staub- und Dunstteilchen, aber auch Abgase.

Eine Inversion ist im unteren Teil eines Deckels vorhanden.

 
Islandtief

Quastationäres, für das Wetter in Mitteleuropa besonders wirksames Tiefdruckgebiet über dem Nordatlantik. Es kann das ganze Jahr über auftreten und bewirkt in Europa Wind, Niederschlag und nur kurzzeitige Aufhellungen, also sehr veränderliches Wetter. Im Bereich südlich von Grönland und bei Island kommt es immer wieder zur Bildung von Tiefdruckgebieten, da kontinentale amerikanische Kaltluft auf den warmen Golfstrom stößt. Ähnliche Bedeutung hat für Nordamerika das "Aleutentief" über dem Nordpazifik.

 
Isobare (Isobar)

Eine Linie, die Punkte gleichen Druckes verbindet.

 
Isodrosotherme (Isodrosotherm)

Eine Linie, die Punkte gleicher Taupunkttemperatur verbindet.

 
Isohyete (Isohyet)

Eine Linie die Punkte gleicher Niederschlagsmenge verbindet.

 
Isoplethe (Isopleth)

Allgemeiner Ausdruck für eine Linie, die Punkte gleichen Wertes einer Größe verbindet. Isobaren, Isothermen, usw. sind alles Beispiele für Isoplethen.

 
Isotache (Isotach)

Eine Linie, die Punkte gleicher Windgeschwindigkeit verbindet.

 
Isotherme (Isotherm)

Eine Linie, die Punkte gleicher Temperatur verbindet.

J

Jet Max (Speed Max, Jet Streak)

Ein Punkt oder ein Gebiet eines relativen Windgeschwindigkeitsmaximums in einem Jetstream.

 
Jet Streak

Ein örtliches Windgeschwindigkeitsmaximum in einem Jetstream.

 
Jetstream / Strahlstrom (Jet Stream)

Relativ starke Winde, die sich in einem schmalen Strom in der Atmosphäre konzentrieren. Bezeichnet normalerweise horizontale Höhenwinde. Position und Richtung der Jetstreams variieren von Tag zu Tag. Allgemeine Wetterbedingung (warm/kalt, nass/trocken) stehen in enger Beziehung zu Position, Stärke und Richtung des oder der Jetstreams. Ein Jetstream in niedrigen Schichten ist als Low-Level-Jet bekannt.

 
Joule

(sprich "dschul"), Kurzzeichen J. Maßeinheit für Arbeit, Energie und Wärmemenge, nach James Prescott Joule, französischer Physiker (1818-1889). Ein Joule (1 J) ist diejenige Arbeit, die verrichtet wird, wenn die Kraft ein Newton (1 N) längs eines Weges von einem Meter (1 m) wirkt: 1 J = 1 Nm = 1 kg.m2/s2 = 1 Ws (Wattsekunde).

K

Kältewelle

Kälteeinbruch im Winter mit Advektion von Kaltluft polaren oder osteuropäischen Ursprungs, die einen krassen Temperaturrückgang (von über 10°) verursachen kann und eine Periode kalter Witterung einleitet.

 
Kaltfront

Grenzfläche zwischen warmen und kalten Luftmassen, wenn kältere Luft die wärmere Luft am Boden verdrängt. Beim Durchzug einer Kaltfront dreht der Wind unter Auffrischen nach rechts (meist von SW auf NW), die Lufttemperatur sinkt plötzlich (Temperatursturz) und der Luftdruck beginnt zu steigen. Das Wetter nach Frontdurchgang: windig, kühl, häufig Regenschauer (das sog. "Rückseitenwetter"). Unmittelbar nach Durchzug einer Kaltfront ist es jedoch für einige Stunden wolkenlos infolge einer abwärts gerichteten Kompensationsbewegung in der Atmosphäre ("postfrontale Aufheiterung"; im Satellitenbild oft deutlich erkennbar).

 
Kaltluftfunnel (Cold-air Funnel)

Eine Trichterwolke (Funnel), welche sich aus einem kleinen Schauer oder Gewitter entwickeln kann, wenn die Höhenluft ungewöhnlich kalt ist (daher der Name). Die Verwirbelung setzt sich selten bis zum Boden fort, geschieht dies aber, so hat sich ein Tornado gebildet. Durch solche Mechanismen entstehende Tornados sind deutlich weniger zerstörerisch als andere Tornadotypen.

 
Kaltluftsee

Ansammlung von kalter Luft in Tälern, Senken und Mulden, die dort bei Windstille stagnieren. Die durch Ausstrahlung an den Hängen einer Mulde entstehende kalte Luft ist schwerer als die sie umgebende und fließt in den tiefsten Teil der Mulde.

 
Kaltlufttropfen

Bezeichnung für ein Höhentief mit einem Durchmesser von 500-1000km und einem Kern aus sehr kalter Luft in der oberen Troposphäre (5-10km Höhe). Im Sommer meist mit starker Labilität und häufigen, heftigen Gewittern verbunden. Diese Schlechtwetterzone ist an keine Fronten gebunden.

 
Klassische Superzelle (Classic Supercell)

Siehe: Superzelle.

 
Knoten

Maßeinheit für die Windgeschwindigkeit in der Schiff- und Luftfahrt: 1 Knoten (kt) = 1 Seemeile pro Stunde. 1 Seemeile (sm) = 1852 Meter.

 
Komma

Im Satellitenbild erkennbare wirbelförmige Wolkenformation, die häufig in der Kaltluft auftritt und sich aus dem regelmäßigen zellularen Muster (verstärkte Cumulusbewölkung, engl. Fachausdruck: "enhanced cumuli") abhebt; wird in der Satellitenmeteorologie wegen ihrer beistrichartigen Form als "Komma" bezeichnet. Solche in Kaltluft eingebettete Wolkenkonfigurationen treten häufig im Bereich eines Höhentroges auf (erhöhte Labilität, starke Neigung zur Verwirbelung); darüber verläuft meist der Jet-Stream.

 
Kommaecho (Comma Echo)

Radarecho eines Gewitters in kommaähnlicher Form. Erscheint häufig in späteren Stadien eines Bow Echo.

 
Kondensation

Verdichtung des (unsichtbaren) Wasserdampfs zu Wassertröpfchen, die eine Wolke oder Nebel bilden bei Vorhandensein von Kondensationskernen. Ursache: Abkühlung der Luft bis zum Taupunkt, d.h. bis zur vollständigen Sättigung der Luft mit Wasserdampf (100% Luftfeuchtigkeit).

 
Kondensationsniveau

Höhe, in der sich ein angehobener Luftkörper soweit abgekühlt hat, dass der Taupunkt (also 100% Luftfeuchtigkeit) erreicht wurde. Der Wasserdampfanteil, der nicht mehr von der Luft gebunden werden kann, fällt in Form von Wassertröpfchen aus. Das Kondensationsniveau entspricht demnach der Höhe der Untergrenze von Wolken, die durch Hebung entstanden sind. Bei Quellwolken spricht man vom Cumulus-Kondensationsniveau. Daher ist auch die Unterseite der Quellwolken (Cumulus) abgeflacht. Siehe Cumulus, Auslösetemperatur.

 
Kondensationstrichter (Condensation Funnel)

Eine Trichterwolke, die rotiert und aus kondensierenden Wassertröpfchen besteht (im Gegensatz zu Rauch, Staub, Schutt und Trümmern, etc.)

 
Konvektion (Convection)

Allgemein der Transport von Wärme und Feuchtigkeit durch die Bewegung eines Fluids. In der Meteorologie beschreibt der Ausdruck speziell den vertikalen Transport von Wärme und Feuchtigkeit, besonders in Aufwinden und Abwinden in einer labilen Atmosphäre. Die Begriffe "Konvektion" und "Gewitter" werden oft gleichbedeutend verwendet, obwohl Gewitter nur eine Form von Konvektion darstellen. Cb-, Cu con- und Ac cas-Wolken sind sichtbare Formen von Konvektion [wie alle Cumuli], im Umkehrschluss ist Konvektion jedoch nicht immer durch Wolken erkennbar. Erscheint sie ohne Wolkenbildung, wird sie Trockenkonvektion genannt - analog heißt der sichtbare Prozess Feuchtkonvektion.

 
Konvergenz (Convergence)

Eine Kontraktion eines Vektorfeldes, das Gegenteil von Divergenz. Konvergenz in einem horizontalen Windfeld bedeutet, dass mehr Wind in ein Gebiet einströmt als ausströmt. Um den "Überschuss" auszugleichen, kann Vertikalbewegung die Folge sein: Aufsteigen (Hebung), wenn die Konvergenz in niedrigen Schichten erfolgt, Absinken (Subsidenz), wenn sie in hohen Schichten stattfindet. Hebung durch Konvergenz in niedrigen Luftschichten erhöht das Potential der Gewitterentwicklung (wenn andere Faktoren wie Labilität es begünstigen).

 
Kragenwolke (Collar Cloud)

Ein im Allgemeinen kreisrunder Wolkenring, der den oberen Teil einer Wallcloud umfasst, nur selten zu beobachten. Der Begriff wird manchmal (fälschlich) als Synonym für Wallcloud verwendet.

 
Kurzfristvorhersage

Unter "Kurzfristvorhersage" versteht man in der Synoptik Wetterprognosen von 12 bis 72 Stunden, "sehr kurzfristige Vorhersagen" decken den Zeitraum von 0 bis 12 Stunden ab; Vorhersagen für die nächsten 2-6 Stunden bezeichnet man als "Nowcasting". Allerdings hat sich eine einheitliche Regelung in diesem Vorhersagebereich noch nicht durchgesetzt. Diese kurzfristigen Prognosen basieren einerseits auf den numerischen Vorhersagekarten vom letzten Berechnungstermin und andererseits auf der Abschätzung der Weiterentwicklung des Wetters in den nächsten Stunden ausgehend vom augenblicklichen Wetterzustand. Dabei kommt neben der persönlichen Erfahrung des Meteorologen der kontinuierlichen Erfassung des Wetterzustandes durch Wetterradar- und Satellitendaten sowie durch Blitzsensoren und Windprofiler eine wesentliche Bedeutung zu. Setzt man voraus, dass sich manche meteorologischen Größen zumindest für die nächsten 2 Stunden konservativ verhalten, also im wesentlichen ihre Eigenschaften nicht verändern, kann man auch nach objektivierten Methoden "vorhergesagte" Satelliten- und Radarbilder erzeugen. Auch aus den numerischen Vorhersagedaten lassen sich nach diesen Überlegungen mittels Trajektorien genauere Angaben für den "Nowcasting"-Zeitraum machen. Andererseits lassen sich auf physikalisch-statistischem Weg numerische Vorhersagen wesentlich verfeinern und auf die jeweilige örtliche Topographie abstimmen, z.B. Unterscheidung zwischen Luv und Lee auch im lokalen Bereich.

 
Kurzwellentrog (Shortwave (or Shortwave Trough))

Eine Störung im mittleren oder oberen Teil der Atmosphäre, die auf ihrer Vorderseite zu Aufwärtsbewegung (Hebung) führt. Wenn andere Bedingungen es begünstigen, kann die Hebung zur Gewitterbildung vor dem Kurzwellentrog beitragen. [Im Gegensatz zu Langwellentrögen wandern Kurzwellentröge in der Regel sehr schnell mit dem Westwind - sie haben eine viel geringere Amplitude und Wellenlänge.]

L

Labilität (Instability)

Die Tendenz von Luftpaketen zu beschleunigen, wenn sie aus ihrer Ausgangsposition verschoben werden. Besonders die Tendenz aufwärts zu beschleunigen, nachdem sie angehoben wurden. Labilität ist Grundvoraussetzung für Unwetter - je größer die Labilität, desto größer das Potential für Schwergewitter.

Eine labile Luftschichtung der (bodennahen) Luft entsteht durch Heranströmen (Advektion) kalter Luft über wärmerem Boden. Die Luft wird dabei von unter her erwärmt und dadurch labil geschichtet, was zu einem lebhaften, turbulenten Austausch mit höheren Luftschichten und in der Folge zu Schauer- und Gewitterbildung führt. Umgekehrt kann eine Abkühlung in der Höhe zu ähnlichen Effekten führen. Siehe Luftschichtung, Temperaturgradient, Lifted Index.

 
Laminar

Glatt, nicht turbulent. Häufig verwendet um Wolkenformation zu beschreiben, die durch einen glatten Luftstrom geformt werden und in parallelen Lagen oder Schichten ziehen.

 
Landregen

Langer anhaltender Regen, durch Aufgleiten von warmer auf kühler Luft verursacht (Aufgleitniederschläge), in der Regel an der Warmfront auftretend. Gegensatz: kurzzeitige Regenschauer (in oder nach einer Kaltfront).

 
Landspout

Ein Tornado, der nicht aus organisierter gewitterskaliger  Rotation entstanden ist und daher keine Verbindung zu einer Wallcloud (optisch) oder einer Mesozyklone (auf dem Radarbild) hat [nichtmesozyklonaler Tornado]. Landspouts werden gewöhnlich in unter Cbs oder Cumulus congestus beobachtet (oftmals lediglich als Staubwirbel) und sind im Wesentlichen landbasierte Äquivalente zu Waterspouts.

 
Langwellentrog (Longwave Trough)

Ein Trog in der vorherrschenden westlichen Höhenströmung, der durch große Längenausdehnung und (gewöhnlich) lange Lebensdauer gekennzeichnet ist. Es existieren nicht mehr als etwa fünf Langwellentröge gleichzeitig in der nördlichen Hemisphäre. Ihre Position und Stärke bestimmen allgemeine Wetterbedingungen (z.B. warm/kalt, nass/trocken) für Tage, Wochen oder Monate. Kleinere Störungen (z.B. Kurzwellentröge) bewegen sich typischerweise schneller durch die breite Strömung eines Langwellentroges und verursachen kurzzeitigere Wetteränderungen (ein Tag oder weniger).

 
Lapse Rate

Etwa: Verfallsrate, Absinkrate. Die Änderungsrate einer atmosphärischen Variable, gewöhnlich der Temperatur, mit der Höhe. Eine steile "Lapse Rate" deutet auf einen rapiden Temperaturabfall mit zunehmender Höhe hin (ein Zeichen für Labilität) und eine steiler werdende  "Lapse Rate" lässt auf fortschreitende Labilisierung schließen.

 
Lee

Ein der Seemannssprache entnommener Begriff für die dem Wind abgewandte (windgeschützte) Seite eines Gebirges oder Hindernisses, im Gegensatz zum "Luv", der dem Wind zugewandten (windoffenen) Seite.

 
Left Mover

Ein Gewitter, das bezogen auf die Haupt(höhen)windrichtung und Nachbargewitter nach links ausschert. Oft der nördliche Teil eines Splitting Storm. Siehe auch Right Mover.

 
Lifted Index (Abkürzung LI)

Ein allgemeines Maß für die Labilität der Atmosphäre. Sein Wert wird ermittelt, indem man die Temperatur errechnet, die bodennahe Luft hätte, wenn sie in eine höhere Schicht (gewöhnlich ca. 5500 m [500 hPa-Schicht]) angehoben würde und das Ergebnis mit der tatsächlichen Temperatur dieser Schicht vergleicht. Negative Werte zeigen Labilität - je negativer, desto labiler ist die Luftschichtung und umso stärker sind die zu erwartenden Aufwinde in sich entwickelnden Gewittern. Allerdings gibt es keine "magischen Werte" oder Grenzwerte des LI unterhalb derer mit Gewissheit Unwetter drohen.

 
Linksdrehender Wind, rückdrehender Wind (Backing Winds)

Wind an einem bestimmten Ort, der sich mit der Zeit entgegen dem Uhrzeigersinn dreht (z.B. von Süd auf Südost) oder der mit zunehmender Höhe die Richtung entgegen dem Uhrzeigersinn ändert (z.B. von westlich am Boden nach mehr südlich in der Höhe). Das Gegenteil von rechtdrehendem ("veering") Wind. Für Spotter bezieht sich "rücklaufender Wind" auf einen Süd- oder Südwestbodenwind, der mit der Zeit auf Ost oder Südost dreht. Rücklaufen des Bodenwindes kann das Potential für Tornadoentwicklung durch Erhöhung der Richtungsscherung in den unteren Schichten erhöhen.

 
Loaded Gun (Soundingmuster)

Ein Sounding, das sich durch extreme Labilität auszeichnet, aber mit einem "Deckel" versehen ist. Somit ist explosionsartige Gewitterentwicklung zu erwarten, wenn sich der Deckel abschwächt, oder die Luft darunter genügend erwärmt wird, um ihn zu überwinden.

 
Low-level Jet (Abkürzung LLJ)

Ein Gebiet relativ starker Winde im unteren Teil der Atmosphäre. Speziell bezieht es sich oft auf ein südliches Windmaximum in der atmosphärischen Grenzschicht, das während der Wärmeperiode (Frühjahr und Sommer) in den großen Ebenen (Plains-Staaten) der USA häufig vorkommt. Der Begriff kann ebenfalls verwendet werden, um eine schmale Zone starker Winde oberhalb der atmosphärischen Grenzschicht zu beschreiben, jedoch wäre der passendere Begriff dafür Low-Level Jet Stream (niedriger Strahlstrom).

 
LP-Storm oder LP-Superzelle

Ein superzelliges Gewitter, gekennzeichnet durch relativen Mangel an sichtbarem Niederschlag (LP = Low-Precipitation = geringer Niederschlag). Optisch ähnlich einer klassischen Superzelle, mit Ausnahme des Starkniederschlagskerns. LP-Superzellen bieten häufig eine eindrucksvolle visuelle Erscheinung. Der Hauptturm ist oft glockenförmig mit korkenzieherähnlichem Profil, was die Rotation andeutet. Sie sind imstande Tornados und sehr großen Hagel zu produzieren. Verglichen mit anderen Superzellentypen ist ihre Radaridentifikation meist schwierig, so dass Berichte visueller Beobachtungen sehr wichtig sind. LP-Superzellen treten fast immer an oder nahe der Dry Line auf und werden daher manchmal als Dry Line Storms bezeichnet. Die Wallcloud und ein eventueller Tornado sind bei einer solchen Superzelle gut zu erkennen (im Unterschied zu HP-Storms).

 
Luftfeuchte (Humidity)

Allgemein ein Maß für den Wasserdampfgehalt der Luft. Wird im normalen Sprachgebrauch gleichbedeutend mit relativer Luftfeuchtigkeit verwendet.

Wasserdampfgehalt der Luft, angegeben als Dampfdruck (in Hektopascal), als relative Feuchtigkeit (in Prozent), absolute Feuchtigkeit (in Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter Luft), als Mischungsverhältnis (in Gramm Wasserdampf pro Kilogramm trockener Luft), spezifische Feuchtigkeit (in Gramm Wasserdampf pro Kilogramm feuchter Luft), als Taupunkt bzw. Taupunktsdifferenz (in Grad Celsius). Die Luft kann bei einer bestimmten Temperatur nur eine bestimmte Menge Wasserdampf aufnehmen ("Sättigung"); je höher die Temperatur der Luft, umso mehr Wasserdampf kann sie aufnehmen. Bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von 100% ist die Luft mit Wasserdampf gesättigt; überschüssiger Wasserdampf kondensiert zu Tröpfchen. Absolut trockene Luft (0%) kommt selbst über Wüsten mit sehr tiefer Temperatur nicht vor. Im Wetterdienst wird hauptsächlich der Taupunkt bzw. die Taupunktsdifferenz als Maß für die Luftfeuchtigkeit verwendet.

 
Luftmasse

Eine großräumige Luftmenge mit einheitlichen Eigenschaften, die sie erwirbt, wenn sie längere Zeit über einem Gebiet der Erdoberfläche lagert (z.B. über der Arktis). Typisch für eine Luftmasse ist ihre Einheitlichkeit bezüglich Temperatur, Luftschichtung, Feuchtigkeit und Beimengungen. Die allgemeine Zirkulation der Atmosphäre setzt dann die Luftmassen in Bewegung, wobei sie ihre ursprünglichen Eigenschaften weitgehend beibehalten, erst nach längerem Weg tritt eine "Luftmassentransformation" bzw. Luftmassenalterung" ein. Das Wetter in Mitteleuropa wird allgemein von arktischen, gemäßigten und subtropischen Luftmassen bestimmt, wobei sie je nach ihrem Weg noch in maritim und kontinental unterteilt werden. So unterscheidet sich z.B. im Winter eine kontinentale arktische Luftmasse (extrem kalt und trocken, gute Sicht) wesentlich von einer maritimen subtropischen im Sommer (warm, sehr feucht, schlechte Sicht). "Stoßen" unterschiedliche Luftmassen zusammen, bildet sich eine sog. Frontalzone, an der Tiefdruckgebiete und Fronten entstehen.

 
Luftmassengewitter (Air-mass Thunderstorm)

Allgemein ein Gewitter, das nicht mit einer Front oder einer anderen Art von synoptikskaligem Hebungsmechanismus in Verbindung steht. Luftmassengewitter sind gewöhnlich warmer, feuchter Luft in den Sommermonaten zuzuordnen. Sie entwickeln sich am Nachmittag als Reaktion auf Einstrahlung und verschwinden sehr schnell nach Sonnenuntergang. Sie tendieren generell weniger zu heftigen Erscheinungen als andere Gewitterarten, sind aber durchaus imstande Downbursts, kurzen Starkregen und (in Extremfällen) Hagel über 2 cm Durchmesser zu produzieren. Weil eigentlich alle Gewitter mit einem Hebungsmechanismus - sei er synoptikskalig oder andersartig - in Verbindung stehen, ist die Existenz von "echten" Luftmassengewittern umstritten. Daher ist auch der Ausdruck etwas strittig und sollte mit Umsicht verwendet werden.

 
Luftschichtung

Für das Wettergeschehen ist die Schichtung der Luft von erheblicher Bedeutung. Maßgebend dabei ist immer die in den einzelnen Luftschichten herrschende Temperaturabnahme mit der Höhe. In einer stabilen Luftschicht herrscht eine Temperaturabnahme von weniger als 1°C pro 100m. In einer labilen Luftschicht nimmt dagegen die Temperatur um mehr als 1°C pro 100m ab. Und in einer als indifferent bezeichneten Luftschicht beträgt die Temperaturänderung genau 1°C pro 100m. Entscheidend ist ferner, ob die Temperaturabnahme mit der Höhe im wolkenfreien Raum oder in Wolkenluft erfolgt. Wird durch Sonneneinstrahlung die Bodenluftschicht stark erwärmt, werden warme Luftteilchen - weil spezifisch leichter geworden - nach oben steigen. Sie werden aber nur so lange ihren Aufstieg fortsetzen bis sie - inzwischen selbst (adiabatisch) abgekühlt - in eine Umgebung gelangen, die der eigenen Temperatur entspricht. Sie sinken wieder ab, wenn sie bereits kühler als ihre Umgebung geworden sind. Je nach dem Ausmaß der Stabilität kommt es hierbei zu leichter oder überhaupt keiner Ausbildung von Wolken. Gelangt jedoch aufsteigende warme Luft in eine Schicht, die wesentlich kälter ist (wenn also der vertikale Temperaturgradient größer als 1 Grad ist), steigt die warme Luft unentwegt weiter aufwärts. Bei einer solchen labilen Luftschichtung kommt es recht bald zur Ausbildung von Wolken und je nach Ausmaß der Labilität (Instabilität) zu meist schauerartigen Niederschlägen und Gewittern. Siehe auch Temperaturgradient.

 
Lufttemperatur

Temperatur, die ein von Luft umströmtes, gegen Strahlung geschütztes Thermometer (in der "Wetterhütte" ) in 2 m Höhe (über Rasen) anzeigt. Die Luft wird im Wesentlichen durch die Wärmeabgabe der Erdoberfläche erwärmt. Die Temperatur der Luft soll unter Ausschaltung jeglicher Strahlungseinflüsse gemessen werden ("Schattentemperatur"). Ein der Sonne ungeschützt ausgesetztes Thermometer mißt nicht die Temperatur der Luft, sondern die Temperatur des von der Sonne aufgeheizten Thermometers. Die mittlere Lufttemperatur an der Erdoberfläche beträgt etwa +15°C. In der Antarktis wurden bereits Temperaturen von -88°C registriert. Maximale Werte bis zu +55°C wurden gemessen in Arabien, in der Sahara, in Arizona und in Zentralasien. Mit der Höhe nimmt die Lufttemperatur i.a. um rund 0,6°/100m ab.

 
Luv

Bezeichnung für die dem Wind zugewandte Seite eines Gebirges, die allgemein reichliche Wolkenbildung und Niederschläge aufweist. Gegensatz: Wolkenarmut auf der im "Lee" liegenden Gebirgsseite.

M

Mammatus - Wolken

Rundliche, glatte, sackartige Ausbeulungen der Wolkenunterseite (gewöhnlich eines Gewitterambosses). Mammatus begleiten häufig Schwergewitter, aber sie erzeugen keine Unwetter und können auch bei normalen Gewittern auftreten. Diese Wolken werden oft irrtümlicher Weise als Vorboten von Tornados gesehen, doch treten Tornados an ganz anderen Stellen der Zelle auf. Sie entstehen durch das Absinken von Kaltluft und deuten allgemein auf kräftige Turbulenzen in der Wolke hin, sind aber entgegen allgemeiner Meinung kein sicheres Anzeichen für einen Tornado!

 
Maskierte Kaltfront

Eine Kaltfront, hinter der in Bodennähe Erwärmung eintritt, weil vorher eine Bodeninversion mit meist Minustemperaturen, verursacht durch Ausstrahlung, vorhanden war. In der Höhe ist aber diese Kaltfront mit Temperaturrückgang verbunden. Meist mit gefrierendem Regen und Glatteis verbunden!

 
MCC - Mesoscale Convective Complex - Mesokaliger konvektiver Komplex

Ein ausgedehnter MCS von runder oder ovaler Gestalt, der normalerweise seine Spitzenintensität nachts erreicht. Die formale Definition beinhaltet spezifische Minima für Größe, Lebensdauer und Exzentrizität ("Rundheit"), basierend auf dem Wolkenschirm, der auf Infrarotsatellitenaufnahmen sichtbar wird.

Größe: Gebiet der Wolkenobergrenze mit -32° C oder darunter - 100000 qkm oder mehr (etwas weniger als Bayern und Baden-Württemberg zusammen) und Gebiet der Wolkenobergrenze mit -52° C oder darunter - 50000 qkm oder mehr (etwas mehr als Niedersachsen). Lebensdauer: Die Größenkriterien müssen für mindestens 6 Stunden erfüllt sein.

Exzentrizität: Das Verhältnis Neben- / Hauptachse muss mindestens 0,7 sein. MCCs bilden sich vorwiegend am Nachmittag und Abend (wenn das Potential für Unwetter am größten ist) in Form mehrerer einzelner Gewitter. Während der Spitzenintensität verändert sich die Hauptbedrohung auf Starkregen und Überflutungen.

 
MCS - Mesoscale Convective System - Mesoskaliges konvektives System

Ein Gewitterkomplex, der sich größerskalig als Einzelgewitter organisiert und normalerweise für mehrere Stunden oder darüber hinaus fortbesteht. MCS können rund oder geradlinig geformt sein und schließen unter anderem Systeme wie tropische Zyklone, Böenlinien und MCC ein. MCS wird häufig verwendet, um eine Anhäufung von Gewittern zu beschreiben, die nicht die Kriterien eines MCC hinsichtlich Größe, Form und Lebensdauer erfüllt.

 
Mesozyklone

Eine gewitterskalige Region der Rotation, typischerweise etwa 3 - 10 km im Durchmesser und häufig an der rechten Flanke einer Superzelle [in Zurichtung gesehen] anzutreffen (oder auf der östlichen (Vorder-) Flanke einer HP-Superzelle). Die Zirkulation einer Mesozyklone überdeckt ein weit größeres Gebiet als der Tornado, der sich darin entwickeln kann. Genau genommen ist Mesozyklone ein Radarausdruck, definiert als Rotationssignatur auf dem Dopplerradar, die bestimmte Kriterien für Größenordnung, vertikale Ausdehnung und Lebensdauer erfüllt. Daher soll eine Mesozyklone nicht als optisch beobachtbares Phänomen erachtet werden, obwohl der visuelle Beweis für Rotation - wie beispielsweise gekrümmte Inflow-Bänder - auf ihr Vorhandensein schließen lassen.

Somit stellt eine Mesozyklone das rotierende Aufwindfeld einer Superzelle dar (korrekt bezieht es sich eben auf das entsprechende Radarsignal). Dies beginnt oft erst in höheren Luftschichten (um 3000 Meter Höhe), bevor sich die Bewegung zum Boden hin ausdehnt. Allerdings dürften nicht alle Mesozyklonen in der Höhe entstehen, andere Ursachen könnten lokale Verwirbelungen sein. In massiven Mesozyklonen die bis auf die Erdoberfläche wirken, können sie Windgeschwindigkeiten der schräg auf die Wallcloud oder den Rotationsmittelpunkt zuwehenden Winde 120km/h übersteigen.

Eine abgeschlossene Mesozyklone entsteht, wenn sich das Abwindfeld der Superzelle um den Aufwind herumwickelt und so die Warmluftzufuhr abschneidet. Ist oft in einer HP-Superzelle zu finden, wodurch Wallcloud und eventuell vorhandener Tornado nur schwer oder gar nicht zu lokalisieren sind.

 
Mesoskalig (Mesoscale)

Größenmaßstab für Wettersysteme, die kleiner als synoptischskalige Systeme aber größer als gewitterskalige sind. Die horizontale Ausdehnung umfasst allgemein einen Bereich von etwa 75 bis einige hundert km. Böenlinien (Squall-Lines), MCC und MCS sind Beispiele mesoskaliger Wettersysteme.

 
Mesotief (Mesolow) (oder Subsynoptisches Tief)

Ein mesoskaliges Tiefdruckzentrum. Nahe oder unmittelbar vor einem Mesotief erhöht sich oft das Unwetterpotential. Das Mesotief sollte nicht mit der Mesozyklone verwechselt werden, die ein gewitterskaliges Phänomen ist.

 
Microburst

Ein kleiner, konzentrierter Downburst, der ein Gebiet kleiner 4 km Ausdehnung in Mitleidenschaft zieht. Die meisten Microbursts sind eher kurzlebig (etwa 5 Minuten), jedoch in seltenen Fällen wurde bekannt, dass sie bis zu sechsmal so lange anhalten können.

 
Millibar

Veraltete Druckeinheit in der Meteorologie, heute Hektopascal. 1 mb = 1 hPa.

 
Millimeter

Millimeter Quecksilbersäule (abgekürzt mm Hg) ist der am Quecksilberbarometer abgelesene Wert, der in das Maß für den Luftdruck umgerechnet wird: 750 mm Hg = 1000 hPa.

 
Mittelfrist (-Vorhersage) (Medium Range)

In der Wettervorhersage allgemein drei bis sieben Tage voraus.

 
Mittelschichtabkühlung (Mid-level Cooling)

Lokale Abkühlung der Luft in den mittleren Schichten der Atmosphäre (grob 2500 bis 7500 Meter), die zur Labilisierung der gesamten Atmosphäre führen kann, wenn alle anderen Faktoren gleichbleibend sind. Mittelschichtabkühlung kann beispielsweise durch Herannahen eines Mittelschichten-Cold-Pool eintreten.

 
Multizellengewitter (Multi-cell(ular) Thunderstorm)

Ein Gewitter, das aus zwei oder mehr Zellen besteht, von denen alle oder die meisten gleichzeitig als ausgeprägte Kuppeln oder Türme in verschiedenen Entwicklungsstadien sichtbar sind. Fast alle Gewitter (einschließlich Superzellen) sind multizellular, jedoch wird der Ausdruck häufig für Gewitter verwendet, die nicht der Superzellendefinition genügen.

 
Multivortex- (oder Multiple-vortex-) Tornado

Ein Tornado, der gleichzeitig zwei oder mehr Kondensationstrichter oder Trümmerwolken aufweist, die häufig um ein gemeinsames Zentrum oder umeinander rotieren. Multivortex-Tornados können besonders zerstörerisch sein. Siehe Suction-Vortex.

N

Nasser Microburst (Wet Microburst)

Ein Microburst begleitet von heftigem Niederschlag am Boden. Ein Regenfuß kann ein sichtbares Zeichen eines nassen Microburst sein. Siehe trockener Microburst.

 
Negativ geneigter Trog (Negative-tilt Trough)

Ein Höhensystem, das mit zunehmender geografischer Breite nach Westen geneigt ist (z.B. mit einer Achse von Südost nach Nordwest). Ein negativ geneigter Trog ist oft ein Zeichen eines sich entwickelnden oder verstärkenden Wettersystems.

 
Niederschlag

Entsteht durch verschiedene, teils noch nicht gänzlich erforschte Prozesse, bei denen kleine schwebende Wolkentröpfchen zu große Tropfen anwachsen, aus der Wolke ausfallen und den Erdboden erreichen. In unseren Breiten erfolgt die Bildung meist über die Eisphase in sog. Mischwolken, d.h., wenn Eisnadeln oder Schneekristalle durch eine unterkühlte Wasserwolke fallen, und durch Anfrieren von unterkühlten Wassertröpfchen weiter anwachsen. In reinen Wasserwolken (Tropen) entsteht Niederschlag hingegen dadurch, dass verschieden große Wolkentröpfchen zusammenstoßen, solange bis sich genügend große Tropfen bilden, die auch den Erdboden erreichen. Der Niederschlag kann in verschiedener Form aus der Wolke fallen: Regen, Nieseln, Schnee, Graupel oder Hagel.

 
Nieseln

Sehr feiner Regen aus Stratus-Wolken (Sprühregen); Durchmesser der Tröpfchen kleiner als 0,5 mm.

 
Nimbostratus

Dichte, dunkle Wolkenschicht, aus der anhaltend Regen fällt, Position der Sonne nicht erkennbar; oft mit Wolkenfetzen (Stratus) darunter. Tritt meist bei Warmfronten auf.

 
Nordföhn

Der von Norden her wehende Föhn auf der Südseite der Alpen; allgemein weniger deutlich ausgeprägt als der Südföhn, der auf der Alpennordseite von Süden her wehende Föhn. Innsbruck hat an nur durchschnittlich drei Tagen pro Jahr Nordföhn, dagegen an 53 Tagen Südföhn.

 
Nowcast

Eine Kurzzeitvorhersage, allgemein bis zu sechs Stunden voraus, siehe Kurzfristvorhersage.

 
NWP - Numerical Weather Prediction

Siehe Numerische Wettervorhersage.

 
Numerische Wettervorhersage

("Computervorhersage"). Vorhersage des Wetters mit Hilfe mathematischer Gleichungen. Da die physikalischen Prozesse gesetzmäßig ablaufen, ist es möglich, auch für die Wettervorhersage Gleichungen aufzustellen. Die früher unlösbar erscheinende Integration dieser meteorologischen Grundgleichungen ist heute durch Großrechenanlagen möglich geworden und gestattet auch ökonomische Rechenzeiten. Die meteorologischen Prozesse und Bewegungsvorgänge werden physikalisch durch 7 Größen bestimmt: Luftdruck, Lufttemperatur, Wind (als dreidimensionaler Vektor), Feuchtigkeit und Dichte. Um diese Zustandsgrößen für jeden Ort und für jeden Zeitpunkt vorherzusagen, braucht man entsprechend viele Gleichungen (3 Bewegungsgleichungen, Kontinuitätsgleichung, 1. Hauptsatz der Wärmelehre = Energieerhaltungssatz der Gasdynamik, Gasgleichung, Wasserdampfbilanzgleichung). Diese müssen (in einem aufwendigen Verfahren) noch auf die atmosphärischen Bedingungen (einschließlich Randprobleme an der Erdoberfläche) anwendbar gemacht werden. Zahlreiche Vereinfachungen müssen vorgenommen werden. Für die Berechnung einer 24-stündigen Vorhersage bedarf es z.B. etwa 7 Milliarden Grundrechnungen. Besonders gute Ergebnisse liefern die numerischen Verfahren bei der Vorhersage von Stromfeldern in der freien Atmosphäre (Höhenströmung). Die moderne Wettervorhersage ist stets eine Synthese aus Synoptik und Mathematik, Erfahrung und Theorie, da die Vorgänge insgesamt, die das Wettergeschehen beeinflussen, sehr komplex sind. Trotz steigendem technischen Aufwand beträgt das Plus an Prognosenerfolg immer nur einige Prozent. Die Erfolgsquote ist je nach Aufgabenstellung 85-90 Prozent. Eine 100-prozentig sichere Wetterprognose ist nach dem heutigen Stand der Erkenntnisse utopisch. Im Wetterdienst hauptsächlich verwendet werden heute die numerischen Vorhersagekarten des 1977 gegründeten "Europäischen Zentrums für mittelfristige Wettervorhersagen" (ECMWF) in Reading bei London.

O

Okklusion

Vereinigung einer Kaltfront mit einer Warmfront, wobei die schneller ziehende Kaltfront die vorangehende Warmfront einholt. Der zwischen den Fronten liegende "Warmsektor" wird dabei immer mehr eingeschnürt und die Warmluft schließlich vom Boden abgehoben. Der so genannte "Okklusionspunkt" ist auf der Wetterkarte die Gabelungsstelle nahe dem Zentrum des Tiefs (meist verbunden mit dem stärksten Druckfall).

 
Okkludierte Mesozyklone (Occluded Mesocyclone)

Eine Mesozyklone, in der die Luft des rückseitigen Abwindes (RFD) die Zirkulation in den unteren Schichten komplett eingehüllt hat und so die Einströmung warmer labiler Bodenluft abschneidet.

 
Orkan

Windstärke 12 nach der Beaufort-Skala. Windgeschwindigkeit von über 118 km/h = 32,7 m/s = 64 Knoten. Tritt in den gemäßigten Breiten relativ selten auf (meist in den Übergangsjahreszeiten). Orkane sind über dem Meer häufiger als über dem Festland. Im Südpazifik ("Südsee") Bezeichnung für den tropischen Wirbelsturm. Der bisher stärkste Orkan soll mit 284 km/h auf Guam (im westlichen Pazifik) beobachtet worden sein.

 
Orografisch (Orographic)

Verbunden mit, oder ausgelöst durch die geografische Geländeform (wie Berge oder hügeliges Gelände).

 
Orografische Hebung (Orographic Lift)

Hebung der Luft bei ihrem Durchzug über Berge oder hügeliges Gelände.

 
Outflow- (oder Ausströmungs-) Grenze (Outflow Boundary)

Eine gewitterskalige oder mesoskalige Grenze, die gewittergekühlte Luft (Outflow) von der umgebenden Luft trennt. Effektiv ähnlich einer Kaltfront, deren Passage durch Winddrehung und Temperaturrückgang gekennzeichnet ist. Outflowgrenzen können 24 Stunden oder länger nach Auflösung des Gewitters, aus dem sie entstanden sind, fortbestehen und sich hunderte von Kilometern vom Entstehungsort fortbewegen. Häufig entwickeln sich neue Gewitter entlang der Outflowgrenzen, insbesondere nahe dem Schnittpunkt mit einer anderen Grenze (Kaltfront, Dry Line, einer anderen Outflowgrenze).

 
Overhang - Überhang

Ein Radarausdruck, der eine Region hoher Reflektivität in mittleren und hohen Schichten über einem Gebiet niedriger Reflektivität in den unteren Schichten beschreibt. (Letzteres Gebiet ist als Weak-Echo-Region oder WER bekannt.) Der Overhang befindet sich an der Einströmungsseite (Inflow) eines Gewitters (normalerweise die Süd- oder Südostseite).

 
Overshooting Top (oder Penetrating Top, Vorstoßender Gipfel)

Ein kuppelartiger Überstand oberhalb eines Gewitterambosses, der einen sehr starken Aufwind anzeigt und damit ein erhöhtes Unwetterpotential dieses Gewitters. Ein beständiger und/oder großer "Overshooting Top" (Anvil Dome) zeigt sich oft bei einer Superzelle. Solche Wolkenformationen können bis hinauf in dei Stratosphäre reichen. Ein kurzlebiger Overshooting Top oder einer, der sich zyklisch aufbaut und zurückbildet, kann ein Anzeichen für einen Pulse-Storm oder ein zyklisches Gewitter sein.

P

Pascal

Druckeinheit in der Meteorologie ab 1.1.1984 (nach Blaise Pascal, 1623-1662, französ. Philosoph, Mathematiker und Physiker). 1 Hektopascal (hPa) = 1 Millibar (mbar oder mb). 

 
Polarfront

Ältere Bezeichnung (aus der "Polarfronttheorie") für die Grenzfläche zwischen polarer Kaltluft und gemäßigter oder subtropischer Warmluft; heute im Begriff "Frontalzone", an der sich die Tiefdruckwirbel (Zyklonen) bilden, aufgegangen.

 
Polarluft

Im Polargebiet entstehende sehr kalte Luftmasse, die mit einer nördlichen Luftströmung in Mitteleuropa zu Kälteeinbrüchen führt, bei gleichzeitigem Tiefdruckeinfluß mit Schnee- oder Regenschauern und starken Windböen verbunden.

 
Popkornkonvektion (Popcorn Convection)

Schauer und Gewitter, die sich vereinzelt, mit wenig oder geringer offensichtlicher Organisation bilden, gewöhnlich am Nachmittag als Reaktion auf tagesbedingte Erwärmung. Einzelne Gewitter werden vom Typus manchmal als Luftmassengewitter bezeichnet: Sie sind klein, kurzlebig, sehr selten unwetterartig und verschwinden fast immer bei oder kurz nach Sonnenuntergang.

 
Positiver CG (+CG) Blitz

Ein CG-Blitz, der positive Ladungsträger zum Boden transportiert, das Gegenstück zum verbreiteteren negativen Ladungstransport. Man hat herausgefunden, dass +CG häufiger in Schwergewittern vorkommen. Sie können von den meisten Blitzortungssystemen erkannt werden, jedoch ist es optisch nicht hinreichend genau möglich, zwischen positiven und negativen CG zu unterscheiden. (Manche behaupten eine Beziehung zwischen "Stakkatoblitzen" und +CGs beobachtet zu haben, aber das ist bisher unbewiesen.)

 
Positiv geneigter Trog (Positive-tilt Trough)

Ein Höhensystem, das mit zunehmender geografischer Breite nach Osten geneigt ist (z.B. von Südwest nach Nordost). Ein positiv geneigter Trog ist oft ein Anzeichen eines sich abschwächenden Wettersystems und es ist in der Regel unwahrscheinlicher, dass daraus Unwetter hervorgehen als bei einem negativen geneigten Trog, wenn alle anderen Faktoren gleich sind.

 
Potentielle Temperatur (Potential Temperature)

Die Temperatur die ein trockenes Luftpaket hätte, wenn es adiabatisch (also ohne Wärme- oder Massentransfer zur Umgebung) auf einen Standarddruck von 1000 hPa gebracht würde.

 
Pseudokaltfront (Pseudo-Cold Front)

Eine Grenze zwischen der Einströmungsregion (Inflow) und dem RFD einer Superzelle. Sie erstreckt sich vom Zentrum der Mesozyklone nach außen, gewöhnlich nach Süden oder Südwesten (gelegentlich jedoch biegt sie sich Richtung Osten oder Südosten, wenn es sich um eine okkludierte Mesozyklone handelt). Die Pseudokaltfront ist dadurch gekennzeichnet, dass sie die ausströmende Luft zur Einströmungsregion befördert. Es handelt sich um eine spezielle Form der Gust-Front. Siehe auch Pseudowarmfront.

 
Pseudowarmfront (Pseudo-Warm Front)

Eine Grenze zwischen der Einströmregion (Inflow) und dem FFD einer Superzelle. Sie erstreckt sich direkt vom oder nahe vom Zentrum der Mesozyklone nach außen, gewöhnlich nach Osten oder Südosten und ist normalerweise entweder quasistationär oder bewegt sich vor der Mesozyklone nord- oder nordostwärts. Siehe Pseudokaltfront und Biberschwanz.

 
Pulse Storm

Ein Gewitter mit einer kurzen Periode starker Aufwinde, während oder unmittelbar nach der das Gewitter eine kurze Unwetterepisode entwickelt. Diese Gewitter sind im Allgemeinen keine Tornadoproduzenten, bringen jedoch häufig großen Hagel und/oder zerstörerische Winde. Siehe auch Overshooting-Top, zyklisches Gewitter.

Q

Quellungen

Typische Wolken vom Cumulus-Typ, die bei instabiler Schichtung der Atmosphäre entstehen. Das Emporschießen von Wolkenteilchen infolge der aufwärtsgerichteten Luftbewegung (Thermik, Turbulenz) erzeugt das typisch "blumenkohlartige" Aussehen der Cumulus-Wolken.

 
Quellwolken

Wolken mit vorherrschender vertikaler Erstreckung, deren Mächtigkeit von der Temperaturschichtung der Luft und der freiwerdenden Kondensationswärme abhängt (labile Schichtung). Sie reichen von den kleineren Cumulus- bis zu den an die Tropopause reichenden Cumulonimbus-Wolken: Cumulus humilis, mediocris und congestus; Cumulonimbus calvus und capillatus, mit "Amboß" Cumulonimbus incus.

R

Radar

Siehe Wetterradar.

 
Radarechos

Die Intensität der Wetterradarechos ist nach der sog. "Radargleichung" proportional der Niederschlagsintensität und umgekehrt proportional der Entfernung des Niederschlagsgebietes. In die Gleichung gehen noch die Gerätekonstante, z.B. die Stärke des ausgesandten Impulses, die verwendete Wellenlänge (zwischen 3 und 10 cm) sowie ein mittlerer Wert für die Rückstreueigenschaft der Regentropfen, Schneekristalle und Eiskörner in der jeweiligen Klimaregion ein. Die Niederschlagsintensitäten werden in logarithmisch ansteigende Bereiche gegliedert: kleine Stufen für schwache, große Stufen für starke Intensitäten. Besonders deutlich sind konvektive Zellen (CB) am Radar erkennbar infolge der größeren Tropfen (bis zu Hagelkörnern) und der kreisförmigen Wolkenstruktur (Draufsicht) sowie ihres meist isolierten Auftretens. Sog. Flächenniederschlag besteht aus meist kleinen Tröpfchengrößen und kann den ganzen Radarbereich ausfüllen, allerdings sind der Reichweite des Radarstrahls durch die Ausbreitungsdämpfung Grenzen gesetzt. Weiter entfernte Echos werden durch die Entfernungsdämpfung nicht in ihrer tatsächlichen Intensität wiedergegeben. Höher gelegene Stationen erfassen natürlich keine Niederschlagsgebiete oder Gewitterwolken, die sich unterhalb der Stationshöhe befinden. Ferner werden infolge der Krümmung der Erdoberfläche bei weit entfernten Gewitterwolken nur deren obere Teile vom Radarstrahl ("Radarhorizont") erfasst. Auch die atmosphärische Brechung des Radarstrahls muß natürlich berücksichtigt werden, kompensiert aber erfreulicher Weise zum Teil den nachteiligen Effekt der Erdkrümmung. Bei der Interpretation von Radarbildern ist also Vorsicht geboten.

 
Radiosonde

Meßgerät der Aerologie, das an einen Ballon befestigt, beim Austieg mit einer Steiggeschwindigkeit von 300m pro Minute bis ca. 30km Höhe fortlaufend Luftdruck, Temperatur und Feuchtigkeit über einen eingebauten Kurzwellensender zur Bodenstation übermittelt. Dabei entsteht ein genaues Bild über den momentanen Zustand der einzelnen Luftschichten. Der Ballon trägt ferner einen Reflektor aus Metallfolie, der die Radarstrahlen reflektiert. Aus der dann mittels Radar gemessenen Windversetzung der Radiosonde können die Richtung und die Geschwindigkeit der Höhenwinde der betreffenden Luftschicht berechnet werden.

 
Rain Foot - Regenfuß

Ein horizontaler "Wulst" in einem Niederschlagsstreifen nahe am Boden, der eine Art Fuß formt. Er ist ein optisches Anzeichen für einen Wet-Microburst. Dieser Begriff lässt sich etwas verallgemeinern: Wenn eine Makro - oder Mikroböe auf den Erdboden trifft, kann sie ein Staubvorhang vor sich hertreiben (wenn sie trocken ist, d.h. ohne begleitenden Niederschlag) oder eine Regenwand. Wenn das Ganze die Form eines Fußes annimmt (d.h. sich ein sichtbarer, horizontaler Wirbel ausbildet), ist mit großer Wahrscheinlichkeit mit einem zerstörerischen Downburst zu rechnen.

 
Rain-free Base

Siehe: Regenfreie Basis

 
Rear Flank Downdraft (oder RFD)

Siehe: Rückseitiger Abwind

 
Reflektivität (Reflectivity)

Radarausdruck, der sich auf die Eigenschaft eines Radarzieles bezieht, Energie zurückzuwerfen. Wird verwendet, um die Echostärke abzuleiten und die Niederschlagsintensität bzw. Regenrate zu ermitteln. Siehe dBZ.

 
Regen

Niederschlag in flüssiger Form, der dadurch entsteht, dass kleine schwebende Wolkentröpfchen zu größeren Tröpfchen anwachsen, die von der Luftströmung nicht mehr getragen werden können, aus der Wolke fallen und den Erdboden erreichen. Der gewöhnliche großtropfige Regen ("Landregen") besteht aus vielen Tropfen von mindestens 0,5 mm Durchmesser (Fallgeschwindigkeit von mehr als 3m/s), tritt im Frontbereich auf und dauert mehrere Stunden, manchmal auch über einen Tag. Nieselregen mit Tröpfchen unter 0,5 mm Durchmesser und weniger fällt meist aus Nebel oder Hochnebel (Stratus) mit einer Fallgeschwindigkeit von weniger als 3 m/s. Regenschauer bestehen aus großen Regentropfen, die aus hochreichenden Quellwolken fallen und von kurzer Dauer sind. Im Wolkenbruch, einem kurzen, außerordentlich starken Regenschauer, treten Tröpfchen von 8 mm Durchmesser auf, die Fallgeschwindigkeit beträgt 8 m/s. Unterkühlter Regen besteht aus kleinen Wassertröpfchen, die trotz Temperaturen unter dem Gefrierpunkt noch flüssig sind, aber beim geringsten Anstoß sofort Gefrieren und zur Bildung von Glatteis führen; diese sind auch die Ursache für die Flugzeugvereisung.

 
Reifgraupel

Niederschlag in Form undurchsichtiger, weißer, runder Körner von schneeähnlicher Struktur (zusammendrückbar), springen auf harter Unterlage auf und zerfallen oft; tritt auf vor bzw. mit einem Schneefall und um 0°C (Aprilschauer).

 
Relative Luftfeuchte oder -feuchtigkeit (Relative Humidity)

Ein dimensionsloser Verhältniswert, der die Menge tatsächlich vorhandener atmosphärischer Feuchtigkeit relativ zur Feuchtemenge, die in gesättigter Luft vorhanden wäre, wiedergibt (in Prozent). Da der Sättigungsgehalt von der Temperatur abhängt, ist die relative Luftfeuchtigkeit eine Funktion aus Wassergehalt und Temperatur. Somit gibt sie nicht direkt die wirklich in der Atmosphäre enthaltene Feuchtigkeitsmenge an. Siehe auch Taupunkt.

 
Rechte Einzugsregion / rechter Einzug bzw. Rechter hinterer Quadrant (Right Entrance Region (or Right Rear Quadrant))

Ein Gebiet vor und rechts eines Höhen-Jet-Max (in Strömungsrichtung gesehen). Abhängig vom Windgeschwindigkeitsmaximum sind Hebung und Schwergewitterpotential manchmal in diesem Gebiet erhöht. Vergl. Exit Region.

 
Rechtsdrehender Wind (Veering Winds)

Wind an einem bestimmten Ort, der seine Richtung mit der Zeit im Uhrzeigersinn ändert (z.B. von südlich auf westlich) oder aber seine Richtung mit zunehmender Höhe im Uhrzeigersinn ändert (z.B. von südöstlich am Boden auf südwestlich in der Höhe). Letzteres Beispiel ist eine Form der Richtungsscherung die für Tornadobildung wichtig ist. Vergl. auch linksdrehender Wind.

 
Regenfreie Basis (Rain-free Base)

Eine dunkle, horizontale Wolkenbasis vor der eigentlichen Gewitterzelle ohne optisch erkennbaren Niederschlag darunter. Markiert typischerweise den Ort des Gewitteraufwindes, also den Versorgungsbereich und die Warmluftzufuhr. Sie ist sowohl bei Superzellen, als auch allen anderen Arten von Gewittern zu finden. Tornados können sich aus Wallclouds entwickeln, die unter der regenfreien Basis hängen - oder aus der regenfreien Basis selbst, vor allem wenn sie sich auf der Süd- oder Südwestseite des Hauptniederschlagsgebietes befindet. Beachte, dass die regenfreie Basis nicht wirklich niederschlagsfrei sein muss: Hagel oder große Regentropfen können fallen. Daher ist der Begriff Aufwindbasis zutreffender.

 
Richtungsscherung (Directional Shear)

Der Anteil einer Windscherung, der für die Änderung der Windrichtung mit der Höhe verantwortlich ist. Beispielsweise südöstliche Bodenwinde in Verbindung mit südwestlichen Höhenwinden. Ein mit der Höhe rechtsdrehender Wind (Veering Wind) im unteren Teil der Atmosphäre ist eine Art der Richtungsscherung, die häufig als wichtig für Tornadoentwicklung erachtet wird.

 
Right Mover

Ein Gewitter, das bezogen auf die Haupt(höhen)windrichtung und benachbarte Gewitter deutlich nach rechts ausschert. Right Mover sind typischerweise mit einem hohen Unwetterpotential verbunden. (Superzellen sind oft Right Mover.) Siehe Left Mover, Splitting Storm.

 
Roll Cloud

Siehe: Böenwalze

 
Rope (oder Rope-Funnel)

"Seilfunnel", ein schmaler, oft verdrehter Kondensationstrichter gewöhnlich das Auflösungsstadium eines Tornados. Siehe Rope-Stage.

 
Rope-Stage - "Seilstadium"

Das Auflösungsstadium eines Tornados, gekennzeichnet durch dünner werden und schrumpfen des Kondensationstrichters zu einem Rope oder Rope-Funnel. Schäden sind auch in diesem Stadium weiterhin möglich.

 
(Hochdruck-) Rücken (Ridge)

Ein langgestrecktes Gebiet mit relativ hohem Luftdruck. Das Gegenstück zum Trog.

 
Rücklaufendes Gewitter (Back-building Thunderstorm)

Ein Gewitter, das sich an der Aufwindseite neu entwickelt (normalerweise der West- oder Südwestseite), so dass es so erscheint, als ob das Gewitter stationär oder rücklaufend wäre.

 
Rückseitenwetter

Nach Durchzug eines Tiefs folgt hinter der Kaltfront kühle Luft und ein rascher Wechsel zwischen starker Quellbewölkung mit heftigen Niederschlägen (Regenschauern, Gewitter mit böigem Wind) und Aufheiterungen mit intensivem Sonnenschein. Der Volksmund spricht dann etwa auch im August von "Aprilwetter". Hauptmerkmal: beständig unbeständig.

 
Rückseitiger Abwind / Rear Flank Downdraft (oder RFD)

Ein Gebiet trockener Luft, das auf der Rückseite einer Mesozyklone absinkt und sie umhüllt. Oft sichtbar als aufgehellter Spalt (Clear Slot), der die Wallcloud umgibt. Vereinzelte große Niederschlagspartikel (Regen und Hagel) an der Verbindungsstelle zwischen Clear Slot und Wallcloud können im Radarbild als Haken oder Anhänger (Hook / Pendant) auffallen. Somit kann das Auftreten von Hook oder Pendant die Existenz eines RFD anzeigen.

S

Satellitenbilder

Siehe Wettersatellitenbilder.

 
Schauer

Niederschläge von oft großer Ergiebigkeit, aber kurzer Dauer, die aus Cumulonimbus-Wolken fallen, deren Gipfel bei Temperaturen unter -10°C aus Eiskristallen bestehen. Kann als Regen, Schnee, Graupel oder Hagel auftreten; typisch für Rückseitenwetter. In den Tropen fallen auch aus "warmen" Quellwolken (mit Gipfeltemperaturen über 0°C) Schauerniederschläge. Stärkere Schauer aus "vereisten" Wolken sind oft mit elektrischen Vorgängen verbunden (Gewitter). Besonders heftige Schauer sind die Platzregen und Wolkenbrüche; ihre Stärke kann auch in Mitteleuropa 15-20 mm Regen/min erreichen.

 
Schichtwolken

Einförmige horizontale Wolken ohne große Helligkeitsunterschiede und Strukturen, die als Felder oder Schichten den Himmel völlig oder teilweise bedecken. Typische Schichtwolken sind Stratus, Altostratus, Cirrostratus und Nimbostratus.

 
Schnee

Fester Niederschlag aus meist verzweigten kleinen Eiskristallen (Schneekristallen) in Form von sechsstrahligen Sternen, Nadeln, Plättchen oder Säulen bei Temperaturen um oder unter 0°C. Die während des Fallens aneinander gelagerten Kristalle werden als Schneeflocken bezeichnet. Die Form der Kristalle ist von den Bedingungen in der Wolke (Temperatur und Feuchtigkeit) abhängig.

 
Schneefegen

Schnee wird vom Wind nur bis in geringe Höhen über dem Erdboden aufgewirbelt, sodass die Horizontalsicht nicht merklich herabgesetzt ist. Wird der Schnee bis in größere Höhen aufgewirbelt, sodass die Horizontalsicht sehr gering ist, spricht man von Schneetreiben.

 
Schneetreiben

Durch den Wind wird Schnee bis in größere Höhen aufgewirbelt, sodass die Sicht weniger als 1 km beträgt; erstreckt sich diese Erscheinung nur auf die allerunterste Schicht, so dass in Augenhöhe des Beobachters gute Sicht herrscht, spricht man von "Schneefegen". Schneetreiben mit Schneefall vermischt nennt man Schneegestöber, wobei oft nicht eindeutig festgestellt werden kann, ob wirklicher Niederschlag in Form von Schnee tatsächlich vorkommt.

 
Schwüle

Durch besondere Luftfeuchtigkeits- und Temperaturverhältnisse gekennzeichnete klimatische Situation, die das menschliche Wohlbefinden beeinträchtigt; z.B. 80% und 20°C, 65% und 25°C, 45% und 30°C. Schwüle erschwert die Temperaturregelung des Organismus und kann in extremen Fällen zum Kollaps führen. Diese Kombination aus hoher Luftfeuchtigkeit und hoher Temperatur (Schwüle) ruft beim Menschen ein Gefühl des Unbehagens hervor, da der Schweiß nicht mehr verdunstet und kühlt.

 
SC-Fractus

Stratus/Cumulus fractus Wolken; zerrissene Wolkenfetzen in Haufenform (c-fractus) oder Bänderform (s-fractus). Erscheinen sowohl vor, als auch während Gewittern und auch vor Böenwalzen. Zeigen starke Winde und/oder ein niederes Kondensationsniveau an. Bei Superzellen sind sie im Bereich des Zustrombereiches zu finden, werden nicht selten in die Wallcloud aufgesogen oder können diese sogar bilden.

 
Scherung

Veränderung der Windgeschwindigkeit (Geschwindigkeitsscherung) und/oder -richtung (Richtungsscherung) über eine kurze Entfernung. Scherung bezieht sich gewöhnlich auf vertikale Windscherung, d.h. Änderung des Windes mit der Höhe, aber der Ausdruck wird auch beim Dopplerradar zur Beschreibung von Änderungen der Radialgeschwindigkeit über kurze horizontale Entfernung verwendet.

 
Scud (oder Fractus)

Kleine, zerfetzte, niedrige Wolkenfragmente, ohne Verbindung zu einer größeren Wolke, oft bei und hinter Kaltfronten und Gewitter-Böenfronten zu sehen. Diese Wolken stehen gewöhnlich mit kalter, feuchter Luft, wie in einer Gewitterausströmung (Outflow) in Verbindung.

 
Shelf Cloud

Siehe: Böenkragen

 
Shortwave (or Shortwave Trough)

Siehe: Kurzwellentrog

 
Sommertag

Die Temperatur erreicht einen Höchstwert zwischen 25 und 30°C. Liegt das Maximum darüber, spricht man von einem "Tropentag".

 
Sounding

Ein Diagramm des vertikalen Profils von Temperatur und Taupunkt (und oft der Winde) über einem bestimmten Ort. Soundings werden ausgiebig für die Unwettervorhersage verwendet, beispielsweise um Labilität zu bestimmen, Temperaturinversionen zu lokalisieren, die Stärke des Deckels zu messen, die Auslösetemperatur zu bestimmen, usw.

 
Speed Shear

Siehe: Geschwinigkeitsscherung

 
Sperrschicht

Siehe: Inversion

 
Splitting Storm

Ein Gewitter, das sich teilt und dessen Teile auseinanderlaufenden Zugpfaden folgen (ein Left-Mover und ein Right-Mover). Der Left-Mover zieht gewöhnlich schneller als das Ursprungsgewitter, der Right-Mover langsamer. Der Left-Mover ist derjenige von beiden, der sich am wahrscheinlichsten abschwächt und auflöst (aber in seltenen Fällen auch ein äußerst heftiges antizyklonal rotierendes Gewitter werden kann), während der Right-Mover höchstwahrscheinlich Superzellenstatus erreicht.

 
Squall Line

Siehe: Böenlinie

 
Stakkatoblitz / Staccato Lightning

Eine CG-Blitzentladung, die als einzelner, sehr heller, kurzzeitiger Blitzschlag, häufig mit beachtlicher Verästelung auftritt.

 
Starkregen

Starke Regenfälle, die in 5 Minuten mehr als 5 Liter pro Quadratmeter oder in 60 Minuten mehr als 17 Liter pro Quadratmeter ergeben. 1Liter/Quadratmeter = 1mm Niederschlag.

 
Stau

Ansammlung von Luftmassen an einem orografischen Hindernis (Berg, Gebirge), an dem die Luft zum Aufsteigen gezwungen wird, wobei es zu Wolkenbildung und Niederschlag kommt. Bei geeigneter Wetterlage fallen auf der Anströmseite der Gebirge, der Stauseite, oftmals meherer Tage lang anhaltende, ergiebige Stauniederschläge. Die höchsten gemessenen Niederschlagsmengen sind meist staubedingt, so z.B. auf Hawaii, in Tscherrapundschi (am Südhang des Himalaya), am Kamerunberg, u.a. In Europa treten typische Stauniederschläge im Alpenbereich auf, ferner am deutschen Mittelgebirge oder in Norwegen (regenreiche Westküste, regenarmes Südnorwegen).

 
Staubteufel (Dust Devil)

Ein kleiner Luftwirbel ohne Verbindung zu einem Gewitter, der durch eine rotierende "Wolke" aus Staub oder Schmutz sichtbar wird. Staubteufel entstehen durch Aufheizung des Bodens während schönem, heißem Wetter. Dabei steigt eine überhitzte Warmluftblase vom Boden auf und beginnt dabei zu rotieren. Dabei bildet sich ein schmaler Wirbel, den man oft durch den transportierten Staub oder Sand erkennen kann. Dieser Wirbel ist aber meist nur wenige Meter breit und hoch und löst sich rasch wieder auf. Allerdings gibt es auch deutlich größere und langlebigere Exemplare, diese bezeichnet man als "Sandtromben". Staubteufel sind am häufigsten in trockenen oder halbtrockenen Regionen. Im Deutschen oft als "Staubteufel" oder "Sandhose" bezeichnet, eine nicht ganz korrekte Bezeichnung ist "Windhose".

 
Steuernder Wind (Steering Winds (or Steering Currents))

Auch steuernde Strömung. Eine vorherrschende synoptikskalige Strömung, die die Bewegung kleinerer, eingelagerter Systeme bestimmt.

 
Strahlstrom

Bezeichnung für die in etwa 10 km Höhe auftretenden Starkwindbänder, die Geschwindigkeiten bis 400km/h erreichen können. Auf jeder Erdhalbkugel treten zwei markante Strahlstromsysteme auf: 1. der Subtropenjet über dem subtropischen Hochdruckgürtel (verläuft in unserem Bereich etwa von den Kanarischen Inseln über Nordafrika zum Persischen Golf); 2. der Polarfrontjet in den gemäßigten Breiten, eng gekoppelt mit der "Polarfront", dem Grenzbereich subtropischer und polarer Luftmassen, mit meist höheren Windgeschwindigkeiten und ständig wechselnder Position (im Vergleich zum Subtropenjet). Der starke Wind entsteht durch den starken Temperaturgradienten in der Frontalzone. Die sich dabei ausbildenden Luftdruckunterschiede sind am ausgeprägtesten in der Übergangsschicht von der Troposphäre zur Stratosphäre (in der "Tropopause"), sodass hier auch die stärkste Windgeschwindigkeit auftritt. Position und Stärke des Jet-Streams kann aus den Höhenwetterkarten bzw. der sog. Tropopause-Max-Windkarte entnommen werden. Die Isotachenanalyse wird in der Regel ab 60 Knoten Wind vorgenommen. Isotachen sind Linien gleicher Windgeschwindigkeit. Die Existenz der Starkwindbänder wurde erst im 2.Weltkrieg entdeckt. Siehe auch Jetstream.

 
Stratiform

Mit ausgedehnter horizontaler Entwicklung, als Gegenstück zur stärker vertikalen Charakteristik der Konvektion. Stratiforme Wolken bedecken große Gebiete, zeigen aber relativ kleine vertikale Ausdehnung. Meist ist stratiformer Niederschlag verhältnismäßig kontinuierlich und von gleichmäßiger Stärke (Dauerregen im Gegensatz zu Schauern).

 
Stratocumulus

Niedrige Wolken, die relativ flach geschichtet sind, jedoch eigenständige Teile aufweisen. Diese Teile sind häufig in Reihen, Bändern oder Wellen angeordnet. Stratocumulus verraten oft wie tief die feuchte Luft in den unteren Schichten reicht, während die Zuggeschwindigkeit der Wolkenelemente die Stärke des Low-Level-Jet anzeigen kann. Allgemein ein Wolkenfeld aus größeren Wolkenballen und helleren Rändern um die Einzelwolken (grobe Schäfchenwolken); tritt häufig in Hochdruckgebieten auf.

 
Stratus

Eine niedrige, meist graue Wolkenschicht mit weitgehend einheitlicher Basis. Stratus kann in Form zerrissener Flicken auftreten, zeigt aber ansonsten keine eigenständigen Wolkenteile wie Cumulus- und Stratocumuluswolken. Nebel ist gewöhnlich eine bodenbasierte Form von Stratus, Hochnebel eine nicht am Boden aufliegende Stratusschicht.

 
Streifenbildungen (Striations)

Rillen oder "Kanäle" in Wolkenformationen, die parallel zur Strömung der Luft angeordnet sind und daher die Luftströmung relativ zur Mutterwolke aufzeigen. Streifenbildungen enthüllen häufig Rotation, wie etwa im "Barber Pole"- oder "Korkenzieher"-Effekt, der oft beim rotierenden Aufwind eines LP-Storm beobachtet werden kann.

 
Sturm

Wind, der bereits erhebliche Schäden anrichtet, mit Beaufort-Windstärke 9 = 21-24 m/s = 75-88 km/h = 41-47 Knoten Windgeschwindigkeit. Dachziegel werden abgehoben. "Stürmischer Wind" entspricht Windstärke 8 (62-74 km/h).

 
Subsidenz

Absinkbewegung in der Atmosphäre, üblicherweise über ein weites Gebiet.

 
Suction Vortex ( Suction Spot) - "Ansaugwirbel"

Ein kleiner, aber sehr intensiver Wirbel in einer Tornadorotation. In einem Multi-Vortex-Tornado treten typischerweise mehrere Suction Vortices auf. Viele der extremen Zerstörungen verheerender Tornados (F4 und F5 auf der Fujitaskala) werden Suction Vortices zugeschrieben.

 
Superzelle (Supercell)

Ein Gewitter mit einem beständig rotierenden Aufwind. Superzellen treten nur vereinzelt auf, sind aber für einen bemerkenswert hohen Prozentsatz von Unwetterereignissen, vor allem Tornados, extrem großen Hagel und zerstörerische, geradlinige Winde verantwortlich. Häufig ziehen Superzellen rechts der Hauptwindrichtung (d.h. sie sind Right-Mover). Radarmerkmale sind oft (aber nicht immer) ein Hook- oder Pendant-Echo, BWER, V-Notch, eine Mesozyklone und manchmal eine TVS. Optische Merkmale beinhalten eine regenfreie Basis (mit oder ohne Wallcloud), Tailcloud, Flanking-Line, Overshooting-Top und Back-Sheared Anvil, die normalerweise alle im, oder dicht am hinteren (bzw. südwestlichen) Teil des Gewitters beobachtet werden. Superzellen, die diese Charakteristika zeigen, werden häufig klassische Superzellen genannt, jedoch bezeichnen HP-Storm und LP-Storm ebenfalls Superzellenvarianten.

 
Synoptik

Teilgebiet der Meteorologie, das in einer großräumigen Zusammenschau (Synopsis) mit Hilfe zahlreicher Wetterkarten den Wetterzustand zu einem gegebenen Zeitpunkt untersucht (Wetteranalyse bzw. Wetterdiagnose). Dies ist die Grundlage für die Vorhersage der weiteren Wetterentwicklung (Wetterprognose).

 
Synoptikskalig (oder großskalig) (Synoptic Scale (or Large Scale))

Größenordnung von Wettersystemen mit horizontaler Ausdehnung von einigen hundert Kilometern oder mehr. Die meisten Hoch- und Tiefdruckgebiete auf Wetterkarten sind synoptikskalige Systeme.

T

Tagesgang (Diurnal)

Diurnal = Täglich; bezieht sich auf Aktionen die im Laufe eines Kalendertages abgeschlossen sind und sich typischerweise an jedem Kalendertag wiederholen, z.B. diurnaler Temperaturanstieg über Tag und diurnales Abkühlen in der Nacht (Tagesgang der Temperatur).

 
Tailcloud (Tail Cloud) - "Schwanzwolke"

Eine horizontale, "schwanzartige" Wolke (keine Funnelwolke) in niedrigen Schichten, die sich von der Hauptniederschlagsregion einer Superzelle zur Wallcloud erstreckt (d.h. ihre Ausdehnung wird üblicherweise von der Wallcloud in Richtung Nord oder Nordost beobachtet). Die Basis der Tailcloud ist identisch mit der der Wallcloud. Die Bewegung in der Tailcloud verläuft vom Niederschlag weg zur Wallcloud, wobei häufig nahe der Verbindungsstelle zur Wallcloud schnelle Aufwärtsbewegung beobachtet werden kann. Vergleiche auch den Biberschwanz, der eine Form eines Einströmungsbandes darstellt und normalerweise mit dem Hauptaufwindbereich des Gewitters verbunden ist (nicht mit der Wallcloud), außerdem ist seine Basis gleich der des Aufwindes (nicht der Wallcloud).

 
Taupunkt, bzw. Taupunkttemperatur (Dew Point (or Dew-point Temperature))

Ein Maß der Atmosphärenfeuchte. Die Temperatur, auf die die Luft abgekühlt werden muss, um [feuchtigkeits-] gesättigt zu werden (wenn Luftdruck und Feuchtegehalt als konstant angenommen werden).

 
Taupunktsdifferenz

(engl. "spread"). Die Taupunktsdifferenz ist die Differenz zwischen der herrschenden Lufttemperatur und dem Taupunkt. Ist der Spread groß, ist die Luft relativ trocken, ist er klein, ist die Luft relativ feucht; ist er Null, herrscht Sättigung (100% relative Feuchte). Kennt man die Taupunktsdifferenz eines konvektiv aufsteigenden Luftpaketes, läßt sich das Kondensationsniveau nach einer Faustformel berechnen: Höhe des Kondensationsniveaus = 122 mal Taupunktsdifferenz (in Metern).

 
Temperatur

In der Meteorologie der Wärmezustand der Luft, abhängig von Sonnenstand, Ortshöhe, Luftströmung und -feuchtigkeit sowie der Beschaffenheit der Erdoberfläche. Die mittlere Lufttemperatur über die gesamte Erdoberfläche beträgt etwa 15°C; als Extremwerte der Lufttemperatur in 2m Höhe über dem Erdboden wurden 58°C am 13.9.1922 bei Tripolis und -88°C am 24.8.1960 an der russischen Antarktis-Station Wostok gemessen. Siehe auch Lufttemperatur, Schattentemperatur, Wetterhütte.

 
Temperaturgradient

Der vertikaler Temperaturgradient gibt die Temperaturänderung pro 100m Höhenunterschied an. Von Art und Größe des vertikalen Temperaturgradienten, der Temperaturschichtung, hängt der Gleichgewichtszustand der Atmosphäre ab. Der Temperaturgradient ist somit das Kriterium für "Stabilität" oder "Labilität". Ein mit Wasserdampf ungesättigtes Luftpaket kühlt sich beim Aufsteigen um 1°C/100m ab = trockenadiabatischer Temperaturgradient. Beträgt die vertikale Temperaturabnahme in der Atmosphäre ebenfalls 1°C/100m, so herrscht eine "indifferente" Schichtung, d.h. das Luftpaket besitzt stets die Temperatur seiner Umgebung. Ist der vertikale Temperaturgradient der Luftmasse kleiner als 1°C/100m, besteht eine "trockenstabile" Schichtung: das vertikal bewegte Luftteilchen ist in höheren Luftschichten kälter (=schwerer), in tieferen Schichten wärmer (=leichter) als seine Umgebung und strebt daher zu seinem Ausgangspunkt zurück. Ein vertikaler Temperaturgradient der Atmosphäre von mehr als 1°C/100m wird als "trockenlabile" Schichtung bezeichnet: das gedachte Luftpaket ist beim Aufsteigen immer wärmer (=leichter), beim Absinken immer kälter (=schwerer) als seine Umgebung und entfernt sich zusehends von seiner Ausgangslage. Ein "überadiabatischer" Temperaturgradient, also von mehr als 1°C/100m, kommt in der Regel nur in Bodennähe an heißen Sommertagen vor und ist die Voraussetzung für die Ablösung einer "Thermikblase". Erreicht ein beim Aufsteigen sich abkühlendes, wasserdampfhältiges Luftpaket den Taupunkt, beginnt die Kondensation des Wasserdampfes einzusetzen. Die dabei freiwerdende Wärme, die Kondensationswärme, war latent im Wasserdampf von der Verdunstung her (für die Wärmeenergie benötigt wird) "versteckt" und wird daher als "latente" Wärme bezeichnet. Sie vermindert daher oberhalb des Kondensationsniveaus bei fortgesetzter Aufwärtsbewegung die weitere Abkühlung. Der "feuchtadiabatische" Temperaturgradient beträgt also im Mittel nur etwa 0,6°C/100m. Analog spricht man von einer feuchtindifferenten Schichtung einer Luftmasse, wenn deren Temperaturgradient den Feuchtadiabaten entspricht; von einer feuchtlabilen Schichtung bei einem größeren, von einer feuchtstabilen Schichtung bei einem kleineren Temperaturgradienten als es den Feuchtadiabaten entspricht. Feuchtlabilität tritt in der Atmosphäre häufiger auf als Trockenlabilität. Siehe Luftschichtung, Labilität.

 
Temperaturumkehr

Temperaturzunahme mit der Höhe; auf den Bergen ist es dann wärmer als in den Niederungen. Siehe Inversion.

 
Thermik

Bezeichnung für die konvektive Vertikalbewegung von Luftteilchen, die durch die starke Erwärmung des Bodens und der darüberliegenden Luftschichten infolge der Sonneneinstrahlung hervorgerufen wird. Voraussetzung für die Ausbildung der Thermik ist eine labile Temperaturschichtung der Luft: Ein infolge Überhitzung am Boden aufsteigendes Luftpaket ist in jeder Höhe wärmer und leichter (geringere Dichte) als die Umgebungsluft, so dass es ständig weiter zu steigen bestrebt ist. Steht genügend Luftfeuchtigkeit zur Verfügung, bilden sich thermische Bewölkung (Cumulus-Wolken) und in weiterer Folge auch Wärmegewitter aus. Die besten Bedingungen für die Entwicklung von thermischen Aufwinden sind an Strahlungstagen um die Mittagszeit und über Gebieten, deren Oberfläche sich sehr stark erwärmt (Sand, trockene Erde, Getreidefelder, Felsen, Häuser); die als Ausgleich erforderlichen Abwinde treten in der Nachbarschaft (Wiesen, Wälder, Gewässer) auf. Die überhitzte Luft löst sich in Form großer Warmluftblasen ("Thermikblasen") von 200 bis 500m Durchmesser vom Boden ab und steigt mit rund 3 bis 5m/s Geschwindigkeit auf, wobei sie sich ausdehnt und abkühlt. Diese Thermikblasen oder die bei der Wolkenbildung auftretenden Thermikschläuche werden von Segelfliegern ausgenutzt; ein Segelflugzeug kann, indem es enge Spiralen in der Aufwindzone ausführt, schnell an Höhe gewinnen. Im Inneren von Thermikwolken findet der Segelflieger meist noch stärkere Aufwinde (Wolken-Thermik), die aber nur bei Beherrschung des Blindfluges nutzbar sind.

 
Thermodynamische Karte (oder thermodynamisches Diagram) (Thermodynamic Chart)

Eine Karte, in der die Konturen von Druck, Temperatur, Feuchte und potentieller Temperatur relativ zueinander eingezeichnet sind, so dass die grundlegenden Gesetze der Thermodynamik erfüllt sind. Ein derartiges Diagramm wird typischerweise zum Erstellen von Soundings und zum Abschätzen potentieller Änderungen der Temperatur, Feuchte, etc. bei vertikaler Veränderung der Position eines Luftpaketes verwendet. Ein thermodynamisches Diagramm ist ein nützliches Werkzeug zur Diagnose atmosphärischer Labilität.

 
Thermodynamik (Thermodynamics)

Im Allgemeinen die Beziehungen zwischen Wärme und anderen Eigenschaften (wie Druck, Dichte, usw.). In Vorhersagebesprechungen ist mit Thermodynamik gewöhnlich die Verteilung von Temperatur und Feuchte (sowohl vertikal als auch horizontal) im Zusammenhang mit der Diagnose der atmosphärischen Labilität gemeint.

 
Theta-e (oder äquivalent-potentielle Temperatur)

Die Temperatur, die ein Luftpaket hätte, wenn

a) es bis zur Sättigung angehoben würde, dann
b) der gesamte Wasserdampf auskondensiert wäre, und
c) es adiabatisch (ohne Wärme- oder Massentransfer) auf ein Druckniveau von 1000 hPa zurückgeführt würde.

Theta-e, das normalerweise in Kelvin ausgedrückt wird, steht in direktem Zusammenhang mit der Wärmemenge in einem Luftpaket. Daher ist es zur Diagnose der atmosphärischen Labilität von Nutzen.

 
Theta-e-Rücken (Theta-e Ridge)

Eine Achse relativ hoher Theta-e-Werte. Unwetter und Starkniederschläge treten häufig nahe des oder direkt vor (in Strömungsrichtung) dem Theta-e-Rücken auf.

 
Tief

Unter einem Tiefdruckwirbel oder einer Zyklone ("Tief") versteht man ein Gebiet mit niedrigerem Luftdruck als in der Umgebung; in der Wetterkarte von (meist mehreren) Isobaren umschlossen. Verbunden mit einem ausgeprägtem Frontensystem: An der Vorderseite tritt die Warmfront mit einem ausgedehnten Niederschlagsgebiet (Landregen) auf; im "Warmsektor" folgt dann nach Durchzug der Warmfront eine Aufheiterung (oft mit lebhaftem Wind), an der Rückseite bringt die Kaltfront plötzliche Abkühlung mit böigen Winden (Drehung auf Nordwest) und heftigen Regenschauern, oft auch Gewittern. Zum Kern des Tiefs hin verkleinert sich der Warmsektor, so dass sich Warm- und Kaltfront zur Okklusion zusammenschließen. In Mitteleuropa liegt der Kerndruck der Bodentiefs i.a. bei 990-1000 hPa, in Orkantiefs bei 950-970 hPa. In tropischen Wirbelstürmen treten mit 880-890 hPa die tiefsten Luftdruckwerte auf der Erde auf. Auf der Nordhalbkugel werden die Zyklonen vom Wind im Gegenuhrzeigersinn (umgekehrt wie im Hoch) umweht, auf der Südhalbkugel ist die Umströmungsrichtung im Uhrzeigersinn. Im Bereich eines Tiefs ist aufsteigende Luftbewegung vorhanden, die mit Abkühlung, vielfach bis unter den Taupunkt des mitgeführten Wasserdampfes, d.h. Wolkenbildung verbunden ist. Daher überwiegt im Bereich eines Tiefs wolkiges Wetter, häufig mit Regen und anderen Niederschlägen.

 
Tornado

Sind die heftigsten Wirbelwinde auf unserem Planeten. Eine heftig rotierende Luftsäule mit Bodenkontakt und Verbindung zur Basis eines Gewitters [oder einer anderen konvektiven Wolke]. Werden im Mitteleuropa auch als "Großtrombe" bezeichnet, oder fälschlicherweise als "Windhose" (Verwechslungsgefahr mit Sandhosen bzw. "Dustdevils").

Tornados entstehen zumeist aus Superzellen, dort vorwiegend aus der Wallcloud. Das erste Anzeichen eines Tornados ist die rasche Rotation der Wolkenunterseite, in weiterer Folge wächst ein Art "Rüssel" aus der Wolke (Funnelcloud), welcher immer länger wird und bei Bodenkontakt (auch wenn es nur Sekunden sind), als Tornado gilt.

Dabei kann die Form des Tornados sehr variieren:

  • möglich ist ein einzelner, dünner Tornadoschlauch
  • ein Tornado, der mehr breit als hoch zu sein scheint (der sog. "Keil")
  • mehrere Tornados die umeinander rotieren (der "Mehrfachwirbeltornado")
  • Tornados in einer Linie, bzw. mehrere Tornados aus einem Gewitter, die aber nicht unmittelbar nebeneinander, sondern zuweilen in mehreren Kilometern Abstand toben
  • ein Tornado, der nicht vollständig auskondensiert ist (d.h. ist nicht als Rüssel sichtbar, sondern oft nur als Wirbel am Boden bzw. an der Wolkenunterseite), nach letzten Erkenntnissen sehen besonders schwache Tornados häufig so aus, weshalb ein eventueller Bodenkontakt oft nur schwer zu erkennen ist.

Es ist also nicht notwendig, dass ein Kondensationstrichter durchgehend bis zum Boden reicht, damit ein Tornado vorliegt, eine Schmutz-/Trümmerwolke unterhalb eines Gewitters ist ausreichend, das Vorhandensein eines Tornados zu bestätigen - auch wenn keinerlei Kondensationstrichter sichtbar ist.

Durch den tiefen Druck im Inneren des Tornados (Druckausgleich mit der Luft an der Erdoberfläche) werden Gegenstände hochgehoben und können Gebäude regelrecht "explodieren" (dieses Faktum bewirkt oft zusätzlich zu den enormen Windgeschwindigkeiten Tornado-typische Schäden).

Die Breite des Tornados muss nicht direkt proportional zu der vorhandenen Windgeschwindigkeit bzw. Stärke sein, allerdings sind zumeist die breitesten Tornados (bis zu mehreren Kilometern sind möglich) die zerstörerischten.

Tornados, die nicht aus Superzellen entstehen, kann man in drei Gruppen einteilen:

  • "Böenfront- oder Arcus - Tornados"; entstehen aus kräftigen Arcus-Wolken oftmals durch eine lokale Verwirbelung bei Eintreffen des Abwindes (häufigste Tornado-Unterart)
  • sog. "landspouts"; das sind Tornados die aus kräftigen Quellwolken oder non-supercells entstehen - sind oft "nur" intensive Funnelclouds, die kurzzeitig Bodenkontakt haben; meistens durch kleinräumige, bodennahe Wirbel entstehend, die zwar mit der darüber befindlichen Wolke in Interaktion treten, allerdings nicht die Kriterien für eine Mesozyklone erfüllen (wenn keine Rotation bis zur Wolken, dann nur Gustnado!)
  • der "cold-air-funnel"; bezeichnet Funnelclouds oder in weiterer Folge Tornados, die aus nicht konvektiven Wolken entstehen (also etwa Nimbostratus = "normale" Dauerregen-wolke) - (extrem selten bzw. Existenz umstritten)

Die Lebensdauer von Tornados beträgt in der Regel nur wenige Minuten, dabei ziehen die Tromben meistens nur einige, wenige Kilometer weit.

Jedoch entstehen zuweilen sehr heftige und langlebige Tornados (ab F3 (Fujita-Skala) aufwärts), die dann bis zu mehreren Stunden und hunderte Kilometer Bodenkontakt haben können (werden manchmal als "Super-Tornados" bezeichnet).

Wissenswertes über Tornados in den Tornado-Statistiken, sowie auf der TorDACH Seite für Österreich von Alois Holzer: www.tornados.at sowie www.tordach.org!

 
Tornadofamilie (Tornado Family)

Eine Serie von Tornados die durch eine einzige Superzelle hervorgebracht wurden, mit der Folge von Schadensspursegmenten entlang derselben Hauptzugrichtung.

 
Total-Totals-Index

Ein Stabilitätsindex und Hilfsmittel zur Unwettervorhersage. Entspricht der 850-hPa-Temperatur plus dem 850-hPa-Taupunkt, minus zweimal der 500-hPa-Temperatur [T850 + Tp850 - 2 T500]. Der Totals-Totals-Index ist die arithmetische Summe zweier anderer Indizes: Des Vertical-Totals-Index (T850 - T500) und des Cross-Totals-Index (Tp850 - T500). Wie bei allen Stabilitätsindizes gibt es keine "magischen" Schwellwerte, aber im Allgemeinen werden Werte kleiner 50 bzw. größer 55 als schwache bzw. starke Indikatoren für potentielle Unwetterentwicklung angesehen.

 
Towering Cumulus

Siehe: Cumulus Congestus

 
Treibhauseffekt

Das Zustandekommen relativ hoher Temperaturen in Räumen, die mit Glas gedeckt und von der Sonne bestrahlt sind. Die kurzwellige Sonnenstrahlung durchdringt das Glas mit geringem Verlust, wird am Boden absorbiert und in Wärme verwandelt. Für die langwellige Wärmestrahlung ist Glas jedoch praktisch undurchlässig, sie erwärmt den Raum. Ein Treibhauseffekt ist auch auf der Erdoberfläche zu beobachten, wobei die wasserdampfhältigen Luftschichten die Funktion des Glases übernehmen; ohne sie würde auf der Erde eine mittlere Temperatur von -18°C statt +15°C herrschen. Die kurzwellige Wärmestrahlung der Sonne durchdringt größtenteils die Atmosphäre ungehindert und erwärmt die Erdoberfläche. Die von der Erdoberfläche ausgehende langwellige Wärmestrahlung hingegen wird weitgehend vom Wasserdampf der Atmosphäre absorbiert. Diese Wasserdampfschicht sendet wiederum selbst Wärmestrahlung teils nach oben in den Weltraum, teils erreicht sie als "Gegenstrahlung" die Erdoberfläche und trägt so zu deren zusätzlichen Erwärmung bei.

 
Trichterwolke

(engl.: funnel cloud, tuba, tornado cloud). Bezeichnung für den rüsselartigen Wolkenschlauch, der sich von der Gewitterwolke eines Tornados oder einer Trombe in Richtung Erdboden erstreckt und mit Wassertröpfchen und aufgewirbelten Staub gefüllt ist. Siehe Tornado.

 
Triple Point

Der Kreuzungspunkt zweier [Luftmassen-] Grenzen (Dry Line, Outflow-Grenze, Kaltfront, etc.) oft ein Schwerpunkt für Gewitterentwicklung. "Triple Point" kann auch einen Punkt an der Böenfront einer Superzelle meinen, wo warm/feuchte Einströmung (Inflow), die regengekühlte Ausströmung (Outflow) des vorderseitigen Abwindes (FFD) und der rückseitige Abwind (RFD) zusammentreffen; dies ist ein bevorzugter Ort für Tornadobildung (bzw. -erneuerung).

 
Trockenadiabate (Dry Adiabat)

Eine Linie konstanter potentieller Temperatur in einem thermodynamischen Diagramm.

 
Trockener Microburst (Dry Microburst)

Ein Microburst mit wenig oder ohne Niederschlag, der den Boden erreicht; am häufigsten in halbtrockenen (semiariden) Regionen. Kann gewitterbedingt sein. Trockene Mikrobursts können in einem Schönwettergebiet entstehen. Sichtbare Zeichen können eine Cumuluswolke oder ein kleiner Cb mit einer hohen Basis und hochliegender Virga sein, oder vielleicht nur ein verwaister Amboss eines Dry Line-Regenschauers. Am Boden kann das einzig sichtbare Zeichen eine Staubfahne oder ein Ring aus verwehtem Staub unter dem lokalen Bereich einer Virga sein. Vergl. Nasser Microburst (Wet Microburst).

 
Trog (Trough)

Als Troglage bezeichnet man ein Gebiet mit tiefem Luftdruck im Bereich der Rückseite eines kräftigen, bereits zu altern beginnenden Tiefs. Der aus hochreichender Kaltluft bestehende Trog ist an der starken zyklonalen Krümmung der Isobaren (Bodenwetterkarte) bzw. Isohypsen (Höhenwetterkarte) erkennbar. Er folgt der Kaltfront in einem bestimmten Abstand, wobei oft der Trog die Kaltfront an Wetterwirksamkeit übertrifft bzw. massive Kaltluft im nachfolgenden Trog die Kaltfront abschwächt. Tröge zeichnen sich durch lebhafte Schauertätigkeit und starke bis stürmische Bodenwinde aus, die an der tiefsten Stelle des Troges, der Trogachse oder Troglinie, am kräftigsten ausgeprägt sind. Im Satellitenbild ist die Anordnung der Wolken unregelmäßig (im Gegensatz zum markanten Wolkenband der Kaltfront). Oft wird der südliche Teil eines Höhentroges durch Warmluftvorstöße von beiden Seiten abgeschnürt, wodurch ein Kaltlufttropfen entsteht. Siehe auch Cut-off-Zyklone. Allgemein ein langgezogenes Gebiet relativ niedrigen Luftdruckes, üblicherweise nicht in einer geschlossenen Zirkulation und damit zur Unterscheidung von einem abgeschlossenen Tief verwendet.

 
Tropentag

Das Maximum der Lufttemperatur liegt über 30°C, das Minimum meist nicht unter 20°C.

 
Tropopause

Die Obergrenze der Troposphäre, gewöhnlich gekennzeichnet durch eine abrupte Änderung der Temperaturkurve im Sounding (Lapse Rate) von positiv (mit zunehmender Höhe fallende Temperatur) auf neutral oder negativ (mit zunehmender Höhe steigende Temperatur). Grenzschicht zwischen Troposphäre und Stratosphäre; über Mitteleuropa in 10-12km Höhe, am Pol 8-9km, am Äquator in 16-18km Höhe. Alle Wettererscheinungen mit ihren zum Teil sehr lebhaften Vertikalbewegungen treten unterhalb der Tropopause auf; Verkehrsluftfahrt daher oberhalb der Tropopause günstig (Überschallflugzeuge).

 
Troposphäre (Troposphere)

Die Atmosphärenschicht zwischen der Erdoberfläche und der Tropopause, charakterisiert durch abnehmende Temperatur mit zunehmender Höhe (von wenigen Ausnahmen abgesehen: s. Inversion, Deckel), vertikale Luftbewegung, nennenswerten Wasserdampfgehalt und wahrnehmbares Wetter (Wolken, Regen, usw.). Unterstes Stockwerk der Atmosphäre, in dem sich praktisch das gesamte sichtbare Wettergeschehen abspielt; reicht über Mitteleuropa bis ca. 12 km Höhe. Unterteilung: Grundschicht vom Boden bis 1km Höhe, Konvektionsschicht von 1-8km und die Tropopauseschicht von 8-12km Höhe.

 
Trümmer- oder Schmutzwolke (Debris Cloud) - (Auch: Tornadofuß)

Eine rotierende "Wolke" aus Staub oder Trümmern, nahe am oder auf dem Boden. Erscheint oft unter einem Kondensationstrichter und umgibt die Basis eines Tornados. Beachte, dass das Erscheinen einer Trümmerwolke unter einem Gewitter das Vorhandensein eines Tornados bestätigt - auch wenn kein Kondensationstrichter sichtbar ist.

 
Turbulenz

Ungeordnete Strömungsbewegung, auf- und absteigende Luftströme mit Wirbelcharakter; sorgen für senkrechte Durchmischung (Austauschvorgänge) in der Atmosphäre. Gegensatz: laminare, von Schwankungen freie, glatte Strömung. Gefährliche Erscheinung für die Luftfahrt. Turbulenz wird hauptsächlich verursacht durch die Reibung der Luft an der Erdobefläche (dynamische Turbulenz) und die ungleichmäßige Erwärmung der Erdobefläche (thermische Turbulenz oder Konvektion). Die dynamische Turbulenz, deren Intensität vor allem von der Windgeschwindigkeit, der Rauheit der Erdoberfläche und der Stabilität der Luftmasse abhängt, erstreckt sich über ebenem Land bis rund 1500m Höhe. Über Gebirgen wirkt sich Turbulenz besonders stark aus; es treten hier vor allem an der Leeseite des Kammes Wirbel (Rotoren) und Leewellen auf, die eine Gefahr für Flugzeuge darstellen. Die thermische Turbulenz, die hauptsächlich von den Untergrundverhältnissen, der Feuchtigkeit und Stabilität der Luftmasse sowie der Windgeschwindigkeit abhängt, reicht bis in große Höhen. Ist die Luft hinreichend trocken und stabil geschichtet oder der Untergrund feuchtigkeitsarm (z.B. Steppen, Wüsten), entwickelt sich eine schwache oder mäßige Turbulenz ohne Wolkenbildung, die sich bis in 2000 bis 2500m Höhe erstreckt ("Blauthermik"). In feuchten und labil geschichteten Luftmassen ist die Turbulenz dagegen gewöhnlich mit der Bildung hochreichender Quellwolken (Cumulonimbus-Wolken) verbunden, in denen kräftige Auf- und Abwinde herrschen. Außerhalb von Quellwolken tritt zeitweise im Bereich von Strahlströmen in der oberen Troposphäre die sogenannte "Clear-Air Turbulenz" (CAT) auf.

 
Turkey Tower

Ein schmaler, einzelner Wolkenturm der schnell aufschießt und wieder auseinanderfällt. Die plötzliche Entwicklung von "Turkey Towers" aus kleinen Cumuluswolken kann das "Aufbrechen" eines Deckels anzeigen.

 
Turm (Tower)

Wird auch für Cumulus congestus (towering cumulus) verwendet. Ein Wolkenelement mit deutlicher vertikaler Ausdehnung.

U

Überentwicklung

Cumulus-Wolken führen im Reifestadium ihrer Entwicklung oftmals zu großflächigen Abschirmungen und hemmen dadurch beim Segelfliegen die Thermik. Das Ausmaß der Überentwicklung ist abhängig von der Temperaturschichtung oberhalb des Kondensationsniveaus (hochreichende Labilität und auch ausreichende Feuchte). In weiterer Folge hemmen Schauer und Gewittertätigkeit durch Niederschlag und Abkühlung des Bodens die Thermikentwicklung.

 
Updraft

Siehe: Aufwind

 
Updraft Base

Siehe: Aufwindbasis

V

Veering Winds

Siehe: Rechtsdrehender Wind

 
Vertikal gestocktes System (Vertically-stacked System)

Ein Tiefdrucksystem, gewöhnlich ein abgeschlossenes Tief oder ein abgeschnürtes Tief, das nicht mit zunehmender Höhe geneigt ist; d.h. es hat über alle atmosphärischen Schichten hinweg eine ähnliche Position. Solche Systeme schwächen sich typischerweise ab und bewegen sich nur langsam fort. Sie produzieren weniger häufig Unwetter als geneigte Systeme, jedoch können Kaltlufttropfen in Verbindung mit vertikal gestockten Systemen die Labilität ausreichend erhöhen, um Unwetter hervorzubringen.

 
Verwaister Amboss (Orphan Anvil)

Ein Amboss eines "verbrauchten" Gewitters, unter dem keine anderen Wolken mehr übrig sind.

 
Virga

Niederschlagsstreifen oder "-büschel" die aus einer Wolke fallen, aber verdunsten, bevor sie den Boden erreichen. In bestimmten Fällen können Virga einem Microburst vorangehen; siehe trockener Microburst.

 
V Notch

Eine Signatur der Radarreflektivität, die als V-förmige Einkerbung im Abwindbereich eines Gewitterechos sichtbar ist. Bei Superzellen ist häufig ein V-Notch erkennbar und wird als Anzeichen für eine divergierende Strömung um den Hauptgewitteraufwind (und damit einen sehr starken Aufwind) angesehen. Dieser Ausdruck sollte nicht mit Inflow Notch oder mit Enhanced V verwechselt werden, obwohl angenommen wird, dass letzteres durch einen ähnlichen Prozess entsteht. Die extremsten Wetterphänomene solcher Gewitter sind an der Spitze des V's zu finden. Solche Gewitter bewegen sich kaum, "wandern" manchmal sogar rückwärts und erzeugen dadurch oftmals Überschwemmungen. Dies wird bedingt durch neue Zellen, die von der Böenfront hinter dem Gewitter erzeugt werden und dieses sich somit rückwärts verlagert. Solche Gewitter sind häufig Superzellen.

 
Vorderseitiger Abwind (Forward Flank Downdraft)

Die Hauptregion des Abwindes auf der Vorderseite einer Superzelle mit dem heftigsten Niederschlag. Vergl. Rückseitiger Abwind (Rear Flank Downdraft), s. Pseudowarmfront.

 
Vorticity

Etwa: Wirbelhaftigkeit. Ein Maß der lokalen Rotation in einer Fluidströmung. In der Wetteranalyse und -vorhersage, bezieht es sich gewöhnlich auf die vertikale Komponente der Rotation (d.h. Rotation um eine vertikale Achse) und wird am häufigsten in Bezug auf synoptikskalige oder mesoskalige Wettersysteme verwendet. Durch Konvention festgelegt, stehen positive Werte für zyklonale Rotation. Bezeichnet somit die Windrichtungs- und Geschwindigkeitsänderung mit der Höhe, die, je extremer sie ist, umso heftigere Gewitter und Superzellen auslösen kann (so kommt es zu Rotation, oder zumindest einer Verfrachtung des Aufwärtsstromes, wodurch dieser geneigt wird und Auf- bzw. Abwind weiter auseinander liegen - das Gewitter zerstört sich nicht mehr selbst, indem der Regen ins Aufwindfeld hinabfällt und die Feuchtigkeitszufuhr für die Zelle unterbindet.)

W

Wallcloud (Wall Cloud) – Wolkenmauer

Eine klar umrissene, beständige, oft abrupt auftretende Absenkung von einer regenfreien Basis. Wallclouds können zwischen einigen hundert Metern und  nahezu 8 km Durchmesser haben und finden sich normalerweise auf der Süd- oder Südwestseite des Gewitters (Einströmungsseite). Aus einigen Kilometern Entfernung gesehen, zeigen viele Wallclouds schnelle Aufwärtsbewegungen und zyklonale Rotation. Jedoch nicht alle rotieren. Rotierende Wallclouds entwickeln sich gewöhnlich wenige Minuten bis zu annähernd einer Stunde vor starken oder verheerenden Tornados. Wallclouds sollten optisch überwacht werden, um Anzeichen anhaltender, beständiger Rotation und/oder schneller Vertikalbewegungen zu erkennen. Der Begriff wird gelegentlich auch in der tropischen Meteorologie verwendet, um die innere Wolkenmauer, die das Auge eines tropischen Wirbelsturmes umgibt, zu beschreiben - aber der passendere Begriff dafür ist "Eyewall". Auf keinen Fall mit der Shelf Cloud verwechseln!

 
Warmfront

Die schwach geneigte Grenzfläche, auf der an der Vorderseite eines Tiefs Warmluft auf die sich zurückziehende Kaltluft aufgleitet. Daher bildet sich vor der Warmfront ein mehrere hundert Kilometer breiter Wolkenschirm (Cirrostratus, Altostratus, Nimbostratus) aus dem langanhaltende Niederschläge (Landregen) fallen. Im nördl. Alpenvorland werden Aufgleitniederschläge oft durch Föhneinfluß unterdrückt. Der Warmfront folgt ein mehr oder minder ausgeprägter Sektor mit Warmluft und Aufheiterung ("Warmsektor"), bevor die zum Tiefdrucksystem gehörende Kaltfront zum Wettersturz (Kaltlufteinbruch) führt.

 
Warmluftadvektion, WLA (Warm Advection)

Transport von warmer Luft durch horizontale Winde in ein Gebiet. Warmluftadvektion in niederen Schichten (bodennah) wird (fälschlich) manchmal als Aufgleiten (Overrunning) bezeichnet. Obwohl der Austausch der beiden Begriffe nicht korrekt ist, deuten beide auf Hebung in den unteren Schichten hin.

 
Warmsektor

Bereich zwischen Warmfront und Kaltfront einer "jungen Zyklone" (im sog. ausgeprägten Wellenstadium). Nach Durchgang der Warmfront hört der Niederschlag auf, und die Wolkendecke reißt auf. Der Luftdruck bleibt niedrig, die Temperatur steigt, bei Südwest- bis Westwind macht sich eine deutlich wärmere Luftmasse bemerkbar. Die Bewölkung im Warmsektor ist meist gering, allerdings treten im Winter oft niedrige Schichtwolken mit Nieselregen oder Nebel auf. Im Sommer hingegen können im Warmsektor Wolkenbänder von kleinerer Ausdehnung auftreten, in denen sich im Tagesgang extrem hochreichende Gewitterzellen ausbilden, die häufig mit schwerem Hagel und starken Böenlinien verbunden sind.

 
Wärmegewitter

Meist ein örtlich begrenztes Gewitter, das infolge Konvektion dort entsteht, wo die Vertikalbewegungen der Luft besonders stark werden (durch Aufheizung der Erdoberfläche).

 
Wasserdampf

Er ist unsichtbar. Der Wasserdampfgehalt der Luft schwankt mit der Temperatur: bei 10°C können 30 Gramm, bei -30°C nur 0,4 Gramm Wasserdampf pro Kubikmeter vorhanden sein. Der Wasserdampfgehalt spielt in der Atmosphäre eine entscheidende Rolle, da Luft nur einen bestimmten Maximalbetrag Wasser in gasförmiger Phase enthalten kann. Jede Wasserdampfmenge, die den "Sättigungswert" überschreitet, kondensiert mehr oder weniger schnell zu flüssigem Wasser als Wolke oder Nebel bzw. bildet kleine Eiskristalle. Je größer die Übersättigung wird, um so mehr wird als Niederschlag ausgeschieden. Im Jahresdurchschnitt beträgt der Wasserdampfgehalt der Luft etwa 7 Gramm pro Kubikmeter.

 
Wasserhose (Waterspout)

Allgemein ein Tornado über Wasser. Speziell ist damit normalerweise eine kleine, relativ schwache rotierende Luftsäule über Wasser, unter einer Cb oder Cumulus congestus mit Kontakt zur Wasseroberfläche gemeint. Wasserhosen sind über tropischen oder subtropischen Gewässern am verbreitetsten. Die exakte Definition der Wasserhose ist umstritten. In den meisten Fällen ist der Ausdruck kleinen Wirbeln über Wasser, die nicht mit einer gewitterskaligen Rotation in Zusammenhang stehen (Bildung aus kräftigen Quellwolken, nicht aus Superzellen), vorbehalten (d.h. sie sind das wasserbasierte Äquivalent zu Landspouts). Solche Erscheinungen weisen keine besonders hohen Windgeschwindigkeiten auf, meist unter 120 km/h, es können jedoch auch Wasserhosen bis zur Stärke F3 auftreten. Aber es gibt ausreichend Rechtfertigungen, eigentlich jede rotierende Luftsäule eine Wasserhose zu nennen, wenn sie Kontakt mit einer Wasseroberfläche hat. [Allerdings sind auch über dem Wasser mesozyklonale Tornados möglich.]

 
Wasserwolken

Wolken, die nur aus Wassertröpfchen bestehen (meist Stratus- und Cumuluswolken), im Gegensatz zu den Eiswolken höherer Luftschichten (Cirren). Bis zu einer Temperatur von -15°C sind Wolken gewöhnlich reine Wasserwolken; bei tieferen Temperaturen gehen sie in sog. Mischwolken (Tröpfchen und Eiskristalle) über.

 
Wedge (oder Wedge Tornado) – „Keil“

Ein großer Tornado mit einem Kondensationstrichter, der am Boden mindestens eine Breite hat, die seiner Höhe vom Boden zur Wolkenbasis entspricht. Der Ausdruck "Wedge" wird oft etwas leichtfertig verwendet, um irgendeinen großen Tornado zu beschreiben. Trotzdem ist nicht jeder große Tornado ein Wedge. Ein echter Wedge-Tornado, dessen Trichter mindestens so breit wie hoch ist, ist sehr selten. Häufig treten Wedges als verheerende Tornados (F4 or F5 auf der Fujita Skala) auf, aber viele dokumentierte Fälle wurden niedriger eingestuft und verheerende Tornados können auch andere Erscheinungsformen. Ob ein Tornado "Wedge"-Status erreicht oder nicht, hängt von verschiedenen anderen Faktoren als der Stärke ab - speziell der Höhe der umgebenden Wolkenbasis und der Verfügbarkeit von Feuchte unter der Wolkenbasis. Daher sollten Spotter nicht Windgeschwindigkeiten oder F-Skala-Wertungen nur auf Grund der optischen Erscheinung abschätzen. Trotzdem ist es im allgemeinen sicher anzunehmen, dass die meisten (wenn nicht alle) Wedges das Potential für starke (F2/F3) oder verheerende (F4/F5) Zerstörungen haben.

 
WER - Weak Echo Region

Radarausdruck für eine Region mit relativ schwacher Reflektivität in unteren Schichten, sichtbar auf der Zustromseite eines Gewitterechos, unmittelbar oberhalb derer eine stärkere Reflektivität in Form eines Overhang besteht. WER ist ein Zeichen eines starken Aufwindes auf der Einströmungsseite des Gewitters, durch den der Niederschlag oben gehalten wird. Wenn sich der Bereich niedriger Reflektivität nach oben in den höherer Reflektivität ausdehnt und von dieser umgeben wird, wird es ein BWER.

 
Wet Microburst

Siehe: Nasser Microburst

 
Wetterballon

Siehe: Radiosonde

 
Wetterkarte

Die mehrmals täglich gezeichneten Boden- und Höhenwetterkarten bilden die wichtigsten Unterlagen für die Wettervorhersage. Die analysierten Karten zeigen den dreidimensionalen Aufbau der Wirbel und Wellen der Atmosphäre, der Fronten und übrigen Schlechtwettergebiete mit ihren zeitlichen Änderungen (Verstärkung, Auflösung).

 
Wetterlage

Räumliche Zusammenfassung des Wetters. Dreidimensionale Erklärung und Beschreibung der Lage der Tiefdruck- und Hochdruckgebiete, der Luftmassen und Fronten sowie sonstiger meist komplexer synoptischer Strukturen. Diese Analyse des augenblicklichen Wetterzustandes ist Ausgangspunkt für die Wettervorhersage. Die Gesamtheit der Wetterereignisse für ein größeres Gebiet zu einem bestimmten Zeitpunkt geben die Wetterkarten (Boden- und Höhenwetterkarten) wieder. In Abhängigkeit von der atmosphärischen Zirkulation und der Land-Meer-Verteilung kommt es zur Ausbildung typischer Wetterlagen, die auf statistischer Basis klassifiziert werden (Wetterlagenklassifikation). In Mitteleuropa treten häufig auf: Westwetterlage (ostwärts wandernde Tiefdruckgebiete), Islandtief, Azorenhoch, Tief bzw. Hoch über den Britischen Inseln, usw.

 
Wetterradar

Die Verwendung von Radar zur Ortung von Wolken und Niederschlag sowie von Radiosonden im Höhenwetterdienst. Das Radar ("radio detection and ranging") hat sich in der Meteorologie zur Erfassung und Kurzfristvorhersage von Niederschlagsgebieten ausgezeichnet bewährt. Es beruht auf dem Prinzip, dass ein vom Gerät ausgesandter elektromagnetischer Impuls von den fallenden Niederschlagsteilchen, d.h. von Regentropfen, Schneeflocken, Graupel- oder Hagelkörnern zurückgestreut wird und somit ein Teil der abgestrahlten Energie vom Empfangsteil des Radars wieder aufgenommen und gemessen wird. Die Theorie zeigt, dass die Echointensität mit der Niederschlagsintensität und der Entfernung der Niederschlagsgebiete in der sog. Radargleichung verknüpft ist. Da sich die Entfernung aus der ( halben ) Laufzeit der Impulse zwischen Aussendung und Empfang ergibt und die Echointensität vom Gerät gemessen wird, läßt sich somit die Niederschlagsintensität mit der Radargleichung abschätzen. Außerdem kann die Zugbahn der Regengebiete und Schauerzellen auf dem Radarschirm laufend verfolgt und aus ihr die weitere Verlagerungsrichtung und Verlagerungsgeschwindigkeit bestimmt und für Kurzfristprognosen verwendet werden.

 
Wettersatelliten

Für meteorologische Beobachtungen instrumentierte Erdsatelliten in polarer und äquatorialer Umlaufbahn; sie dienen der Erforschung meteorologischer Erscheinungen in der Atmosphäre durch Wolkenaufnahmen und Strahlungsmessungen sowie der Verfolgung des Wettergeschehens; vor allem Hilfsmittel zur frühzeitigen Erkennung von tropischen Wirbelstürmen. Sie liefern mit speziellen Bordkameras (Scanning Radiometer) primär Wolkenaufnahmen, die durch ein automatisches Bildübertragungssystem (APT-System: Automatic Picture Transmission) praktisch ohne zeitliche Verzögerung von geeignet ausgerüsteten Bodenstationen empfangen werden können. Auch während der Nacht läßt sich die Bewölkung durch Messung der Infrarotstrahlung der Wolkenoberflächen beobachten. Die gemessene Strahlungsemission kann in Temperaturwerte umgerechnet werden, aus denen sich die Höhe der verschiedenen Wolkenschichten ableiten läßt. Aus Sequenzen halbstündiger Bilder von geostationären Satelliten lassen sich auch aus der Wolkenverlagerung Informationen über das globale Windfeld gewinnen. Aus Strahlungsmessungen in verschiedenen Wellenlängenbereichen, z.B. Absorptionsmessungen im Bereich der Kohlendioxyd- und Ozon-Bande kann die Temperatur in verschiedenen Höhen der Atmosphäre berechnet werden. Strahlungsmessungen geben auch über die Feuchtigkeit (Wasserdampfverteilung) in der (oberen) Atmosphäre Aufschluß. Die Temperatur des Erdbodens und der Meeresoberfläche kann durch die im Infrarot und Mikrowellenbereich gemessene Strahlung bestimmt werden. Der erste Wettersatellit war der am 1. April 1960 auf eine Polumlaufbahn gestartete amerikanische Satellit TIROS. Der erste Satellit mit APT-System wurde 1966 gestartet (ESSA). Seit 1970 umkreisen die Satelliten vom Typ ITOS bzw. NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) die Erde auf polarer Umlaufbahn. 1974 wurde der erste amerikanische geostationäre Satellit ( SMS, später GOES) auf eine Umlaufbahn gebracht, 1977 folgte der erste europäische Satellit (METEOSAT). Siehe Meteosat.

 
Wettersatellitenbilder

Die Wettersatellitenbilder stammen meist vom europäischen Wettersatelliten Meteosat (EUMETSAT) der die Erde aus einer geostationären Umlaufbahn in rund 36000 km Höhe in verschiedenen Spektralbereichen abtastet. Sie eignen sich hervorragend für die Diagnose und Analyse des Wetterzustandes, weil sie einen globalen, aus dem Weltraum gerichteten Überblick über Schlechtwetterzonen und Schönwettergebiete erlauben. Das Infrarotbild liefert Informationen über die Temperatur der Erdoberfläche und der Obergrenze der Wolken. Jedem Temperaturbereich ist ein bestimmter Grauwert zugeordnet. Die Skala reicht von schwarz über dunkel-, mittel- und hellgrau bis weiß. Schwarz erscheinen Bereiche, die hohe Temperaturen aufweisen, wie zum Beispiel tagsüber die Wüstengebiete Nordafrikas. Weniger warme Land- oder Wasserflächen erscheinen im Bild dunkelgrau. Schnee und Eisflächen im Temperaturintervall zwischen 0 und -15°C werden mittel- bis hellgrau wiedergegeben. Die Wolken liegen in Abhängigkeit ihrer Oberflächentemperatur im Grauwertbereich von dunkelgrau bis hellweiß. Tiefe und somit warme Wolken (Nebel, Stratus) erscheinen im Bild dunkelgrau, mittelhohe Altocumulus- und Altostratusfelder werden je nach Jahreszeit mittel- bis hellgrau dargestellt und hohe Wolken sind als weiße Flächen zu identifizieren. Regen- und Gewitterwolken sind meistens hochreichende und kalte Wolken, sodass sie im Wettersatellitenbild weiß erscheinen. Außerdem sind Gewitterwolken an ihrer kreisrunden oder ovalen Form leicht zu erkennen; sie treten oft isoliert auf. Lange Wolkenbänder mit mehr oder weniger stark ausgeprägter Krümmung sind Schlechtwetterfronten. Im Mischungsbereich verschieden temperierter Luftmassen bilden sich hochreichende Wolken aus, die sich bandförmig organisieren. Werden in bodennahen Schichten warme Luftmassen durch kalte ersetzt, so bezeichnet man das hellgraue bis weiße Wolkenband als Kaltfront. Kreisrunde oder ovale Flecken deuten auf eine wetteraktive Schlechtwetterzone mit Gewittern oder starken Regenschauern hin. Im umgekehrten Fall, wenn eine kalte Luftmasse durch eine warme ersetzt wird, spricht man von einer Warmfront. Diese erscheint im Satellitenbild als kurzes, breites und kaum strukturiertes Wolkenband in hellgrau oder weiß. Bei geschlossener Bewölkung kommt es zu lang anhaltenden Niederschlägen, zu Dauerregen in der warmen und zu ergiebigen Schneefällen in der kalten Jahreszeit. Die Okklusion ist ein stark gekrümmtes mittel- bis hellgraues Wolkenband mit Regen oder Regenschauern, bzw. Schneefall oder Schneeschauern. Treten auch hellgraue bis weiße Flecken innerhalb des Wolkenbandes auf, so sind sie ein Hinweis auf gewittrige Schauer. Von den nichtbandförmigen Wolkenstrukturen sind noch weiße, meist linienförmig angeordnete, kreisrunde Wolkenzellen erwähnenswert, die zwischen Warm- und Kaltfront liegen und häufig Hagelunwetter darstellen. Die in einem hochreichenden Kaltluftkörper (Höhentief) auftretenden Gewitterzellen werden je nach Jahreszeit meistens mittel- und hellgrau dargestellt.

 
Wetterscheide

Grenzlinie, die Gebiete mit unterschiedlichem Wetter trennt, vor allem im Gebirge, z.B. Föhn auf der Alpennordseite, Regen südlich des Alpenhauptkammes.

 
Wind

Die Bewegung der Luft bezeichnet man als Wind; sie entsteht als ausgleichende Strömung vom hohen zum tiefen Luftdruck, die um so stärker ist, je größer der Luftdruckunterschied ist Druckgradient. In der freien Atmosphäre (Höhenwetterkarte) weht der Wind infolge der ablenkenden Kraft der Erdumdrehung (Corioliskraft) annähernd isobaren- bzw. isohypsenparallel. In Bodennähe (Bodenwetterkarte) hingegen strömt die Luft infolge der Reibung (auf der Nordhalbkugel) spiralförmig ins Tiefzentrum gegen den Uhrzeigersinn ein bzw. spiralförmig aus dem Hoch im Uhrzeigersinn heraus. Eine wesentliche Eigenschaft des Windes ist seine Böigkeit, die bei der Windmessung berücksichtigt werden muss. Ferner ist zubeachten, dass der Wind im Gegensatz zu anderen meteorologischen Elementen eine vektorielle Größe ist, d. h. er hat einen Betrag (Windgeschwindigkeit) und eine (dreidimensionale) Richtung (Windrichtung). Da außer bei konvektiven Vorgängen die vertikale Windkomponente (w) wesentlich kleiner als die horizontalen Komponenten ist, wird in der Regel nur Geschindigkeit und Richtung der horizontalen Windkomponenten (u, v) gemessen. Die Feststellung der Windrichtung erfolgt mit der Windfahne. Dabei gilt immer als Richtung, woher der Wind weht (Achtung: für Meeresströmungen umgekehrt!). Die genaue Windrichtung wird in Graden (360°-Skala), bezogen auf den geografischen Nordpol, angegeben, wobei von Norden (N = 0°; im Flugwetterdienst aber mit 360° angegeben, um Irrtümer zu vermeiden) über Osten (E = 90°), Süden (S = 180°) und Westen (W = 270°) gezählt wird. Ost wird nicht mit O, sondern mit E (engl. east) abgekürzt, um Ost nicht mit dem französischem "ouest" (West) zu verwechslen. Die Angabe der Windrichtung erfolgt auf 10° gerundet (bei Radiosondenmessungen auf 5°). Achtung: Für Landung und Abflug wird die Windrichtung analog der Pistenbezeichnung auf den magnetischen Nordpol bezogen von den Fluglotsen an die Piloten weiter gegeben, da sich die an Bord befindlichen Navigationsinstrumente nach magnetisch Nord orientieren!; Für Österreich sind allerdings die Abweichungen (Deviation) derzeit minimal. Die Windstärke bzw. Windgeschwindigkeit wird angegeben nach der Beaufort-Skala (Stärke 1-17) oder mittels Anemometer in Meter pro Sekunde (m/s), Kilometer pro Stunde (km/h) oder Knoten (kt) = Seemeilen pro Stunde. Im Flugwetterdienst gelten seit 1949 Knoten als Geschwindigkeitsmaß (1 Seemeile = 1852 m). Zur Umrechnung der Windgeschwindigkeit dient die Faustregel: Knoten mal 2 minus 10 % = km/h; Knoten geteilt durch 2 = m/s. In der Wetterkarte wird der Wind als Vektor (Windpfeil) dargestellt: Die Spitze des Pfeils zeigt in die Richtung, in die der Wind weht und die Fiederung gegen die Windrichtung, wobei die Fiederung immer in die Richtung des tiefen Druckes zeigt; eine Feder bedeutet 10 kt, eine halbe Feder 5 kt, eine zu einem Dreieck ausgefüllte Feder 50 kt.

 
Wind-Chill Index

Wie aus eigener Erfahrung bekannt kann man bei gleicher Temperatur mehr oder weniger frieren bzw. schwitzen. Das hängt maßgeblich von der Windgeschwindigkeit und der Luftfeuchtigkeit ab. Vor allem bei tieferen Temperaturen und höheren Windgeschwindigkeiten entsteht eine effektive Empfindungstemperatur, die weit unter der gemessenen Lufttemperatur liegen kann. Der Wind-Chill-Index ist die effektive Empfindungstemperatur, die sich infolge des turbulenten Wärmeentzuges an der Hautoberfläche bei einer bestimmten Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit ergibt. So ist z.B. bei einer Lufttemperatur von 0°C und einer Windgeschwindigkeit von 30 km/h die effektive Empfindungstemperatur auf der Haut -13°C! Siehe auch Abkühlungsgröße.

 
Winddrehung

Winddrehung mit der Höhe. Der Winkel zwischen Isobaren und Windrichtung hängt von der Rauhigkeit der Unterlage ab (über dem Meer 0-10°, über Land 30-45°). Mit zunehmender Höhe dreht der Wind bis zur Obergrenze der Reibungszone in ca. 1000-1500m nach rechts, wobei gleichzeitig seine Geschwindigkeit zunimmt.

 
Windgeschwindigkeit

Der Weg der bewegten Luft pro Zeiteinheit; wird in Meter pro Sekunde (m/s) oder Knoten (kt) = Seemeilen bzw. nautische Meilen/Stunde (nm/h) ausgedrückt. Umrechnung der Windgeschwindigkeitsmaße: 1 kt = 1 nm/h = 0,51 m/s = 1,85 km/h; 1 m/s = 1,94 kt = 3,6 km/h; 1 km/h = 0,54 kt = 0,28 m/s. Einfache Faustregel für die Umrechnung von Knoten (im Wetterschlüssel meist angegeben) in Kilometer/Stunde: Wind in Knoten mal 2, dann minus 10% = Wind in km/h.

 
Windhose

Kleinräumiger Wirbelwind, der bereits beträchtliche Schäden anrichten kann; zählt zu den Groß-Tromben. Tritt auch über dem wärmeren Ozean als "Wasserhose" auf. Kommt am häufigsten in der Kalmenzone in Ostindien und an der Küste von Guinea vor, seltener im Mittelmeerraum und in Europa.

 
Windrichtung

Als Windrichtung wird in der Meteorologie immer die Himmelsrichtung angegeben, aus der der Wind weht (im Gegensatz zu Meeresströmungen!). Für genaue Windrichtungsangaben wird in der Flugmeteorologie die 360°-Skala verwendet, z.B. bedeutet die Windrichtungsangabe Westwind, dass der Wind aus 270° weht.

 
Windscherung (Wind Shear)

Siehe: Scherung

 
Windsprung

Die plötzliche starke Änderung der Windrichtung, besonders bei Kaltfronten. Spielt im Flugverkehr eine wichtige Rolle, da bei Windsprung die Pistenanflugrichtung rechtzeitig geändert werden muß.

 
Windstärke

Stärke des Windes nach der von Sir F. Beaufort (1806) aufgestellten Skala in 12 Stufen, die entsprechend den Windwirkungen geschätzt werden können. Die Skala wurde später auf 17 Stufen erweitert. Siehe Beaufort-Skala.

 
Wintergewitter

Treten durchwegs als Frontgewitter auf und sind verbunden mit kräftigem Schneetreiben; am Festland seltener als auf dem Meer.

 
Wirbelsturm

Allgemein jede wirbelartige stürmische Luftbewegung, im eigentlichen Sinn der tropische Wirbelsturm. Siehe tropischer Wirbelsturm, Tornado, Trombe.

 
Wolken

Ansammlung von kleinen Wassertröpfchen oder Eisteilchen, deren Fallgeschwindigkeit so gering ist, dass die Wolken in der Atmosphäre zu schweben scheinen. Wolken entstehen durch Abkühlung feuchter Luft in der Höhe infolge Hebung, bis der Wasserdampf kondensiert. Man unterscheidet Wolken ohne Struktur (Cirrostratus, Altostratus, Stratus, Nimbostratus), Wolken mit Struktur (Cirrus, Cirrocumulus, Altocumulus, Stratocumulus) und Wolken mit vorwiegend vertikalem Aufbau (Cumulus, Cumulonimbus). Die Wolken stellen eine Stufe im Wasserkreislauf dar: von der Erdoberfläche (Meere, Seen, Flüsse, feuchte Erdoberfläche, Vegetation) verdampft Feuchtigkeit, wird als Wasserdampf in höhere Bereiche der Troposphäre transportiert, kondensiert dort zu Wolken, aus denen dann das Wasser in Form von Regen oder Schnee wieder auf die Erdoberfläche zurückkehrt.

 
Wolkenart

Bezüglich Wolken wird die Troposphäre in drei Stockwerke eingeteilt: das untere Stockwerk (0 bis ca. 2500 m) mit Cumulus (CU), Stratus (ST) und Stratocumulus (SC); das mittlere Stockwerk (2500 bis ca. 5500m): Altocumulus (AC) und Altostratus (AS); das obere Stockwerk (5500m bis zur Tropopause): Cirrus (CI), Cirrocumulus (CC), Cirrostratus (CS). Wolken mit großer Vertikalerstreckung: Cumulonimbus (CB) und Nimbostratus (NS). Siehe Wolken, Wolkenatlas.

 
Wolkenaufzug

Beim Herannahen einer Warmfront ziehen die Wolken in folgender (idealer) Reihenfolge auf: Cirrus und Cirrostratus, Altostratus und Altocumulus, gefolgt von Nimbostratus und Stratus. Diese charakteristische Wolkenanordnung entsteht an der Aufgleitfläche der Warmfront, die etwa 1 : 300 geneigt ist. Die Warmluft strömt dabei über die Warmfrontfläche auf, die die Luftmasse zur darunterliegenden Kaltluft abgrenzt, wird gehoben und kühlt sich dabei ab, bis es zur Wolken- und Niederschlagsbildung kommt. Der Wolkenaufzug der Warmfront gilt als verläßlicher Schlechtwettervorbote.

 
Wolkenbruch

Sehr starker Niederschlag kurzer Dauer, in Mitteleuropa definiert ab 60 mm in einer Stunde oder 70 mm in zwei Stunden. Der intensivste Regenfall der Welt wurde am 26. November 1970 auf Guadeloupe (Antillen) gemessen: 38 mm in 1 Minute; innerhalb von 3 Minuten fielen 1911 in Portobelo (Panama) 63 mm Niederschlag; 401 mm Niederschlag innerhalb von einer Stunde wurden 1975 in Shangdi (China)registriert. 1 mm Niederschlag entspricht 1 Liter Regen pro Quadratmeter.

 
Wolkenfetzen (Cloud Tags)

Abgerissene, zerfetzt wirkende Wolkenteile, ohne Verbindung zu größeren Wolken; siehe Fractus oder Scud.

 
Wolkenuntergrenze

Die genaue Beobachtung und Vorhersage der Höhe der Wolkenuntergrenze (Wolkenbasis) ist speziell für den Sichtflugverkehr besonders wichtig. Die Höhe kann mittels Wolkenscheinwerfer (veraltet) oder Ceilometer (Laufzeitmessung eines Licht- oder Radarimpulses) gemessen werden; in den Bergen ist die Bestimmung der ungefähren Höhe an bekannten Punkten der Topografie möglich. Auch aus der Steigzeit von Pilotballonen kann die Wolkenuntergrenze bestimmt werden, wenn die Steiggeschwindigkeit bekannt ist. Die Basis von Cumulus-Wolken kann auch aus der Taupunktsdifferenz bestimmt werden. In der internationalen Luftfahrt wird die Wolkenuntergrenze in Fuß (ft) angegeben: 100ft = 30,5m. Neben der Sichtweite ist die Höhe der Wolkenuntergrenze auch für den Instrumentenflug ein wichtiges flugmeteorologisches Element. Sie ist entscheidend dafür, ob ein Start bzw. eine Landung und damit ein Flug überhaupt möglich sind. Die Wolkenuntergrenze ist in ihrer Struktur sehr unterschiedlich; es können auch kurzzeitig größere Schwankungen auftreten. Tiefliegender Stratus oder Hochnebel hat meist eine diffuse Untergrenze. Cumulus hingegen haben eine glatte Untergrenze (=Kondensationsniveau); ihre Höhe weist nur Schwankungen im Tagesgang auf. Bei stärkerem und anhaltenden Niederschlag bilden sich unter der Wolke durch Verdunstung der fallenden Regentropfen Wolkenfetzen (stratus fractus) mit einem Bedeckungsgrad von 4 bis 7/8 und schwankenden Untergrenzen. Der Tagesgang der Höhe der CU-Wolkenuntergrenze hängt von der Jahreszeit (Ausmaß der Einstrahlung) und der Stabilität der Schichtung ab. Das Ansteigen der CU-Basis über die Mittagszeit ist auf die Vergrößerung der Taupunktsdifferenz (Spread) infolge der Erwärmung durch die Sonneneinstrahlung zurückzuführen. Nachts tritt der gegenteilige Effekt auf: Die nächtliche Abkühlung infolge Ausstrahlung verringert den Spread, die Basis sinkt ab. Faustformel für die Berechnung der Höhe derWolkenuntergrenze von Quellwolken: Höhe in Meter = 122 mal Spread; Höhe in Fuß = 400 mal Spread.

X

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Y

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Z

Zelle (Cell)

Konvektion in Form eines einzelnen Aufwindes, Abwindes, oder Aufwind-/Abwindpaares, typischerweise sichtbar als vertikale "Kuppel" oder "Turm", wie etwa in einer Cumulus- oder Cumulus congestus- ("Towering Cumulus") Wolke. Ein typisches Gewitter besteht aus verschiedenen Zellen (s. Multizellengewitter). Der Ausdruck Zelle wird auch verwendet, um das Radarecho eines einzelnen Schauers oder Gewitters zu beschreiben. Diese Verwendung ist zwar gebräuchlich, aber technisch inkorrekt.

 
Zonale Strömung (Zonal Flow)

Großskalige atmosphärische Strömung, in der die West-Ost-Komponente (d.h. latitudinal) dominiert. Die begleitende meridionale (Nord-Süd-) Komponente ist oft schwächer als normal. Vergl. meridionale Strömung.

 
Zugstraßen

Zugstraßen der Zyklonen. Die Zyklonen, die auf Europa treffen, werden meist an der Polarfront über dem Nordatlantik gebildet. Entsprechend dem in unseren Breiten vorherrschenden Westwindband verlaufen deren Zugbahnen in ostnordöstlicher Richtung. Typische Zugbahnen der Tiefdruckgebiete in Europa wurden von W.J. van Bebber (1841-1909) für den Zeitraum 1876-1880 statistisch erfaßt und mit römischen Ziffern I bis V bezeichnet. Für Mitteleuropa spielen dabei die Zugstraßen IVb (entlang der Nord- und Ostseeküste) und besonders die Zugstraße Vb (von der Adria über Ungarn nach Polen verlaufend) eine Rolle. Vb-Zyklonen sind an fast allen Donau- und Oder-Hochwassern beteiligt. Die übrigen Zugbahnen haben sich jedoch als nicht so relevant herausgestellt und haben im praktischen Synoptischen Dienst kaum Bedeutung.

 
Zustrombereich

Nicht zu verwechseln mit der Versorgungslinie; markiert das Gebiet des stärksten Zustrombereiches von Warmluft, oft gekennzeichnet durch Sc-fractus Wolken, die auf die Zelle zuziehen. Sowohl bei Superzellen, als auch bei anderen Arten von Gewittern zu finden.

 
Zwischenhoch

Kleines, wanderndes Hochdruckgebiet, das zwischen zwei aufeinander folgenden Tiefdruckgebieten eingebettet ist und mit diesen meist ostwärts zieht. Das damit verbundene Schönwetter ist dadurch nur von kurzer Dauer.

 
Zyklisches Gewitter (Cyclic Storm)

Ein Gewitter, das zyklisches Verhalten im Wechsel von Intensivierung und Abschwächung (pulsieren) zeigt, dabei aber seine Eigenständigkeit beibehält. Zyklische Superzellen sind imstande mehrere Tornados (d.h. eine "Tornadofamilie") und/oder diverse Unwettererscheinungen hervorzubringen. Ein Gewitter, das nur einen einzelnen Zyklus durchläuft und sich dann auflöst nennt man "pulsierend" bzw. "Pulse Storm".

 
Zyklone

Bezeichnung für Tiefdruckgebiet, Depression. Gegensatz: Antizyklone. Siehe Tief, Cut-off-Zyklone, Genua-Zyklone, Islandtief.

 
Zyklogenese (Cyclogenesis)

Entwicklung oder Intensivierung eines Tiefdruckgebietes (Zyklone).

 
Zyklonale Zirkulation bzw. Zyklonale Rotation (Cyclonic Circulation (or Cyclonic Rotation))

Zirkulation (bzw. Rotation) in gleicher Richtung mit der Erdrotation, z.B. von oben betrachtet gegen den Uhrzeigersinn (auf der Nordhalbkugel). Fast alle Mesozyklonen und starken oder verheerenden Tornados zeigen zyklonale Rotation. Aber einige kleinere Wirbel, wie beispielsweise Gustnados, rotieren gelegentlich antizyklonal. Als zyklonales Wetter bezeichnet man ein Wetter, das unter dem Einfluß einer Tiefdruckzone steht, im Gegensatz zum antizyklonalen, unter Hochdruckeinfluß stehenden Wetter.

 
Zyklonenfamilie

An ein und derselben Frontalzone bilden sich meist mehrere Zyklonen, die in einem Abstand von 1-2 Tagen ostwärts wandern und unterschiedliche Entwicklungsstadien aufweisen. Die "Familie" reicht von der jungen Zyklone (Wellenstörung), die sich über dem Nordatlantik bildet, über das Entwicklungs- und Reifestadium bis zur Okklusion (meist bereits weit über Osteuropa) und umfaßt meist 3-5 "Mitglieder". Besonders eindrucksvoll im Satellitenbild erkennbar.

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